Telekommunikation
Vodafone vor der Übernahme von Kabel Deutschland

Mit einem Angebot von 10,7 Milliarden Euro will Vodafone den Konkurrenten Kabel Deutschland übernehmen. Die Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss - wenn der US-Kabelgigant Liberty Global mitspielt.
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FrankfurtVodafone ist im Milliarden-Rennen um die Übernahme von Kabel Deutschland beinahe am Ziel. Der britische Mobilfunker bietet den Aktionären 87 Euro je Anteil. Damit werde Deutschlands größter Kabel-Anbieter inklusive Schulden mit 10,7 Milliarden Euro bewertet, teilten die Unternehmen am Montag mit. Die Führung von Kabel Deutschland empfiehlt den Aktionären, dieses Gebot anzunehmen. Damit könnten die rund 8,5 Millionen Kunden der Münchner künftig zu Vodafone-Kunden werden - zuvor muss aber das Kartellamt dem Milliarden-Deal seinen Segen geben. Zudem ist offen, wie sich der US-Kabelgigant Liberty Global reagiert.

Der zum Imperium des Murdoch-Rivalen John Malone gehörende Konzern könnte Vodafone noch dazwischen funken. Die Amerikaner hatten bereits einen vorläufigen Vorschlag bei den Unterföhringern eingereicht - dabei war von einem Preis von 85 Euro je Aktie zu hören. Spekulationen über ein Interesse der beiden Konzerne gibt es bereits seit längerem. Sowohl für Liberty als auch für Vodafone wäre Kabel ein wichtiger Baustein, um das Deutschland-Geschäft auszubauen. Liberty besitzt allerdings mit Unitymedia KabelBW aber bereits den zweitgrößten Anbieter hierzulande. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Wettbewerbshüter Malone erneut den Kauf untersagen könnten.

Das Angebot von Vodafone umfasst 84,50 Euro plus der bereits angekündigten Dividende von 2,50 Euro je Anteil. Das Eigenkapital der Unterföhringer ist dem Gebot entsprechend 7,7 Milliarden Euro wert. Das Angebot liegt damit um 37 Prozent über dem Aktienkurs vor den ersten Spekulationen um eine offizielle Offerte. Bedingung für den Erfolg ist, dass Vodafone 75 Prozent der Aktien des Unternehmens erhält. Die befinden sich im Streubesitz, was eine Übernahme erschwert. Größter Aktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit rund zehn Prozent.

Vodafone ist hierzulande bereits zweitgrößter Mobilfunker, stößt aber beim Ausbau des schnellen Internets an seine Grenzen. Noch-Chef Vittorio Colao hatte das Ziel ausgerufen, Kunden vermehrt Komplettpakete aus Telefon, Internet und Fernsehen anzubieten. Vodafone ist daher bereit, sich den Zukauf viel kosten zu lassen und geht dabei offenbar an die finanzielle Schmerzgrenze. Analysten hatten bereits die zuletzt als Übernahmepreis gehandelten sieben Milliarden Euro als hoch eingestuft.

Kabel Deutschland zog mit der Bekanntgabe des Übernahmeangebots auch seine eigentlich für diesen Donnerstag angekündigten Geschäftszahlen vor. Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr steigerte der Kabelkonzern den Umsatz um knapp acht Prozent auf 1,83 Milliarden Euro. Zum zweiten Mal nacheinander konnten die Unterföhringer auch einen Gewinn verbuchen - diesmal mit rund 247 Millionen Euro gut 55 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch beim bereinigten operativen Ergebnis (EBITDA) stand ein Plus von gut acht Prozent auf 862 Millionen Euro zu Buche.

Das Unternehmen ist in 13 von 16 Bundesländern vertreten und mit 8,5 Millionen Kunden-Haushalten der größte deutsche Kabelnetzbetreiber. In Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen wird der Markt von Liberty Global mit der Tochter Unitymedia dominiert. Aus diesem Grund wäre eine Übernahme Kabel Deutschlands auch wettbewerbsrechtlich schwierig - zumal 2002 das Kartellamt den Verkauf von einigen Kabelbetreibern an Liberty untersagt hatte.

Kabel Deutschland war früher einmal eine Telekom-Tochter, musste aber wegen Auflagen im Zusammenhang mit der Privatisierung des ehemaligen Staatskonzerns abgespalten werden. Danach wanderte Kabel durch die Hände verschiedener Finanzinvestoren. Diese hatten dann im März 2010 Teile des Unternehmens an die Börse gebracht. Der Kurs lag dabei mit 22 Euro weit unter dem aktuellen. In den Jahren danach trennten sich die Investoren ganz von ihrem Anteil an Kabel Deutschland.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Telekommunikation: Vodafone vor der Übernahme von Kabel Deutschland"

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  • Ein altes Sprichwort sagt schon: "Geld verdirbt den Charakter" und solange es Aktionäre gibt die nur Verdienen wollen, werden wir immer und immer wieder solche Szenarien erleben.
    Traurig, aber leider wahr.

  • Unlogisch...

    Wenn Liberty Global Kabel Deutschland übernimmt, wird kein Wettbewerb eingeschränkt. LG und KD besitzen ihre Netze in unterschiedlichen Bundesländern und konkurrieren daher ohnehin nicht. Dass LG zweitgrößter Anbieter ist unerheblich. Es gibt eben jeweils nur ein Kabelnetz.

    Umgekehrt sind Vodafone und KD Konkurrenten. Die Übernahme reduziert den Wettbewerb.

    Keine Ahnung, was sich die "Wettbewerbshüter" hier gedacht haben.

  • omentan hat Kabel Deutschland einen sehr sehr guten Service. das war auch der Grund, warum ich gewechselt habe. Weg von Vodafon. Denn bei Vodafon ging Stundenlang niemand an Telefon auf der sogenannten Service Hotline. Die Kündigung hat niemand erhalten und erst las ich mit einer Klage drohte ( beim Vorstand direkt) hat es geklappt. Die Adresse des Vorstandes heraus zu finden war fast unmöglich, denn Vodafon hat überall nur die Hotline nummer veröffentlicht. Oder eine Email Adresse auf der niemand antwortete. Bei Kabel BW gehen Menschen ans telefon. Keine Maschinen. Zu befürchten ist, dass bei einer übernahme Vodafon als erstes wieder Personal abbaut um die Gewinne zu erhöhen. Dann ist der Service von Kabel BW wieder auf dem miswerablen Niveau von Vodafon.

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