Texas Instruments
Amerikaner geben Chipstandort Deutschland Hoffnung

Der US-Halbleiterproduzent Texas Instruments (TI) erweitert seine Fabrik vor den Toren von München. "Wir stocken die Kapazität des Werks in Freising um zehn Prozent auf", sagte Europachef Jean-François Fau dem Handelsblatt. Zudem vergrößere der viertgrößte Chipkonzern der Welt den Vertrieb hierzulande.
  • 1

MÜNCHEN. Texas Instruments stärkt damit den Chipstandort Deutschland, der in jüngster Zeit schwer unter die Räder gekommen ist. Der größte Schlag war die Insolvenz des Münchener Halbleiterherstellers Qimonda zu Beginn des Jahres. Das Unternehmen wird derzeit abgewickelt. Mehr als 4 000 Beschäftigte, viele davon hoch spezialisiert, haben in Dresden und München ihre Stelle verloren. Darüber hinaus hat auch der niederländische Produzent NXP, die Nummer drei in Europa, Arbeitsplätze in Hamburg gestrichen. Renesas hat vergangenes Jahr sein Werk in Landshut abgestoßen.

TI hingegen setzt weiter auf eigene Fertigung in großem Stil in Deutschland. "Die Fabrik in Freising ist sehr flexibel und ausgesprochen effizient", betonte Fau. Zur Höhe der Investitionen wollte sich der Manager nicht äußern. Ironie des Schicksals: TI baut die Fabrik mit Maschinen aus, die der Konzern aus der Insolvenzmasse von Qimonda gekauft hat.

Auch zur Mitarbeiterzahl hält sich die Firma bedeckt. Auf der Homepage heißt es, in Freising würden mehr als 1 300 Menschen beschäftigt. Freising ist allerdings nicht nur Produktionsstandort, hier entwickelt der Konzern auch Chips. Zudem hat die Europa-Zentrale hier ihren Sitz.

TI steht mit seinem Bekenntnis zum Chipstandort Deutschland nicht alleine da. Auch Konkurrent Infineon hat jüngst betont, die Werke des Konzerns in Regensburg und Dresden seien nicht gefährdet. "Eine Halbleiterfertigung können Sie nicht mal eben kurz hier ab- und schnell woanders wieder aufbauen", sagte Vorstandssprecher Peter Bauer. Eine Verlagerung an günstigere Standorte in Asien würde mehrere Jahre dauern und sei sehr teuer.

Ohnehin spielen Lohnkosten in der Chipfertigung eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist die Nähe zu den Kunden. Aus diesem Grund hat TI in Garching bei München ein Verkaufsbüro mit 25 Personen eröffnet. "In den vergangenen drei Jahren haben wir die Zahl unserer Niederlassungen in Europa mehr als verdoppelt", sagte Fau. Inzwischen betreibt der Konzern 39 Außenbüros.

Mit einem Umsatz von knapp zehn Mrd. Dollar und einem Marktanteil von etwa vier Prozent ist TI der viertgrößte Halbleiterproduzent der Welt. Dem Unternehmen ist es im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern während des Höhepunkts der Rezession in diesem Frühjahr gelungen, schwarze Zahlen zu schreiben. Deshalb kann es sich TI leisten, in Fabriken zu investieren.

Immer mehr Konkurrenten verabschieden sich von eigenen Werken, weil ihnen das Geld fehlt, und nutzen Auftragsfertiger, die Foundries. Auch das ehemalige Renesas-Werk ist inzwischen eine Foundry. Nach diesem Geschäftsmodell arbeiten zudem die Fabriken von AMD in Dresden. Der Konzern hat den Standort im Frühjahr in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Arabern eingebracht.

In den vergangenen Jahren haben sich die Gewichte in der Halbleiterbranche in Richtung Asien verschoben. Das lag einerseits an den üppigen Subventionen in Ländern wie China oder Singapur, andererseits sitzen viele wichtige Abnehmer der Elektronikbranche dort. Lediglich zehn Prozent aller Chips stammen noch aus europäischen Fabriken. Im Verlauf der Krise hat die Bedeutung von Asien zugenommen. Zum Vergleich: Der Chipumsatz in Asien (mit Ausnahme von Japan) liegt nach Berechnungen der Marktforscher von i-Suppli dieses Jahr bei etwa 43 Mrd. Dollar, das ist etwa gleich viel wie 2008. In Europa sind die Erlöse im Zuge der Rezession hingegen um etwa ein Viertel auf 23 Mrd. Dollar eingebrochen. Deutschland steht für rund Hälfte dieser Umsätze.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

Kommentare zu " Texas Instruments: Amerikaner geben Chipstandort Deutschland Hoffnung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%