Zum The Spark - der deutsche Digitalpreis Special von Handelsblatt Online

Start-up-Preis „The Spark“
Der Strom der Zukunft

Am Donnerstagabend pitchen die zehn Finalisten des Digitalpreises „The Spark“ ihre Geschäftsidee – bevor die Sieger bekannt gegeben werden. Top-Thema in diesem Jahr: künstliche Intelligenz. Die Finalisten im Überblick.
  • 2

DüsseldorfSie sind die Vorboten einer leisen Revolution: Eine App, die Ernten rettet, indem sie Schädlinge auf Pflanzen automatisch erkennt und wirksame Gegenmittel empfiehlt. Ein digitaler Übersetzer, der deutsche Sätze fast so akkurat ins Spanische oder Englische überträgt, wie es ein Dolmetscher mit Studium tut. Und Programme, die zu offenen Stellen die passenden Bewerber vorschlagen, bevor ein Personaler darauf einen Blick geworfen hat.

Alle Beispiele haben eines gemeinsam: Ohne künstliche Intelligenz, kurz KI, wären sie nicht möglich. Nach Jahrzehnten der Forschung, nach vielen euphorischen Erfolgsmeldungen und ebenso vielen Enttäuschungen sind lernende Computer nun reif für den kommerziellen Einsatz. Die Auswirkungen sind weitreichend: Künstliche Intelligenz wird verändern, wie wir arbeiten, wie wir essen, wie wir Geld anlegen, wie gesund wir leben.

Nicht nur IT-Konzerne wie Google, Microsoft oder SAP haben Zugriff auf die Technologien, die unter diesem Schlagwort zusammengefasst werden: Jedes Start-up kann die technischen Grundlagen nutzen – die Unternehmen, die im Finale des Digitalpreises „The Spark“ von Handelsblatt und McKinsey stehen, beweisen das für Branchen von der Landwirtschaft bis zu Finanzdienstleistungen.

Die Erkenntnis über die leise Revolution ist in den Führungsetagen angekommen. Aber vielen Unternehmern und Managern ist nicht klar, was sie nun tun müssen. Die Technologien sind zwar für jeden zugänglich, aber sie erfordern eine andere Art zu denken – und noch ist Zeit, das zu lernen.

Künstliche Intelligenz ist ein schillernder Begriff, der an Filme wie „Terminator“ und „Star Wars“ erinnert. Roboterhelden und -schurken, die ein eigenes Bewusstsein und einen eigenen Willen haben, sind der Dramatik zuträglich, der Realität jedoch nicht. Bislang gelingt es Forschern und Entwicklern lediglich, einzelne Fähigkeiten des Menschen abzubilden – Experten sprechen von schwacher KI, im Gegensatz zu starker KI.

Die meisten Unternehmen setzen daher auf das maschinelle Lernen, eine Teildisziplin der künstlichen Intelligenz. Dabei leiten Algorithmen aus großen Datenmengen selbst Regeln ab. Ein Computer lernt etwa anhand von Fotos, wie eine Tomate mit Eisenmangel aussieht. Die digitale Assistentin Alexa entziffert menschliche Sprache, indem sie die Schallmuster analysiert. Oder die Software einer Leitzentrale entdeckt Schäden an einer Maschine, weil die Vibrationen vom üblichen Muster abweichen.

Dahinter steckt aber kein menschliches Denken, sondern Statistik auf Highspeed. Trotzdem ist das Potenzial enorm. Durch die Digitalisierung lassen sich alle möglichen Phänomene in Daten fassen, die Quantifizierung der Welt reicht von Milliarden Textdokumenten im Internet bis zu Echtzeitdaten über die Touren einer Lkw-Flotte. Diese Informationen sind der Lernstoff für die Computer. Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt, dass der „frühe und konsequente Einsatz von intelligenten Robotern und Computern“ dem deutschen Bruttoinlandsprodukt zu einem Plus von vier Prozent oder umgerechnet 160 Milliarden Euro verhelfen könne.

Trotz des Hypes sei künstliche Intelligenz bislang im Vergleich zu den Fähigkeiten der Menschen noch relativ begrenzt, meint der Wissenschaftler und Unternehmer Andrew Ng, der zu den Vordenkern der Szene zählt. Doch der Einfluss sei gar nicht hoch genug einzuschätzen: „So, wie Elektrizität vor 100 Jahren fast alles transformiert hat, fällt mir kaum eine Branche ein, die KI in den nächsten Jahren nicht verändern wird.“

Das mag einige Jahre dauern, ähnlich wie in der industriellen Revolution, als Unternehmer erst ihre Fabriken umbauen mussten, bevor sie Pferde durch Elektromotoren ersetzten. Aber dann haben Computer „auf unsere geistigen Kräfte die gleiche Wirkung wie die Dampfmaschine und ihre Ableger auf die Muskelkraft“, wie die Ökonomen Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson vom MIT schreiben. Sie sehen daher ein „zweites Maschinenzeitalter“ anbrechen.

In den Teppichetagen und Eckbüros ist diese Erkenntnis mittlerweile angekommen. In einer Umfrage unter 3 000 Führungskräften sagten beispielsweise 85 Prozent der Teilnehmer, dass KI ihre Wettbewerbsposition verbessern könne. Allerdings wenden bislang nur fünf Prozent der Unternehmen die Technologie umfassend an, wie die Studienautoren von der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) und dem Magazin „MIT Sloan Management Review“ schreiben. Erkenntnis und Handeln sind oft zweierlei.

Massive Investitionen

Dabei gibt es Vorbilder, auch in Deutschland. Bosch-Chef Volkmar Denner etwa postuliert, dass in zehn Jahren kaum ein Produkt seiner Firma ohne künstliche Intelligenz denkbar sei. Die Autohersteller investieren massiv, damit ihre Fahrzeuge selbstständig über die Straßen navigieren können. Auch etliche Banken und Versicherungen haben das Potenzial erkannt.

Das macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar, wie der digitale Job-Monitor des Handelsblatts zeigt: Im zweiten Quartal ist die Zahl der ausgeschriebenen Stellen für KI-Experten in Deutschland um 170 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. „Besonders in der Automobilindustrie, dem Anlagenbau und der Finanzindustrie ist der Bedarf derzeit nicht zu decken“, sagt Wolfgang Wahlster, Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, den Trend nicht zu verpassen, aber den Hype zu vermeiden – das Potenzial der Technologie ist groß, aber längst nicht jedes Projekt rentiert sich. Viele Unternehmen wüssten nicht, welches Problem die Technologie lösen solle, berichtet der Analyst Brandon Purcell von der Beratung Forrester. „Das Phänomen ist noch in einer frühen Phase, und viele Nutzungsszenarien entwickeln sich erst noch.“ Er rät zu einer schrittweisen Entwicklung: mit Staubsaugrobotern anfangen, bevor man C3PO, den Roboter aus Star Wars, nachbaut.

Ohnehin geht es bei KI nicht nur um spektakuläre Erfindungen wie autonome Fahrzeuge oder Roboter – ähnlich großes Potenzial liegt in der Prozessoptimierung. Zum Beispiel, wenn Lastwagen besser ausgelastet sind oder ein Callcenter bestimmte Standardfragen von einem Computer beantworten lässt. Der Vorteil solcher Projekte: Wenn sich der geschäftliche Nutzen berechnen lässt, ist es einfacher, dafür ein Budget zu bekommen. Die Cloud-Plattformen von Anbietern wie Amazon oder Microsoft machen Experimentieren leicht.

Zudem müssen Unternehmen Daten als eigenen Wert sehen. Das gilt nicht nur für klassische Kennzahlen oder Marktanalysen, sondern auch für die Resultate von Experimenten – auch gescheiterten. Denn gerade diese seien beim Einsatz künstlicher Intelligenz aufschlussreich, sagt Stefan Suwelack, Mitgründer des Start-ups Renumics, das Simulationssoftware für den Maschinenbau entwickelt. „Die Unternehmen müssen begreifen, wie solche Lernverfahren funktionieren.“

So ein Bewusstseinswandel könnte sich künftig in der Bewertung niederschlagen, ob an der Börse oder bei Risikokapitalgebern. Denn Analysten werden in fünf Jahren den „Schatz an Informationen“ eines Unternehmens als ein wichtiges Kriterium heranziehen, prognostiziert der Marktforscher Gartner. Es sind die Daten, die die leise Revolution antreiben.

Kommentare zu " Start-up-Preis „The Spark“: Der Strom der Zukunft"

Alle Kommentare
  • Der Strom der Zukunft
    von:
    Christof Kerkmann
    Datum:
    12.10.2017 15:58 Uhr
    Am Donnerstagabend pitchen die zehn Finalisten des Digitalpreises „The Spark“ ihre Geschäftsidee – bevor die Sieger bekannt gegeben werden. Top-Thema in diesem Jahr: künstliche Intelligenz. Die Finalisten im Überblick.

    ------------------------

    Künstlicher Intelligenz begrüsse ich sehr und wünschte mir dass man diese in Brüssel bei der Europäische Union einsetzen würde.

    Dann würden auch Verträge mit SINN ausgehandelt und abgeschlossen werden als am aller wichtigsten auch eingehalten werden und nach vorne weitere Verbesserungen gesucht und ausgebaut werden !

  • „Sie sind die Vorboten einer leisen Revolution: (… )“; (Beispiele am Ende dieses Artikels)

    Nachhaltige Revolutionen geschehen immer ohne großes Getöse.
    Langsam, dafür aber unaufhaltsam.

    Hier spielt auf jeden Fall die Musik der Zukunft, auch wenn sie von den meisten eher unterschwellig wahrgenommen wird. Dies wahrscheinlich deshalb, weil die KI – wie übrigens noch jeder technische Fortschritt – bei vielen erst einmal eine ganze Zeit lang Ängste weckt, bis man sich mit ihm vertraut gemacht (und an seine Vorteile gewöhnt) hat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%