Telekomausrüster streicht Stellen
Ericsson übernimmt großes Stück von Marconi

Der schwedische Telekomausrüster Ericsson übernimmt weite Teile seines britischen Wettbewerbers Marconi. Im Gegenzug sind aber auch in Deutschland Stellenstreichungen geplant.

HB STOCKHOLM/LONDON. Umgerechnet zahle Ericsson für Geschäfte, die 75 % des Marconi-Umsatzes ausmachen, rund 1,8 Mrd. € (16,8 Mrd. schwedische Kronen), wie das schwedische Unternehmen am Dienstag bekannt gab. Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg sagte, rund 1000 der insgesamt 6670 Arbeitsplätze in Marconis Niederlassungen in Deutschland, Italien, Großbritannien und den USA würden voraussichtlich wegfallen. In Deutschland beschäftigt Marconi nach eigenen Angaben 1500 Mitarbeiter. Vertreten ist das Unternehmen an den Standorten Backnang, Offenburg, Frankfurt und Radeberg. Es betreibt zudem mehrere Vertriebsbüros.

Wie stark Deutschland von den Streichungen getroffen werde, stehe nicht fest, sagte eine Ericsson-Sprecherin. „Es ist zu früh zu beurteilen, wie der Integrationsprozess verlaufen wird und wie viele Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen werden.“

Die Übernahme der Marconi-Geschäfte werde 14 Mrd. Kronen an Umsatz einbringen, kündigte Ericsson weiter an. Auf das Ergebnis je Aktie werde es sich im Jahr 2006 nicht auswirken, im Jahr darauf werde der Zukauf aber den Gewinn positiv beeinflussen. Die Pensionsverpflichtungen des britischen Traditionsunternehmens sind nicht Bestandteil der Vereinbarung. Der Großteil des Kaufpreises fließt nach Ericsson-Angaben in die Übernahme von immateriellen Werten wie Markennamen und Patenten. Marconi bestätigte die Angaben und kündigte für die nicht übernommenen Teile ebenfalls Stellenstreichungen an. Ericsson übernimmt den Namen Marconi. Der Rest des Konzerns soll in Telent umbenannt werden.

Ericsson, der weltweit größte Anbieter von Ausrüstungen für Mobilfunknetze, setzt durch die Übernahme stärker auf das Breitband. „Die Aufrüstung auf Breitband wird zu einer massiven Zunahme des Datenverkehrs führen. Die Vermittlungskapazitäten in Telekom-Netzen wird dramatisch erhöht werden müssen“, teilte das Unternehmen weiter mit. Marconi bringt mit optischen Schaltungen seine Stärke bei der Übermittlung von Sprache und Daten über mittlere und lange Entfernungen ein. Ericsson beherrscht bereits den Weltmarkt für Ausrüstungen für den Funkzugang zu Netzen. „Der Kauf der Marconi-Geschäfte folgt einer zwingenden strategischen Logik und ist eine finanziell solide Angelegenheit“, erklärte Svanberg.

Analysten bewerteten das Geschäft als positiv für Ericsson. „Es stärkt ihre Markt- und Produkt-Präsenz in Gebieten, in denen sie heute nicht so stark sind“, sagte Johan Strandberg von SEB Asset Management. Fondsmanager Theo Maas von ABN Amro Asset Management sieht nach der ersten großen Übernahme eines Telekom-Ausrüsters seit langem die Möglichkeit einer weiteren Konsolidierung: „Es gibt Raum für eine weitere Konsolidierung in dieser Branche, und das könnte den Beginn signalisieren.“

Der einzig verbliebene britische Vertreter der Branche, Marconi, ist seit längerem angeschlagen. Nach dem Platzen der Internet-Blase im Jahr 2000 stand das Unternehmen kurz vor dem Aus. Erst im Mai 2003 war Marconi an die Börse zurückgekehrt. Im April war das Unternehmen erneut unter Druck geraten, weil der britische Großkunde BT sich für einen anderen Lieferanten zur Modernisierung seines Netzes entschieden hatte.

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