Telekomdienstleister
KKR schnappt sich Versatel

Der US-Finanzinvestor KKR hat die Übernahme des deutschen Telekom-Dienstleisters Versatel perfekt gemacht. Anteilseigner United Internet lässt sich jedoch eine Option für einen potenziellen Rückkauf offen.
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FrankfurtDer US-Finanzinvestor KKR wagt sich auf den hart umkämpften deutschen Telekommunikationsmarkt. Die Amerikaner übernehmen für gut 240 Millionen Euro das chronisch Verluste schreibende Düsseldorfer Telekom-Unternehmen Versatel - deutlich unter dessen Börsenwert. Unter der Ägide von KKR soll Versatel weiter zum "bevorzugten Netzwerkpartner für Groß- und Geschäftskunden" umgebaut werden, wie die Partner am Donnerstag mitteilten. Das DSL-Geschäft könnte verkauft werden. Im Privatkundengeschäft ist eine Kooperation mit dem bisherigen Versatel-Großaktionär United Internet geplant, der sich innerhalb von 17 Monaten mit 25,1 Prozent erneut an Versatel beteiligen kann.

"Mit seiner Marke und seinem exzellenten Glasfasernetz ist Versatel ein im europäischen Telekommunikationsmarkt einzigartiges Unternehmen", sagte KKR-Manager Henrik Kraft. Versatel betreibt nach eigenen Angaben das zweitgrößte deutsche Glasfasernetz nach der Deutschen Telekom. Richtig Fuß fassen konnte das Unternehmen aber nicht. Versatel schreibt seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts rote Zahlen. Der Wettbewerb in Deutschland ist hart und die Preise ständig unter Druck. Derzeit läuft bereits das zweite Sanierungsprogramm, mit dem 370 Stellen abgebaut werden sollen.

Vor zwei Jahren beschloss der Vorstand, sich nur noch um Geschäftskunden zu kümmern - das DSL-Geschäft wurde zwar weiter betrieben, aber die Vermarktung eingestellt. Ende März zählte Versatel 622.000 DSL-Kunden. Versatel-Chef Alain Bandle schloss den Verkauf der Sparte in einer Telefonkonferenz nicht aus. Nach Angaben von KKR hat United Internet aber keine Option auf das DSL-Geschäft, auf das Vorstandschef Ralph Dommermuth ein Auge geworfen hat.

Versatel soll nach dem Willen der Amerikaner rasch von der Börse genommen werden. KKR hat sich schon 97 Prozent der Anteile gesichert und kann die restlichen Aktionäre damit hinausdrängen. Ihnen bietet KKR 6,70 Euro pro Versatel-Aktie, die am Mittwoch noch mit 7,95 Euro geschlossen hatte. Am Donnerstag stürzten die Titel um 15 Prozent auf 6,78 Euro ab. Die drei Versatel-Großaktionäre, die Finanzinvestoren Apax Partners (41,7 Prozent) und Cyrte (25,0 Prozent) sowie United Internet (25,2 Prozent) kommen noch schlechter weg. Ihnen zahlt KKR nur 5,50 Euro für ihre Anteile. Fünf Prozent der übrigen Anteilseigner hat KKR nach eigenen Angaben ebenfalls schon auf seine Seite gezogen.

United Internet erwartet aus dem Verkauf seiner Anteile im dritten Quartal einen Ertrag von rund 15 Millionen Euro. Der allergrößte Teil des Verkaufspreises von 63,2 Millionen Euro wird allerdings für 17 Monate gestundet. Für diesen Zeitraum habe sich der Internet-Dienstleister neben der Option auf die Sperrminorität auch eine Kaufoption gesichert, um Versatel ganz zurückzukaufen. Eine mit der Transaktion vertraute Person sagte Reuters, es sei unwahrscheinlich, dass es zu einem Komplettverkauf an United Internet kommen werde. KKR würde in dem Fall einen deutlichen Aufschlag verlangen. United Internet-Aktien legten um 1,1 Prozent zu.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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