„The Avengers“
Superhelden müssen Disney retten

Captain America, Thor und Hulk: Nach mehreren Millionen-Flops sollen populäre Actionfiguren bei Disney die Kasse füllen. Doch warum braucht so ein Riesenkonzern den Erfolg eines Kinofilmes? Die Strategie ist riskant.
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WashingtonEs sind Zahlen, die selbst dem stets missmutigen Onkel Dagobert gefallen würden. 200 Millionen Dollar hat „The Avengers“, der neueste Film des Walt-Disney-Konzerns, am ersten Wochenende in den US-Kinos eingespielt. Weltweit sind es 642 Millionen. Damit ist die Comic-Verfilmung aus dem Hause der Disney-Tochter Marvel der erfolgreichste Kinostart aller Zeiten. Die blauen Wesen aus „Avatar“ vom Konkurrenten 20th Century Fox sehen dagegen mit 77 Millionen Dollar zum US-Kinostart ziemlich blass aus.

Selbst die optimistischsten Experten hatten für „The Avengers“ mit höchstens 170 Millionen Dollar gerechnet. „Es ist eine atemberaubende  Zahl“, sagte denn auch Analyst Jeff Bock von Exhibitor Relations, der „Business Week“. Das sei der Schub, den der Konzern brauche, um durch den Sommer zu kommen. In dieser wichtigsten Saison werden laut Fachleuten gut 40 Prozent der Kino-Jahresumsätze erzielt.  

Die Millionen sind schön für Disney-Chef Robert Iger, doch einen Geldspeicher füllen und hineinspringen kann er damit nicht. Denn wenn Iger an diesem Dienstag nach US-Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal vorlegt, wird er nicht nur Gutes zu berichten haben. Negative Schlagzeilen über Millionen-Flops und Personalquerelen haben den Micky-Maus-Konzern in den ersten drei Monaten des Jahres in Atem gehalten.

So entpuppte sich der Helden-Epos „John Carter“ als einer der größten Kino-Misserfolge aller Zeiten. Disney muss kräftig für das Abenteuer auf dem Mars büßen: Nach Konzernangaben liegt der operative Verlust bei 200 Millionen Dollar, in der Filmsparte reißt der Film ein Loch von 120 Millionen. Und es war nicht der erste Flop: Auch der „Prinz von Persien - Der Sand der Zeit“, das „Duell der Magier“ und „Milo und Mars“ waren Kassengift. Im März dann zog der Disney-Boss Konsequenzen: Film-Chef Rich Ross, ein Vertrauter Igers und ehemaliger TV-Manager, musste gehen. Bis heute gibt es noch keinen Nachfolger.

Studio-Chef zu sein war auch schon einmal leichter. Angesichts des Erfolges von Streaming-Diensten und DVD-Verleihen übers Internet wie Netflix gehen in den USA die Leute nicht mehr so häufig ins Kino wie früher. Die Kunst sei es, „die Menschen von ihrem Sofa kriegen, damit sie zwölf Dollar für einen Film bezahlen“, sagte kürzlich Jerry Bruckheimer, bei Disney verantwortlich für die erfolgreiche Reihe „Pirates of the Caribbean“.

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  • >> flach, wie das hierzulande gern
    >> mit dem Schlagwort "Comic" in
    >> Verbindung gebracht wird

    Von Leuten, die nie einen Moebius, Crumb, Yslaire (hier müsste eine endlose Liste von Namen folgen) in den Fingern hatten, keinen blassen Schimmer, daß man das in Frankreich "9e Art" (die neunte Kunst) nennt und - wenn man denn klug und nicht bildungsbeflissen auf ausgelutschen Knochen herumkauen würde - man eigentlich "Dark Knight Returns" (den Comic natürlich) im Unterricht lesen sollte.

    Aber, es geht ja nix über das gut gepflegte Vorurteil.

    Man hat mal einen Mickey Mouse Comic aus der Ferne gesehen, keine Ahnung, wer Carl Barks etwa ist ... aber man hat eben eine "Meinung".

  • @Mayer: Die "Avengers" von Joss Whedon (Drehbuch, Regie, Schnitt) sind kein hurra-patriotisches Spektakel. Gerade Whedon hat sich in seinen bisherigen Arbeiten immer wieder als Kritiker gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse gezeigt. Gewiss ist "Avengers" ein Unterhaltungsfilm, aber keineswegs so inhaltlich flach, wie das hierzulande gern mit dem Schlagwort "Comic" in Verbindung gebracht wird. Der Film verdient ein unvoreingenommenes Publikum. - slow

  • Avangers sind genau das was der Durchschnittsamerikaner sehen möchte. Übermächtige Helden, die das Böse bekämpfen. Ähnliche Figuren gab es immer wieder in der Amerikanischen Filmgeschichte und sie tauchen immer dann auf wenn es in der Wirtschaft kriselt. Momentan, suchen die Amerikaner nach ihren Superhelden. Obama hat es leider nicht geschafft die USA wieder dorthin zu führen, wo sich die Bevölkerung gerne sieht. Mittlerweile ist es auch in den hintersten Winkel vorgedrungen, dass die USA ihre Weltmachtstellung verloren hat. Der Blau-Weiss-Rote Stern, der für Produkte "Made in USA" warb, ist von vielen Gütern verschwunden. Selbst Sam Walton (Gründung von Walmart und Werbeikone von US-Produkten) würde sich in Grab umdrehen, wenn er wüsste, dass gut 95% von des Angebots nicht mehr von der heimischen Industrie produziert wird, sondern in China oder andern asiatischen Staaten. Mit der Zerschlagung der amerikanischen produzierenden Industrie ist der Werteverlust begonnen. Amerikaner haben das Vertrauen in das System verloren. Die heimischen Firmen(von den Hegde-Fond getrieben) entlassen zu Tausenden ihre Mitarbeiter während im Süden ausländische Firmen neue Arbeitsplätze entstehen lassen. Trotzdem bleibt das Land auf der Suche nach dem All-American-Hero, den es momentan leider nur als Comic- bzw. Leinwand-Figur gibt wie Anfang der 80ziger Rocky es war.

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