Telekommunikation
Slim will E-Plus-Mutter KPN komplett kaufen

Steht die nächste große Übernahme in der Telekombranche an? Der mexikanische Milliardär Carlos Slim will den niederländischen Konzern KPN komplett kaufen. Er macht ein Angebot mit sattem Aufschlag.
  • 7

Mexiko-StadtEs ist ein Übernahme-Coup mit Folgen für Deutschland: Der mexikanische Telekom-Milliardär Carlos Slim will den niederländischen Konzern KPN für gut sieben Milliarden Euro schlucken. Wackeln könnte damit ein anderer Deal. Denn KPN hat vor kurzem den Verkauf seiner deutschen Mobilfunk-Tochter E-Plus beschlossen, ohne Slim und sein Unternehmen America Movil dafür an Bord zu holen.

"Bei E-Plus gibt es nun ein signifikantes Risiko, das sie den Verkauf jetzt blockieren", sagte Analyst Will Draper von der Bank Espirito Santo am Freitag. Der spanische Telekom-Konzern Telefonica will trotz möglicher Störfeuer durch Slim sein Kaufangebot für E-Plus nicht abändern. Es werde an den bisherigen Bedingungen festgehalten, teilten die Spanier, die in Deutschland mit der Tochter o2 vertreten sind, am Freitag mit. Das Angebot sei endgültig.

Mit den Überlegungen bei America Movil vertraute Personen hatten zuvor schon betont, dass der Konzern die gut acht Milliarden Euro, die der Käufer o2 für E-Plus bietet, für zu niedrig hält. Überraschend ist diese Kritik nicht, da America Movil Telefonica in inniger Feindschaft verbunden ist. Die beiden Firmen sind direkte Konkurrenten in vielen Ländern Lateinamerikas und kämpfen dort mit harten Bandagen um die Vorherrschaft.

America Movil bietet nach eigenen Angaben 2,40 Euro je KPN-Aktie. Der Preis komme einem Aufschlag von 35 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage gleich. Die Papiere von KPN schossen daraufhin an der Amsterdamer Börse um 17 Prozent auf 2,35 Euro in die Höhe.

KPN erklärte, das 7,2 Milliarden Euro schwere Angebot nun prüfen zu wollen. Erst Ende Juli hatten die Mexikaner eine Vereinbarung gekündigt, ihren Anteil unter 30 Prozent zu halten, nachdem die Kaufofferte von o2 für E-Plus bekanntgeworden war. Das Timing des Slim-Vorstoßes ist nicht zufällig, da der Showdown bei KPN bevorsteht: Die Niederländer wollen ihre Aktionäre in den kommenden Wochen über den E-Plus-Verkauf abstimmen lassen. Zusammen würden o2 und E-Plus, die bislang weit abgeschlagen hinter der Deutschen Telekom und Vodafone rangieren, hierzulande auf einen Schlag zum Marktführer mit mehr als 40 Millionen Kunden aufsteigen.

Slim war 2012 bei KPN eingestiegen und kontrolliert derzeit 29,8 Prozent der Aktien. Daneben hält er noch einen Anteil an Telekom Austria. Experten hatten schon damals erwartet, dass sich Slim damit nicht begnügen will. Denn an seinen ausländischen Ablegern von den USA bis Argentinien hält America Movil nie weniger als 88 Prozent. Die Aktien der Telekom Austria zogen zum Wochenschluss um knapp neun Prozent an.

Der Zeitpunkt für Übernahmen im Telekommunikationssektor ist günstig: Die Aktienkurse sind niedrig und viele Konzerne trennen sich von Geschäften, weil die Konkurrenz zu groß und die Regulierung zu hart ist.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Telekommunikation: Slim will E-Plus-Mutter KPN komplett kaufen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ...sorry, nicht 29% sondern gut 17% an o2 deutschland... sorry! ;)

  • ...schon mal nachgerechnet? ...kpn börsenwert liegt bei 10,4 mrd. euro (2,40€/aktie) ... der eplus verkauf bringt knapp 9 mrd. € (5 mrd. cash und 29% an o2 deutschland) ...ist die kpn also nur 1,4 mrd. wert... goiler deal! :)))

  • Für die Verbraucher ists sicher von Vorteil, wenn die zwei "Kleinen" witerhin so bleiben. Da die eplus und o2 in Konkurrenz um die Kunden immer wieder den Mrakt einheizten, herrscht Druck auf die Preise und die beiden Großen müssen Zähnknirschend mitmachen. Wenns nur noch 3 Gesellschaften gibt, passiert mit den Telefontarifen dasselbe wie mit den Spritpreisen.
    Für die Mitarbeiter und somit die Sozialkassen ists auch besser. Jeder Zusammenschluss hat noch immre zu Entlassungen im großen Stil geführt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%