Telekommunikation
Spanier geben den Takt vor

Die großen europäischen Telekomanbieter haben ähnliche Wurzeln, doch ihre Marktpositionen sind sehr verschieden. Der spanische Branchenprimus Telefonica schafft die größten Umsatzsprünge und weist gleichzeitig die höchste Marge auf. Dagegen läuft die Deutsche Telekom hinterher.

DÜSSELDORF. Die großen europäischen Telekomanbieter haben als ehemalige Staatskonzerne zwar ähnliche Wurzeln. Am Markt haben sie sich aber auf ganz unterschiedliche Weise positioniert. Benchmark für die Branche ist die spanische Telefónica: Sie schafft die größten Umsatzsprünge und glänzt gleichzeitig mit der höchsten Marge. Möglich wird das durch eine dreifache Absicherung. Wachstum generiert der Konzern durch seine umfangreichen Beteiligungen in Lateinamerika. Seine Festnetz- und Mobilfunktöchter gewinnen auch im globalen Konjunkturabschwung unvermindert neue Kunden. Da die Spanier in allen Märkten der größte oder zweitgrößte Wettbewerber sind, profitieren sie von Skaleneffekten und haben eine deutlich höhere Marge als die übrigen europäischen Konkurrenten.

Der zweite Pfeiler war bislang der spanische Heimatmarkt. Die Konkurrenten raunen allerdings, das Wachstum dort sei vor allem einer laschen spanischen Regulierung zu verdanken, die den nationalen Champion nicht allzu sehr schwächen wollte. Die EU verdonnerte die Überflieger aus Madrid 2007 zu einer Rekordbuße von 151 Mio. Euro, weil Telefónica von seinen Rivalen überhöhte Großhandelspreise für die Benutzung seines Netzes verlangt hatte. Durch den Kauf des britischen Mobilfunkers O2 im Jahr 2005 ist Telefónica auch auf den wichtigen deutschen und britischen Märkten vertreten.

Während die Spanier in einer eigenen Liga spielen, verfolgen Deutsche und Franzosen ähnliche Strategien. Dabei ist das Pendant aus Paris den Bonnern stets um eine Nasenlänge voraus. Am deutlichsten wird das beim Thema Internet-Fernsehen und der Verschmelzung von Mobilfunk und Festnetz. Die Telekom kommt beim IP-TV nicht vom Fleck und hat zum Jahresende sogar ihr selbst gestecktes Ziel von einer halben Million Nutzer verfehlt. Dagegen sehen 1,9 Mio. Franzosen über den Telekom-Marktführer fern. Das deutsche TV-Geschäft ist zwar schwieriger, weil es hier viele frei empfangbare Sender gibt und Deutsche deshalb nicht bereit sind, fürs Fernsehen zu bezahlen. Andererseits hat France-Télécom-Chef Didier Lombard sein Angebot aber auch von Anfang an wesentlich billiger verkauft als die Deutschen und konsequent ausgebaut. Inzwischen betreibt France Télécom sogar eine eigene Filmproduktionsfirma und einen eigenen Sportsender.

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