Telekommärkte
Kampf entbrennt um die TV-Frequenzen

Viviane Reding sorgt wieder einmal für Streit: Die umtriebige EU-Kommissarin bringt mit ihrem kürzlich präsentierten Vorschlag zur Neuordnung der Telekommärkte Fernseh- und Telekomkonzerne gegeneinander auf. Reding will den Telekomanbietern Rundfunkfrequenzen verkaufen, die bislang den Fernsehsendern kostenlos zur Verfügung gestellt wurden.

BERLIN / KÖLN. Die Telekomkonzerne sehen darin eine große Chance, preiswert ihre Netze aufzurüsten. Die Fernsehsender fürchten dagegen, dass sie langfristig in einem Bieterkampf mit den finanzstarken Telekomunternehmen gedrängt werden. „Es muss möglich sein, dass der Bedarf des Rundfunks gedeckt wird“, sagt Carl-Eugen Eberle, Justiziar des ZDF.

Hintergrund von Redings Vorschlag ist die Digitalisierung des TV-Empfangs via Antenne. EU-weit soll bis zum Jahr 2012 die analoge durch die digitale Technik ersetzt werden. Deutschland spielt dabei eine Vorreiterrolle – hierzulande soll die Umstellung schon 2008 abgeschlossen sein.

Die digitale Technik benötigt weit weniger Frequenzen – es werden also Kapazitäten frei. Fachleute sprechen von einer „digitalen Dividende“. Reding will die EU-Staaten verpflichten, den Sendern einen angemessenen Teil dieser Dividende wegzunehmen und sie für neue Angebote bereit zu stellen.

Dabei denkt die Kommissarin vor allem an die Mobilfunker. Sie verspricht sich davon eine Verbreitung schneller Internetverbindungen (DSL) in dünn besiedelten Gebieten. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) befürwortet Redings Vorstoß. „Die Frequenzen reduzieren die Kosten für den Netzaufbau drastisch“, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer dem Handelsblatt. Bisher lohnte sich dieser Ausbau in dünn besiedelten, ländlichen Gebieten nicht – weder für die Deutsche Telekom noch für die Konkurrenten aus dem Mobilfunk.

„Die bislang in Deutschland für Breitbanddienste zur Verfügung gestellten Frequenzen erlauben nur vergleichsweise kleine Funkzellen. Eine Versorgung dünn besiedelter ländlicher Regionen mit Breitbandanschlüssen ist damit wirtschaftlich nicht realisierbar – die Kunden müssten deutlich höhere Preise akzeptieren“, sagt Scheer, der neben seinem Verbandsposten Gründer und Vorstandschef des IT-Dienstleister IDS Scheer ist. „Erst mit den Frequenzen aus der digitalen Dividende wäre eine flächendeckende Versorgung mit Breitbandanschlüssen im ländlichen Raum möglich.“

Der nach Kunden drittgrößte deutsche Mobilfunker E-Plus rechnet vor, dass ein herkömmliches UMTS-Netz vier Mal mehr Basis-Stationen für die Mobilfunkantennen benötigt als ein Netz mit den frei werdenden Funkfrequenzen. „Diese Frequenzen sind sehr wichtig für die Entwicklung unseres Geschäfts – vor allem wenn es um den Ausbau von mobilem Breitband in der Fläche geht“, sagt ein Sprecher.

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