Telekommunikation
Boom bei asiatischen Kurznachrichten-Apps

WhatsApp war einmal: Neue Kurznachrichten-Apps von kleinen IT-Unternehmen überschwemmen den asiatischen Telekommunikationsmarkt und lehren Microsoft, Facebook und Apple zunehmend das Fürchten.
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SingapurWeltweit kämpfen Internet-Konzerne um den kürzesten Draht zum Verbraucher. In Asien heißen dabei die großen Herausforderer von Google, Apple, Amazon und Facebook KakaoTalk, Line oder WeChat. Diese hier unbekannten lokalen Kurznachrichtendienste erleben in China, Japan und Südkorea einen Boom und haben im Vergleich zu den Internet-Giganten oft eine größere Nähe zu den Konsumenten.

Längst setzen die Chat-Anbieter nicht mehr ausschließlich auf das Verschicken von Kurznachrichten, sondern verdienen ihr Geld mit Werbung, Spielen, der Vermittlung von Taxi-Fahrten oder mit gezielten Verkäufen einzelner Produkte. Damit können sie Experten zufolge die großen Internet-Konzerne zunehmend ärgern.

„Ist ein Dienst erst weit genug verbreitet, läuft ein Großteil der Kommunikation über ihn“, erläutert Netzwerk-Experte Marshall Van Alstyne von der Boston University. „Damit wird er zum strategischen Nadelöhr.“ In den meisten asiatischen Ländern ist das Mobiltelefon die wichtigste und zum Teil auch einzige Möglichkeit, ins Internet zu kommen. Vor allem in den nördlichen Staaten Asiens gibt es zudem immer mehr junge Leute mit steigenden Einkommen, die über Chat-Dienste vernetzt sind.

Und die Chat-Anbieter nutzen ihren Zugang zum Verbraucher bereits aus: In China können die mehr als 270 Millionen aktiven Nutzer der Plattform WeChat schon längst Taxis buchen, Handy-Konten wieder aufladen oder auch in Anlageprodukte investieren. Als der zur größten Internetfirma des Landes Tencent gehörende Chat-Dienst eine Bezahlfunktion einführte, um die traditionellen Geldgeschenke zum chinesischen Neujahrsfest auch via Smartphone übermitteln zu können, koppelten einer Umfrage zufolge drei von vier Nutzern ihr Bankkonto an ihr WeChat-Profil.
„In allen Märkten außerhalb der westlichen Welt wird damit experimentiert“, sagt Dmitry Levit, der sich in die Kommunikations-Plattform mig33 eingekauft hat. In Europa und Amerika kaufen die Menschen Musik und Spiele über den Apple-Store oder werden bei Facebook per Anzeige direkt zum passenden Produkt verlinkt.

Beim Chat-Dienst WhatsApp, gerade von Facebook gekauft, gibt es keine Werbung. Doch in Asien schieben sich die Kurznachrichten-Anbieter zunehmend zwischen die Internetkonzerne und den Verbraucher. Beispiel Südkorea: Sieben der einträglichsten Apps aus dem Google-Store werden über den Chat-Dienst Kakao vermarktet, der auf neun von zehn Smartphones in Südkorea läuft. Dieser bietet die Apps seinen Nutzern an und erhält dafür - genau wie Google - eine Provision. Für Spieleentwickler ist das ein einfacher, wenn auch teurer Vertriebsweg.

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„Big in Japan“

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