Telekommunikation
Debitel prüft Verkauf von Auslandstöchtern

Der Mobilfunkdienstleister Debitel will sich auf den Heimatmarkt Deutschland konzentrieren. Deshalb prüfe das Unternehmen den Verkauf seiner Auslandstöchter. Damit würde der deutsche Marktführer rund ein Viertel seines Umsatzes abgeben. Für eine Tochter gibt es schon Interessenten.

HB STUTTGART/AMSTERDAM. Verkauft werden sollen die Töchter in Dänemark, Frankreich, Slowenien und den Niederlanden. „Wir passen unsere Strategie an und wollen uns auf den deutschen Mobilfunkmarkt fokussieren“, sagte der bei Debitel als Berater tätige frühere Finanzchef Maarten Henderson am Montag. „Wir prüfen seriös den Verkauf aller Töchter im Ausland.“ Sie machten 2005 mit 1,8 Millionen Kunden ein Viertel des gesamten Umsatzes von Debitel und sind alle profitabel. Mit einem Abschluss der Prüfung über den Verkauf sei Ende des ersten Quartals 2007 zu rechnen, sagte Henderson.

Weit fortgeschritten ist die seit Sommer amtierende neue Debitel-Führung offenbar mit ihren Überlegungen zum Verkauf der dänischen Tochter: Verhandlungskreisen zufolge will der Debitel-Eigner Permira die dänische Gesellschaft für umgerechnet bis zu 174 Millionen Euro verkaufen. Fünf Bieter seien interessiert, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person am Sonntag. Darunter seien TeliaSonera und Telenor.

Es handle sich lediglich um Gerüchte, sagte ein Telenor-Sprecher dazu. Der Finanzinvestor Permira wird von der Investmentbank UBS beraten, die ebenfalls keinen Kommentar geben wollte. „Sie streben einen Preis zwischen 1,1 und 1,3 Milliarden dänischen Kronen an“, sagte der Insider.

Debitel Dänemark ist mit seinen 450 000 Kunden der größte Mobilfunkdienstleister in dem Land und gehört zu 78,3 Prozent zur deutschen Debitel, bei der Permira 2004 das Ruder übernommen hatte. 2005 machte die Gesellschaft einen Umsatz von 130 Millionen Euro.

Die Auslandsgesellschaften verfügten über gute Marktpositionen und weitere Wachstumschancen, sagte Henderson. Die Synergieeffekte mit dem deutschen Mobilfunkmarkt, dem größten in Europa, seien jedoch begrenzt. „Der Erlös aus den möglichen Verkäufen wird den finanziellen Spielraum von Debitel vergrößern“, sagte Henderson, der von Mai bis Oktober das Finanzressort des Mobilfunkdienstleisters leitete. Der Erlös fließe nicht als Sonderdividende an Permira.

Als Käufer in Frage kämen sowohl strategische Investoren als auch Finanzinvestoren. Es gehe nicht um einen Ausverkauf, sagte Henderson. Größte Auslandsgesellschaft von Debitel ist mit 1,15 Millionen Kunden Ende 2005 und einem Umsatz von 340 Millionen Euro die Tochter in den Niederlanden. In Frankreich zählte Debitel 124 000 Kunden und erlöste 200 Millionen Euro. In Slowenien hatten sich Ende 2005 rund 90 000 Kunden für Debitel entschieden, die einen Umsatz von 23 Millionen Euro brachten.

Insgesamt zählte Debitel Ende vergangenen Jahres 10,7 Millionen Kunden. Mit gut 2,7 Milliarden Euro lag der Umsatz 2005 trotz größerer Kundenbasis unter dem Niveau des Jahres 2003. Debitel war vor gut zwei Jahren vom Finanzinvestor Permira gekauft worden. Der von Permira an der Unternehmensspitze installierte frühere Siemens-Managers Paul Stodden trat im Sommer zurück. Sein Nachfolger wurde Axel Rückert, der zuvor die Auslandsaktivitäten von Debitel geleitet hatte.

Hoffnungen auf einen Börsengang in naher Zukunft machte der neue Vorstandschef Anfang September zunichte. Ein Börsengang sei vorerst kein Thema mehr, sagte der Debitel-Chef. Das Unternehmen brauche zwei bis drei Jahre vor dem Gang an die Börse. Neu in den Vorstand bestellte Permira zum November Joachim Preisig als Finanzchef, zuletzt im Controlling bei der Deutschen Telekom. Dritter Neuling im Vorstand ist der McKinsey-Partner Oliver Steil. Der seit Anfang 2005 als Vorstand für die Kundenpflege zuständige Christian Friege gehört dem Vorstand inzwischen nicht mehr an.

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