Telekommunikation
Fusion von Mobilcom mit Freenet wackelt weiter

Die geplante Fusion der beiden Telekommunikationsfirmen Mobilcom und Freenet entwickelt sich erneut zur Hängepartie. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, kann sich Mobilcom-Vorstandschef Eckhard Spoerr mit den Fusionsgegnern über wichtige Eckpunkte nicht einigen.Wesentlicher Streitpunkt ist, ob und in welcher Höhe der Mobilcom-Großaktionär Texas Pacific Group (TPG) in den nächsten Jahren eine kreditfinanzierte Sonderausschüttung vornehmen kann.

HAMBURG. Spoerr schlägt vor, dass den Aktionären diese Möglichkeit in den Geschäftsjahren 2006 bis 2008 verwehrt wird, „sofern dadurch zum betreffenden Zeitpunkt geplante Akquisitionsvorhaben vereitelt würden“. Dies steht in einem Vergleichsantrag von Mobilcom, der dem Handelsblatt vorliegt. TPG ist am Mobilfunk- und Festnetzanbieter Mobilcom mit 28,7 Prozent beteiligt. Mobilcom hält wiederum mehr als 50 Prozent an dem Internetprovider Freenet.

Den Fusionsgegnern reicht dies aber nicht. Sie wollen erreichen, dass eine kreditfinanzierte Sonderausschüttung erst ab 2010 möglich ist. „Es sieht derzeit sehr danach aus, dass eine Einigung nicht zu Stande kommt“, sagt der Sprecher der Fusionsgegner, Christof Hettich.

Mobilcom und Freenet wollen sich seit mehr als einem Jahr zusammenschließen. Doch mehrere Aktionäre haben die Verschmelzung angefochten. Sie befürchten, dass TPG durch eine milliardenschwere Sonderausschüttung auf Pump möglichst schnell den Kaufpreis für das Aktienpaket refinanzieren will. Dies würde aber dazu führen, dass die Handlungsfähigkeit der Telekommunikationsfirma eingeschränkt wird. „Das Unternehmen soll wettbewerbsfähig bleiben und nicht finanziell ausgeblutet werden“, sagt Hettich.

Bis Freitag haben die Aktionäre noch Zeit, sich mit dem Vorstand zu einigen. Bis dahin hat das zuständige Gericht in Kiel den Parteien eine letzte Frist gesetzt.

Kommt aber keine Einigung zustande, könnte der Mobilcom-Chef im Bieterkampf um AOL Deutschland ins Hintertreffen zu geraten. Denn in diesem Fall kann Spoerr nicht auf die Kriegskasse von Freenet zugreifen, um die millionenschwere Übernahme der Time Warner-Tochter AOL Deutschland zu stemmen. Mobilcom hat zur Jahresmitte Barmittel von 297,4 Mill. Euro ausgewiesen, Freenet rund 180 Mill. Euro.

Freenet will AOL Deutschland schlucken, um seine Position auf dem deutschen DSL-Markt zu verbessern. Mehrere in- und ausländische Konkurrenten zeigen ebenfalls Interesse. „Lediglich eine rasche Einigung mit den Fusionsgegnern würde die Verhandlungsposition für Freenet verbessern, um das Netzzugangsgeschäft von AOL Deutschland zu erwerben“, sagt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim. Sprecher von Mobilcom und Freenet wollten sich nicht äußern. TPG war für einen Kommentar nicht zu erreichen. Der Kurs von Mobilcom stieg um 2,66 Prozent auf 16,58 Euro. Freenet legte 4,37 Prozent auf 18,39 Euro zu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%