Telekommunikationskonzerne
BT steht am Scheideweg

Der Telekommunikationskonzern BT steht vor einer Bewährungsprobe. Nach einer überraschenden Gewinnwarnung und einem dramatischen Kurssturz der Aktie am Freitag sorgen sich Analysten um die Finanzkraft des britischen Unternehmens.

LONDON. Sorgenkind ist die Sparte BT Global Services, deren Gewinnmarge verfällt. Eine Revision der Zahlungen in die Pensionskasse Anfang 2009 könnte weitere Belastungen bringen, so dass die traditionell hohe Dividende in Frage steht.

Der seit Juni amtierende Vorstandschef Ian Livingston steuert konsequent auf Sparkurs um. Er beorderte Finanzchef Hanif Lalani an die Spitze des wichtigsten Wachstumsträgers BT Global Services. Sein Auftrag: Die Kosten in den Griff bekommen und die Margen verbessern. Der bisherige Spartenchef Francois Barrault musste weichen. „Es wäre leicht, jetzt auf die globalen finanziellen Probleme zu verweisen“, sagte er vor Analysten. „Aber ich will das ganz klar sagen: das ist in meinen Augen ein internes operatives Problem.“

BT Global Services spielte eine Hauptrolle in der Strategie von Livingstons Vorgänger Ben Verwaayen. Der charismatische Holländer baute die Sparte zu einem der führenden internationalen IT- und Telekom-Dienstleister aus. Damit brachte er BT nach dem Verkauf der Mobilfunksparte auf Wachstumskurs zurück. Nun scheinen sich allerdings Befürchtungen von Analysten zu bewahrheiten, dass die rasche Expansion auf Kosten vernünftiger Gewinnmargen ging.

„Wir haben die Profitabilität einiger der großen Verträge, mit denen BT vor fünf oder sechs Jahren das multinationale Geschäft aufgebaut hat, in Frage gestellt“, sagt Richard Mahony, Analyst der Beratungsfirma Ovum. „Nun ist das schlimmste Szenario, dass BT Global Services eine Reihe toxischer Verträge eingegangen ist, die die geplanten Renditen nicht erreichen.“ Es zeige sich, dass die Margen im Geschäft mit mittelgroßen Unternehmenskunden doppelt so hoch seien wie die aus internationalen Großaufträgen.

BT Global Services setzte im Geschäftsjahr zum 31. März mit rund 30 000 Beschäftigten 7,9 Mrd. Pfund (10 Mrd. Euro) um. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) belief sich auf 883 Mio. Pfund, was einer Ebitda-Marge von 11,2 Prozent entsprach. Als operatives Ergebnis vor Kosten für den Personalabbau blieben magere 139 Mio. Pfund übrig. Langfristiges Ziel war stets eine Ebitda-Marge über 15 Prozent. Das ist vorerst Makulatur: Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern nun sieben bis acht Prozent. Das Umsatzwachstum blieb allerdings auch im zweiten Quartal mit 15 Prozent hoch.

Die anderen Sparten des Unternehmens, das insgesamt mehr als 20 Mrd. Pfund umsetzt, laufen laut Livingston mindestens so gut wie vorhergesagt. Trotzdem rechnet er nun insgesamt mit einem sinkenden Ebitda. Diese Aussicht reichte am Freitag, um die Aktie des Unternehmens um 19 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1986 zu drücken. BT ist damit an der Börse nur noch elf Mrd. Pfund wert.

Die Verschlechterung des Cash-flows bewegte die Rating-Agentur Standard & Poor’s dazu, die Aussichten für die Bonität des Konzerns auf „negativ“ herabzustufen. Analysten sorgen sich, dass die für Anfang 2009 anstehende Revision der BT-Pensionskasse zu deutlich steigenden Zahlungsverpflichtungen führen könnte. Der Kursverfall an den Börsen dürfte neue Lücken in die Kasse gerissen haben. Analysten rechnen nun damit, dass auf Dauer weniger Cash-flow für die Dividende übrig bleiben wird.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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