Telekomkonzern „Gefahr für die nationale Sicherheit“ – Britische Behörde warnt vor chinesischer ZTE

Das Cyberattacken-Abwehrzentrum warnt Firmen vor dem Telekomkonzern aus China. Auch in den USA steht ZTE zunehmend unter Druck.
Update: 16.04.2018 - 17:54 Uhr 1 Kommentar
Der Telekommunikationsanbieter steht bereits seit Längerem unter Beobachtung der Behörden. Quelle: Reuters
ZTE-Gebäude im chinesischen Shenzen

Der Telekommunikationsanbieter steht bereits seit Längerem unter Beobachtung der Behörden.

(Foto: Reuters)

London, WashingtonDas chinesische Telekomunternehmen ZTE ist in Großbritannien ins Visier der Behörden geraten. Der Technische Direktor des nationalen Cyberattacken-Abwehrzentrums NCSC hat in einem Brief Unternehmen aus der Telekombranche sowie die Aufsichtsbehörde Ofcom gewarnt, dass der Einsatz von ZTE-Gerät oder Dienstleistungen in der Telekommunikationsinfrastruktur „langfristig eine Gefahr für die nationale Sicherheit Großbritanniens“ darstellen könne, wie die „Financial Times“ berichtet.

Die Behörde bestätigte auf Anfrage, eine solche Warnung ausgesprochen zu haben. Das sei „angemessen und Aufgabe“ des Zentrums.

Auch in den USA hat ZTE Schwierigkeiten – allerdings aus anderen Gründen: Das US-Handelsministerium hat entschieden, dass amerikanische Unternehmen ZTE keine Komponenten mehr liefern dürfen. Die Entscheidung geht auf Verstöße gegen Iran-Sanktionen zurück.

ZTE hatte in der Vergangenheit US-Technologie an den Iran verkauft und damit gegen die US-Sanktionen verstoßen. Bereits im vergangenen Jahr war ZTE deshalb in den USA zu einer Rekordstrafe von 1,2 Milliarden Dollar verurteilt wurden. Außerdem sollte es einige der verantwortlichen Mitarbeiter entlassen und anderen die Boni streichen.

Wie nun bekannt wurde, haben diese Mitarbeiter aber ihre Boni in voller Höhe erhalten, und sie sind auch nicht gerügt worden. Deshalb hat das Handelsministerium nun den US-Unternehmen verboten, an ZTE zu liefern.

„ZTE hat das Handelsministerium in die Irre geführt. Statt die ZTE-Mitarbeiter und das hochrangige Management zu rügen, hat ZTE sie belohnt. Dieses ungeheuerliche Verhalten kann nicht ignoriert werden“, begründete Handelsminister Willbur Ross die Entscheidung.

ZTE hat in der Vergangenheit Handys an Mobilfunkanbieter wie AT&T und T-Mobile US und Sprint verkauft. Für die Geräte nutzte das chinesische Unternehmen aber Komponenten von Qualcomm, Microsoft und Intel.

ZTE und Huawei stehen schon länger unter Verdacht

In den USA steht man ZTE schon länger kritisch gegenüber – genauso wie dessen deutlich größerem Konkurrenten Huawei. Bereits 2012 veröffentlichte der US-Kongress einen Bericht, im dem Huawei vorgeworfen wurde, ein nationales Sicherheitsrisiko darzustellen.

Angeblich stünden Huawei und ZTE unter dem Einfluss der Regierung in Peking. Beide Unternehmen würden amerikanische Netzwerke ausspionieren und lahmlegen können. Seither ist es den zwei Firmen praktisch unmöglich, Verträge mit amerikanischen Telekomanbietern abzuschließen.

Auch in Großbritannien ist man überzeugt, dass ZTE vom chinesischen Staat kontrolliert wird. Auf der Insel ist ZTE bislang ein relativ kleiner Anbieter, im Gegensatz zu Huawei, das sehr wohl Teile der Infrastruktur für britische Mobilfunktelefone und Breitbandnetze liefert. Mitarbeiter einer britischen Regierungsbehörde überwachen jedoch die Geschäfte.

Nun macht sich der Leiter des Cyberattacken-Abwehrzentrums aber offenbar Sorgen, dass mit ZTE ein weiteres chinesisches Unternehmen auf der Insel aktiv wird und man die Geschäfte der beiden Firmen möglicherweise nicht mehr kontrollieren könne.

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1 Kommentar zu "Telekomkonzern: „Gefahr für die nationale Sicherheit“ – Britische Behörde warnt vor chinesischer ZTE"

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  • Wie kann es sein, dass in Großbritannien offizielle Warnungen ausgegeben werden, weil ZTE „eine Gefahr für die nationale Sicherheit“ darstellt und in den USA ein komplettes Handelsembargo verhängt wird... während sich hierzulande die ZTE mit eigener Niederlassung breit macht und auch noch groß in den Breitbandausbau investiert und es niemanden interessiert, dass sie dadurch freie Hand haben, um großangelegt Daten von Kundenanschlüssen abzufischen?

    Oder wie soll man das hier verstehen?! :

    http://www.zte-deutschland.de/presse/press_releases/201710/t20171026_15584.html

    https://www.golem.de/news/bouwfonds-und-zte-konkurrent-fuer-deutsche-glasfaser-beginnt-mit-ausbau-1711-131000.html

    ZTE -DEUTSCHLAND- GmbH, Breitbandversorgung -DEUTSCHLAND- GmbH; -DEUTSCHE- Glasfaser GmbH - schreibt man oft genug DEUTSCHLAND drauf, fällt niemandem mehr auf das China drin steckt?!

    BBV Münsterland GmbH, BBV Rhein Neckar GmbH, BBV Ostwestfalen GmbH, hier werden offenbar ungeschützte(?) Ortsnamen verwendet um einen künstlichen Regionalbezug herzustellen und um die wahren Interessen der (chinesischen) Geldgeber/Investoren zu verschleiern. Daten sind die neue Währung und der Kunde schnell verkauft!!!

    Robert

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