Telekomkonzern gewinnt Übernahmepoker um MCI – Konsolidierung in den USA geht weiter: Verizon baut US-Marktführung aus

Telekomkonzern gewinnt Übernahmepoker um MCI – Konsolidierung in den USA geht weiter
Verizon baut US-Marktführung aus

Der US-Telekommunikationskonzern Verizon hat das Übernahmepoker um MCI gewonnen. Verizon kauft den auf Ferngespräche und Firmenkunden spezialisierten Konkurrenten für rund 6,75 Mrd. Dollar in bar und Aktien. Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

tor NEW YORK. Die regionale Telefongesellschaft Qwest hatte zuletzt 7,3 Mrd. Dollar für MCI geboten, geht aber trotzdem leer aus. Die hohen Schulden und die schlechte Bonität von Qwest gaben nach Angaben von Beobachtern den Ausschlag. „Wir sind der richtige Partner für Verizon“, sagte MCI-Chef Michael Capellas.

Es ist die dritte Großfusion innerhalb weniger Monate auf dem Telekom-Markt USA. Zuvor hatte Sprint den Wettbewerber Nextel für 35 Mrd. Dollar gekauft und SBC Communications die Telekom-Ikone AT&T für 16 Mrd. Dollar übernommen. Die Konsolidierung wird getrieben von dem starken Wachstum im Mobilfunk und im Breitbandgeschäft sowie einem harten Kampf um die lukrativen Firmenkunden.

Dagegen verliert das herkömmliche Telefongeschäft im Festnetzbereich immer mehr an Bedeutung. Verizon hat in den vergangenen drei Jahren etwa 6,8 Millionen Festnetzkunden an den Mobilfunk und die stark wachsende Internettelefonie verloren. Der Zusammenschluss von SBC und AT&T hat den Konzern jetzt in Zugzwang gebracht. MCI war der letzte unabhängige Anbieter von Ferngesprächen in den USA.

Die nach der Zerschlagung von AT&T im Jahr 1984 entstandenen regionalen Telefongesellschaften – kurz „Baby Bells“ genannt – haben den Markt für Ferngespräche weitgehend unter sich aufgeteilt. Interessant ist MCI jedoch vor allem deshalb, weil der Konzern ein weltweites Netz hat und mehr als eine Million lukrative Firmenkunden – darunter Konzerne wie Hewlett-Packard und Daimler-Chrysler. „Mit dem Zukauf beschleunigen wir unser Wachstum im Firmenkundengeschäft“, sagte Verizon-Chef Ivan Seidenberg.

Verizon hatte im Übernahmepoker um MCI von Anfang an die besseren Karten. Der Konzern strotzt vor Finanzkraft und bringt es auf einen Börsenwert von mehr als 100 Mrd. Dollar. Qwest ist dagegen mit mehr als 17 Mrd. Dollar hoch verschuldet und hat einen Marktwert von 7,5 Mrd. Dollar. Verizon zahlt für MCI eigene Aktien im Wert von 4,8 Mrd. Dollar und 488 Mill. Dollar in bar. Außerdem erhalten die MCI-Aktionäre eine Sonderdividende von insgesamt 1,5 Mrd. Dollar, und Verizon übernimmt Netto-Schulden von vier Mrd. Dollar.

Der Konzern erhofft sich durch die Akquisition positive Effekte auf Umsatz und Ergebnis von insgesamt sieben Mrd. Dollar. Dazu sollen auch Personalschnitte beitragen: Von den 250 000 Arbeitsplätzen sollen 7 000 wegfallen. Sichtbar in der Bilanz würden die Früchte der Übernahme nach drei Jahren. „Verizon ist eher als Qwest in der Lage, den Wert von MCI zu maximieren“, sagte Ivan Feinseth, Telekom-Analyst bei Matrix USA.

MCI hat unter seinem Chef Capellas eine Rosskur hinter sich. Nach seiner spektakulären Pleite – damals noch unter dem Namen „Worldcom“ – musste das Unternehmen Gläubigerschutz beantragen und baute mehr als 20 000 Arbeitsplätze ab. Im letzten Quartal 2004 sank der Umsatz um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf fünf Mrd. Dollar.

Unklar ist die berufliche Zukunft von Capellas. Der ehemalige Compaq-Chef gilt als möglicher Nachfolger für die kürzlich entlassene Hewlett-Packard-Chefin Carleton Fiorina.

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