Zum The Spark - der deutsche Digitalpreis Special von Handelsblatt Online

Deutscher Digitalpreis „The Spark“
Das sind die Gewinner

Die digitale Revolution krempelt alle Lebensbereiche um – auch die Landwirtschaft: Das Start-up Peat hat den deutschen Digitalpreis „The Spark“ gewonnen. Die App entdeckt Schädlinge mithilfe künstlicher Intelligenz.
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BerlinDie Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung gehört zu den drängenden Problemen des 21. Jahrhunderts. Ein deutsche Start-up will dabei helfen, es zu lösen: Peat aus Hannover hat eine App entwickelt, mit denen Bauern einfach herausfinden können, warum eine Pflanze krank ist. Ein Foto genügt, um verschiedene Schäden zu analysieren – und Ernteausfälle zu verhindern: Algorithmen gegen Käfer und Pilze.

Mit diesem Konzept hat Peat die Jury des deutschen Digitalpreises „The Spark“ überzeugt, den das Handelsblatt und die Unternehmensberatung McKinsey verleihen: Das Gründerteam um Chefin Simone Strey bekam am Donnerstag in Berlin die Auszeichnung verliehen. Platz 2 belegte der Logistikspezialist Cargonexx mit einer Plattform für Lkw-Transporte, Platz 3 der Softwareanbieter Smacc mit einer Buchhaltungssoftware für kleine und mittelständische Unternehmen.

Das Handelsblatt und McKinsey verleihen den Preis an digitale Revolutionäre. In diesem Jahr standen Projekte im Mittelpunkt, die die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz verstehen, erfolgreich umsetzen und dabei eine große Reichweite anstreben. In einem mehrstufigen Prozess wählte die Jury aus Dutzenden Bewerbungen die zehn Finalisten aus, die am Donnerstag ihre Ideen noch einmal in einem Pitch präsentierten. Ihre Ideen reichen von der Landwirtschaft bis zur Logistik.

Für die großen Ambitionen steht Peat exemplarisch. Das Hannoveraner Unternehmen nutzt eine Bilderkennung, um Veränderungen an Pflanzen auf den Grund zu gehen. Die Fotos für das Training des Algorithmus stammen aus einer Gemeinschaft von Forschern, aber auch von Nutzern, die die App verwenden. 40 Nutzpflanzen und mehr als 100 potenzielle Schäden erkennt die Technologie bislang.

Die Gründer wollen „den globalen Standard für die Klassifizierung von Pflanzenschäden“ setzen – die App wird international angeboten, die Nutzer stammen derzeit aus Indien, Brasilien und einigen afrikanischen Ländern. Der Algorithmus soll zudem nicht nur im Smartphone zum Einsatz kommen. Eine Vision: Eines Tages könnten solarbetriebene Roboter durch die Felder fahren, Unkraut mit dem Kameraauge erkennen und ausreißen.

Auch der Gründer von Cargonexx denkt groß: Rolf-Dieter Lafrenz will mit seiner Plattform „Lkw-Transporte so einfach machen wie Taxifahren“ – aufwendige Verhandlungen zwischen Speditionen und ihren Kunden sollen der Vergangenheit angehören. Ein Algorithmus namens Manni kalkuliert die Ladungsströme und berechnet auf dieser Grundlage einen Preis. Neben Tourendaten berücksichtigt das System 400 Faktoren wie Wochentag, Saison oder Großveranstaltungen.

Der Berliner Softwareanbieter Smacc hat eine Zielgruppe ausgemacht, zu der allein in Deutschland 400.000 Unternehmen zählen: Er will die Buchhaltung bei kleinen und mittelständischen Firmen weitgehend automatisieren. Dafür liest Scanner beispielsweise Rechnungen ein und weist sie dem passenden Buchführungskonto und der Kostenstelle zu. Auch Start-ups und Mittelständler sollen von Prozessoptimierung profitieren – und immer im Blick behalten, wie es um ihre Finanzen bestellt ist.

Bei der ersten Verleihung 2016 standen Geschäftsmodelle im Mittelpunkt, die die Vernetzung der Industrie vorantreiben. Sieger war die Berliner Firma Relayr, die eine Plattform fürs Internet der Dinge entwickelt hat. Firmenkunden können damit Daten aus Maschinen auslesen und analysieren, etwa für die Optimierung von Fahrstühlen. Zu den ausgezeichneten Firmen zählten auch Konux, das die Weichen auf Zugstrecken intelligent vernetzt, und Navvis, das digitale Karten von Innenräumen erstellt.

Kommentare zu " Deutscher Digitalpreis „The Spark“: Das sind die Gewinner"

Alle Kommentare
  • "Doch am meisten überzeugt hat die Jury (…) die Pflanzenkrankheit-Analyse-App von Peat. Rund 15 bis 30 Prozent der weltweiten Ernte gehen jedes Jahr verloren. „Wenn Sie Probleme lösen können Sie langfristig erfolgreich sein“, begründet Baur die Jury-Entscheidung."

    Richtige Entscheidung, finde ich. Vor allem vor dem Hintergrund der gestern in nachfolgendem Artikel veröffentlichten Informationen:

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/welthunger-index-2017-wo-der-kampf-gegen-hunger-erfolgreich-ist-und-wo-nicht/20447568.html

    Da den meisten Bewohnern der sog. "unterentwickelten" Länder die dafür notwendigen Grundvoraussetzungen fehlen - was in aller Regel n i c h t ihre Schuld ist -, haben die Bewohner der in dieser Hinsicht (also was ihre faktischen Möglichkeiten wie Bildung, Kapitalausstattung, Technologien, Güter im Allgemeinen und v.a. auch Zugang zu Informationen angeht) "privilegierteren" bzw. bessergestellten Länder aus meiner Sicht nicht nur die humanitäre - von mir aus: moralische - Pflicht, den "zurückgebliebenen" Bevölkerungen dahingehend beizustehen, dass diese ihren Rückstand bezüglich der Ermöglichung menschenwürdiger Lebensumstände schnellstmöglich aufholen können.

    Sondern dies liegt nicht zuletzt auch in deren - also unser aller - höchsteigenem Interesse.

    Denn Armut und Perspektivlosigkeit - kurz: menschenunwürdige Lebensbedingungen - sind erwiesenermaßen die Brutstätte für Hass, Gewalt, Fanatismus und Terror.

    Es muss endlich (zumindest annähernd) Chancengleichheit einziehen.

    Dies in erster Linie in Form von (KI-unterstützten) globalen Ideennetzwerken und wo immer möglich, darauf folgend der Umsetzung der dabei gewonnenen Erkenntnisse direkt vor Ort. Und überall dort, wo alle Erfahrung dafür spricht, dass dies ratsam wäre - insbesondere in Ländern mit korrupten und/oder unfähigen Regierungen -, unter Umgehung staatlicher "Machtinstanzen".

    Aber n i c h t in Form von Geldtransfers in "offizielle" bzw. staatliche Bürokratie-Kanäle.

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