Telekommunikationsunternehmen
Telefónica gibt Telecom Italia nicht auf

Telefónica will für künftige Konsolidierungsbewegungen in Europa positioniert sein und in den großen Emerging Markets rechtzeitig Marktanteile erlangen. Diese Strategie verfolgt das spanische Telekommunikationsunternehmen unbeeindruckt von der Wirtschaftskrise. Vor allem in Brasilien bauen die Spanier ihre Marktposition stetig aus.

ANNE GRÜTTNER | MADRID

KATHARINA KORT | MAILAND

Telefónica will für künftige Konsolidierungsbewegungen in Europa positioniert sein und in den großen Emerging Markets rechtzeitig Marktanteile erlangen. Diese Strategie verfolgt das spanische Telekommunikationsunternehmen unbeeindruckt von der Wirtschaftskrise. Vor allem in Brasilien bauen die Spanier ihre Marktposition stetig aus. In Europa müssen sie derzeit vor allem dem zunehmenden Druck standhalten, bei Telecom Italia auszusteigen.

In der Holding Telco, über die die Spanier an dem Ex-Monopolisten Telecom Italia beteiligt sind, stehen demnächst Entscheidungen an. Ende Oktober treffen sich die Aktionäre von Telco, um zu entscheiden, ob sie den Aktionärspakt, der im kommenden Frühjahr ausläuft, verlängern.

Telefónica ist mit 42,3 Prozent der größte Aktionär, der Versicherer Generali kontrolliert 28,1 Prozent, Benetton 8,4 Prozent und die Banken Mediobanca und Intesa Sanpaolo jeweils 10,6 Prozent. Telco wiederum kontrolliert mit 24,5 Prozent Telecom Italia, der Rest liegt im Streubesitz. Verdient haben die Beteiligten daran bislang nichts: Den Dividenden von 160 Mio. Euro im vergangenen Jahr standen Kosten von 180 Mio. Euro gegenüber. Die Kosten waren vor allem für die Refinanzierung der Schulden aufgekommen, was sich dieses Jahr nicht wiederholen sollte. Vor diesem Hintergrund wurde bereits spekuliert, ob die Spanier ganz aussteigen.

Angeheizt wurden die Gerüchte von den Äußerungen italienischer Politiker. So nannte etwa der stellvertretende Industrieminister Paolo Romani die Beteiligung der Spanier ein "großes Problem, das gelöst werden muss". Er mahnte, dass die Infrastruktur der Telefonie in italienischer Hand bleiben müsse und dass die Regierung "sehr wachsam" sei. Auch die Vereinigung der Kleinaktionäre von Telecom Italia teilte mit, Telefónica sei "heute eine der größten Hürden für die Entwicklung von Telecom Italia".

Patriotismusgetue oder Einschüchterungsversuche? Einige Kritiker vermuten hinter den Äußerungen der Regierung gar einen Plan von Ministerpräsident Silvio Berlusconi: Er mache Druck auf Telefónica, damit ihm die Regierung in Madrid keine Probleme bereitet, sollte er Interesse an der spanischen Mediengruppe Prisa zeigen. Die meisten Beobachter gehen aber davon aus, dass die Spanier bleiben. Die Telefónica-Spitze wiederholte auf der Investorenkonferenz am Freitag, dass man die Absicht habe bei Telekom Italia weiterzumachen.

Fest steht, dass die Spanier sich einen langen Atem bei Telecom Italia leisten können. Gerade erst hat Telefónica ein Überangebot für den brasilianischen Festnetzbetreiber GVT für 48 Real die Aktie gemacht. Damit ist die Gruppe dem französischen Konzern Vivendi zuvorgekommen. Innerhalb der Telefónica-Gruppe gebe es "die finanzielle Flexibilität für eine solche strategische Investition", hieß es von der Ratingagentur Moody's. Das hat Telefonica auch auf dem jüngsten Investorentag bewiesen, als Konzernchef César Alierta einen Anstieg der Dividende um 21,7 Prozent für 2010 und eine weitere deutliche Erhöhung für 2012 ankündigte. Die Verschmelzung von GVT mit der brasilianischen Telefónica-Tochter Telesp wird von Analysten begrüßt. "Es wird Telesps Wettbewerbsposition verbessern", kommentierte Moody's.

Expansionswillig ist Telefónica auch in Deutschland. Die Spanier sind interessiert, die deutsche Telecom Italia-Tochter Hansenet zu übernehmen und gelten als Favorit. Doch beim Preis soll das Angebot von Telefónica noch weit unter der von den Italienern erhofften Milliarde liegen. "Wir sprechen mit Telecom Italia, es gibt einen willigen Verkäufer und einen willigen Käufer, aber es scheint keinen Preis zu geben, auf den wir uns einigen können", erklärte Telefónicas Europachef Matthew Keys auf der Investorenkonferenz.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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