Telekomkonzern
Übernahmeangebot für TDC steht unmittelbar bevor

Das Bieterkonsortium, das am Kauf des dänischen Telekom-Konzerns TDC interessiert ist, hat in Dänemark mehrere gemeinsame Tochterunternehmen gegründet. Damit scheint klar, dass die amerikanischen Investmentgesellschaften Apax Partners, Blackstone, Kohlberg Kravis Roberts, Permira und Providence nach monatelangen Spekulationen tatsächlich unmittelbar vor der Veröffentlichung eines Übernahmeangebots an TDC stehen.

HB STOCKHOLM. Die Konzernstruktur mit einer Vielzahl von Tochtergesellschaften macht TDC zu einem attraktiven Übernahmeobjekt, da das Unternehmen leicht aufgeteilt und weiterverkauft werden kann. In Deutschland gehört der Mobilfunkanbieter Talkline zum dänischen Konzern. In den baltischen und nordeuropäischen Ländern, in Österreich und Polen unterhalten die Dänen Tochtergesellschaften, die zusammen für etwas mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes von 46,5 Mrd. Kronen stehen.

Weder von den Finanzinvestoren noch von TDC gab es gestern einen Kommentar. Der Telekomkonzern hatte im August nur erklärt, man erhalte von Zeit zu Zeit Anfragen, die man stets prüfe. Darüber hinaus wollte TDC keine weiteren Kommentare geben.

Nach Dokumenten, die dem Handelsblatt vorliegen, haben die fünf Gesellschaften in Kopenhagen bereits die Unternehmen Nordic Telephone Company Administration, Nordic Telephone Company Holding, Nordic Telephone Company Finance, Nordic Telephone Company Investment und Nordic Telephone Company Aps gegründet. Die fünf Firmen wurden mit Hilfe einer Kopenhagener Anwaltskanzlei zwischen dem 21. Oktober und 11. November dieses Jahres gebildet.

Anwälte der Kanzlei fungierten wenige Tage als Aufsichtsratsmitglieder, wurden dann jedoch am 14. November durch Oliver Haarmann von Kohlberg Kravis Roberts, Richard Wilson von Apax, Kurt Björklund von Permira, Walid Nabil Kamhawi von Blackstone und Gustavo Schwed von Providence ersetzt. Somit hat jedes Mitglied des Konsortiums einen hochrangigen Vertreter in der Nordic Telephone Company.

Die Bildung der Firmen und der schnelle Wechsel an der Spitze der Unternehmen ist ein weiteres Indiz, dass ein Übernahmeangebot an TDC unmittelbar bevorsteht – es kann über die neu gebildeten Unternehmen abgegeben werden. Nach Medienberichten feilen die Investoren nur noch an Details, um dann in Kürze den TDC-Aktionären eine komplette Offerte zu unterbreiten. Nach unbestätigten Angaben wollen die Finanzinvestoren 380 Kronen (50,90 Euro) je TDC-Aktie zahlen und bewerten den Ex-Monopolisten damit mit knapp zehn Mrd. Euro. Der Kurs der TDC-Aktie stieg gestern an der Börse in Kopenhagen deutlich auf 367 Kronen.

Neben den genannten fünf Investmentgesellschaften soll es ein zweites Bieterkonsortium aus dem britischen Finanzinvestoren Cinven und BC Partners sowie den US-Gesellschaften Apollo Management und Silver Lake Partners geben. Auch dem Schweizer Telekom-Konzern Swisscom wird seit Wochen ein Interesse an TDC nachgesagt, obwohl das Unternehmen derzeit die Übernahme des irischen Konkurrenten Eircom für rund 2,6 Mrd. Euro erwägt. Ein Bieterkampf zwischen den drei Gruppen ist nicht auszuschließen, Analysten in Stockholm geben der Swisscom wegen des hohen Preises aber kaum Chancen auf Erfolg.

Ein Verkauf von TDC wäre eine der größten Übernahmen im europäischen Telekom-Sektor in den vergangenen Jahren und folgte kurz nach der Übernahme der britischen O2 durch die spanische Telefónica und den Kauf der spanischen Amena durch France Télécom.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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