Telekommunikationsbranche
Ultraschnell ...

... und superteuer. Die Telekom und ihre Rivalen verlegen für Hunderte von Millionen parallele Glasfasernetze. Lohnende Investitionen? Oder finanzieller Selbstmord? Ein Baustellenbesuch.

KÖLN. Wie sich die Zeiten ändern: "Ich kann mich gut an die Jahre erinnern, wo hier ein paar Telefonzellen standen mit einem Aufkleber und der Bitte: ,Fasse dich kurz'", erzählt Georg Albers, 76. Davon ist heute nichts mehr zu sehen auf dem Brüsseler Platz im Zentrum von Köln. Albers, ein kleiner, rundlicher Mann mit einem dünnen Haarkranz, sitzt auf einer Bank im Schatten der St.-Michael-Kirche. Vor ihm eine imposante Bühne mit zwei Männern, beide in dunkelgrauem Anzug, weißem Hemd und roter Krawatte, die sich über HD-TV und Triple Play und 100-Megabit-Bandbreite unterhalten - alles Begriffe, von denen Albers nie zuvor gehört hat. Was bei ihm als Botschaft ankommt: "Ich brauche ein bestimmtes Kabel, an das ich Fernseher, Computer und Telefon klemme, und dann sollten die Geräte immer an sein, damit sich das für den, der das Kabel legen lässt, auch rechnet."

Der Rentner liegt damit gar nicht so falsch. So ähnlich soll sie aussehen, die Zukunft, die die Männer auf der Bühne beschreiben, der Kölner Bürgermeister Fritz Schramma und Werner Hanf, Chef von Netcologne, dem vielleicht erfolgreichsten Konkurrenten der Deutschen Telekom in der Millionenstadt. Gemeinsam bereiten sie die Menschen am Brüsseler Platz darauf vor, dass Baugruben in den nächsten Wochen Gehwege oder Parkplätze in dem Viertel blockieren - für eines der größten Investitionsprojekte in Köln: 250 Millionen Euro will Netcologne in ein neues Telekommunikationsnetz stecken. Das Unternehmen wird mehrere tausend Kilometer Glasfaserkabel verlegen, bis in die Keller der Kunden.

Netcologne macht den Anfang, weitere Telekommunikationsgesellschaften wollen folgen, allen voran die Telecom-Italia-Tochter Hansenet und der Vodafone-Ableger Arcor. Einige Branchenbeobachter sprechen bereits von einem milliardenteuren Glasfaserkrieg, der in den deutschen Großstädten toben wird. Die voraussichtlichen Folgen: Überkapazitäten und ein erbitterter Preiskampf.

Das gab es schon mal. Ende der 90er-Jahre haben Telekomkonzerne in Westeuropa kreuz und quer eigene Glasfasernetze auf den Fernstrecken errichtet, auf denen Daten grenzübergreifend transportiert werden. Bis heute sind diese Kabel kaum ausgelastet und werfen meist auch keinen Gewinn ab.

Die Interneteuphorie war damals der Auslöser, heute ist es die Telekom mit ihren Milliardenplänen: Der Konzern hat in zehn größeren Städten Bürgersteige aufgerissen und Glasfaser verlegt, jene Kabel, die im weltweiten Datennetz aus holprigen Landstraßen echte Rennstrecken machen. Und die taugen nicht nur für eine ultraschnelle Internetauffahrt, sondern auch zum Übertragen von Fernsehprogrammen in besonders guter Qualität, HD-TV heißt das im Branchenjargon.

Seite 1:

Ultraschnell ...

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%