Telekommunikationskonzerne
Pensionslasten hängen wie Blei an BT

Der britische Telekommunikationskonzern BT Group kämpft mit kurzfristigen und sehr langfristigen Problemen zugleich. Aktuell drücken die kostspieligen Aufräumarbeiten bei der einstigen Vorzeigesparte Global Services die Gruppe in die roten Zahlen. Diese Probleme verspricht Vorstandschef Ian Livingston nach zwei Gewinnwarnungen innerhalb eines halben Jahres im Griff zu haben.

LONDON. Auf längere Sicht sind aber die Lücken in der Pensionskasse das größere Problem: BT wirkt immer mehr wie ein Anhängsel des größten britischen Pensionsfonds. Um die Kosten weiter zu senken, sollen dieses Jahr 15 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen.

Livingston mischte gestern bei der Präsentation der Jahresbilanz in London Zerknirschung mit Zuversicht. Die Zahlen der Sparte Global Services, die weltweit IT- und Telekomdienstleistungen für Unternehmen anbietet, seien unakzeptabel, sagte er. Schon bald nach seinem Amtsantritt im Juni 2008 hatte er festgestellt, dass die Sparte, die unter anderen mit IBM und T-Systems konkurriert, eine Reihe unprofitabler Aufträge an Land gezogen hatte.

Die erste Gewinnwarnung kostete Spartenchef Francois Barrault den Job. Livingston beauftragte Finanzchef Hanif Lalani mit den Aufräumarbeiten. Die sollen nun zu einer Abschreibung von 1,3 Mrd. Pfund abgeschlossen sein, die fast vollständig auf zwei völlig missglückte Großaufträge zurückgehen. Lalani krempelte die Organisation der Sparte um und trimmte sie auf Effizienz. So soll sie langsam wieder in die schwarzen Zahlen kommen.

Die Änderungen seien richtig, sagt Analyst Richard Mahoney vom Beratungshaus Ovum. BT müsse aber aufpassen, darüber nicht die Wünsche der Kunden aus den Augen zu verlieren.

Die Abschreibung drückte das gesamte Konzernergebnis für das Geschäftsjahr zum 31. März ins Minus: 81 Mio. Pfund Verlust bei 21,4 Mrd. Pfund (23,8 Mrd. Euro) Umsatz. Der freie Cash-flow halbierte sich auf 737 Mio. Pfund. Immerhin beschränken sich die Probleme aber auf Global Services. Das klassische heimische Festnetzgeschäft steht im Gegensatz dazu gut da. Bei stagnierendem Umsatz stieg hier der Betriebsgewinn. Das verdankt BT einem steigenden Anteil von Breitband-Kunden und einem konsequenten Kostensenkungsprogramm. So sollen wie schon im abgelaufenen Jahr, auch im neuen Jahr 15 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen. 5 000 der 105 000 Festangestellten sollen über natürliche Fluktuation ausscheiden und 10 000 Vertragskräfte nicht weiterbeschäftigt werden. Auch an den Investitionen will BT sparen: Sie sollen um rund 400 Mio. auf 2,7 Mrd. Pfund schrumpfen. Insgesamt sollen Kosten und Investitionen um mehr als eine Mrd. Pfund sinken.

Das alles dient dazu, den finanziellen Spielraum zu erweitern. Den freien Cash-flow hofft Finanzchef Tony Chanmugam trotz eines um vier bis fünf Prozent sinkenden Umsatzes über die Milliardengrenze zu treiben. Doch auch das wird nur reichen, um den auf 525 Mio. Pfund im Jahr erhöhten Zuschuss an die Pensionskasse und die um 60 Prozent auf 500 Mio. Pfund gekürzte Dividendensumme zu bedienen. Dabei wäre ein Schuldenabbau nötig, wie Chairman Michael Rake anmahnte. Die Nettoschulden sind um zehn Prozent auf 10,4 Mrd. Pfund gestiegen und sollen innerhalb von zwei Jahren wieder unter die Zehn-Milliarden-Marke fallen.

„Wir fürchten, dass sich die Kreditwürdigkeit des Konzerns verschlechtert, zumal das Pensionsdefizit wächst“, warnt Analyst Sam Morton von Barclays Capital. Er erwartet, dass die Rating-Agenturen bald den Daumen senken könnten. Kaum ein Telekommunikationskonzern stehe vor ähnlichen Herausforderungen.

Eine weitere Hürde steht BT noch bevor: Die Pensionsaufsichtsbehörde wird in wenigen Wochen ihre dreijährliche Überprüfung des BT-Pensionsfonds abschließen und amtlich festlegen, wie groß das Defizit ist. Expertenschätzungen liegen zwischen fünf und mehr als zehn Mrd. Pfund. Steigende Kurse an den Finanzmärkten können zwar ein solches Defizit verkleinern – Analysten rechnen aber damit, dass die Pensionslasten die BT-Aktie dauerhaft bremsen werden.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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