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Start-up-Preis „The Spark“
Der Strom der Zukunft

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Die Finalisten – Ein Superhirn für Firmen

Saubere Ernte

Das Team von Peat hat sich Großes vorgenommen: Das 13-köpfige Start-up aus Berlin will nicht weniger, als die globale Landwirtschaft revolutionieren. 30 Prozent der jährlichen Ernten, so argumentieren die Gründer, werden weltweit durch Pflanzenschäden vernichtet. Das will Peat ändern – mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.

So können Bauern in Indien ihre kranken Pflanzen fotografieren und mit einem Klick herausfinden, was auf ihren Feldern los ist und was sie dagegen tun können. Die App heißt Plantix, sie kennt 40 Nutzpflanzen und über 100 potenzielle Schäden. Die Bilder, die sie braucht, um zu lernen, stammen von einer Gemeinschaft aus Forschern und Anwendern.

Der Algorithmus soll nicht nur im Smartphone zum Einsatz kommen. In ihrer Vision, sagt Peat-Mitgründerin Simone Strey, werden eines Tages solarbetriebene Roboter durch die Felder fahren, Unkraut mit dem Kameraauge erkennen und ausreißen. Intelligente Drohnen werden schädliche Insekten aufspüren und nur die betroffenen Flecken mit Pestizid besprühen. So könnte der Einsatz giftiger Chemikalien verringert und der Ertrag natürlich gesteigert werden.

Superhirn für Firmen

Ein Faible für Gehirne hatte Pascal Kaufmann schon immer. Zu Beginn seiner Karriere arbeitete der Hirnforscher an der Universität von Chicago, wo er Gehirne mit Computern verband. Die größte Herausforderung bestand darin, so unterschiedliche Disziplinen wie die Medizin und die Informatik zusammenzubringen. Dort entstand die Idee von einem Superhirn, das das Wissen vieler kombiniert.
Zurück in der Schweiz, ging Kaufmann in die Wirtschaft, wo ihm klar wurde, dass so ein Hirn auch in großen Unternehmen gefragt sein könnte. Hier weiß die eine Hand oft nicht, was die andere tut – geschweige denn, was der Kollege alles im Kopf hat.

Starmind heißt das Unternehmen, das Kaufmann gegründet hat. Mitarbeiter können der Software unterschiedlichste Fragen stellen. Eine künstliche Intelligenz sucht die Person heraus, von der sie annimmt, dass sie die Frage am ehesten beantworten kann – sei es, weil sie in der Vergangenheit selbst ähnliche Fragen gestellt hat oder weil sich in ihrem Adressbuch Kontakte zum Thema befinden. Konzerne wie Bayer, Swisscom und die UBS nutzen Starmind bereits.

Schlauer Crashtest

Hält die Verpackung, wenn sie auf den Boden fällt? Wie viel Benzin verbraucht das SUV, wenn die Front bulliger aussieht? Bevor Unternehmen Prototypen bauen, simulieren sie die Eigenschaften der Produkte digital – Experten sprechen vom Computer Aided Engineering. Berechnungsingenieure bereiten die Modelle vor.

Ein Start-up aus Karlsruhe will diese Arbeit erleichtern: Renumics hat eine Software entwickelt, die viele Schritte mit Hilfe künstlicher Intelligenz erledigt. So werden die Simulationen günstiger. „Wir automatisieren die unangenehmen Aufgaben“, sagt Mitgründer Stefan Suwelack.

Im Maschinenbau werden digitale Modelle in Handarbeit für die Simulation vorbereitet, etwa indem man Teilen bestimmte Eigenschaften zuweist. Bei einem Crashtest kann das Hunderte Stunden dauern.
Suwelack beschäftigte sich bereits im Studium mit dem Thema: Er berechnete etwa, wie heiß ein Prozessor wird, wenn Strom fließt. Seine Mitgründer Markus Stoll und Steffen Slavetinsky lernte der Elektroingenieur bei der Promotion am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) kennen.

Buchhaltung 4.0

Die meisten Unternehmen gehen nicht deshalb insolvent, weil sie überschuldet sind, sondern weil sie den Überblick verloren haben, meint Ulrich Erxleben, einer der Gründer von Smacc. Der promovierte Finanzwissenschaftler weiß, wovon er spricht: Nebenbei ist er Mitinhaber und Finanzvorstand einer Craft-Beer-Brauerei.

Smacc ist eine Software, die große Teile der Buchhaltung automatisieren und die Liquiditätsplanung für kleine und mittelgroße Unternehmen erleichtern soll. Der mitgelieferte Scanner liest die Rechnungen ein. Ein Algorithmus liest bis zu 70 Datenpunkte aus dem Dokument aus, weist die Rechnung dem passenden Buchführungskonto und der Kostenstelle zu und fordert per Mail oder App eine Freigabe ein. Dank einer Schnittstelle zu 3 000 Banken kann Smacc die Überweisungen so vorbereiten, dass die zuständige Person sie einfach abzeichnen kann. Zudem gibt die Software einen Überblick über den Kontostand und ausstehende Forderungen. „Automatisierungstechnik nutzt nur dann etwas, wenn du sie in deine täglichen Prozesse so einbinden kannst, dass du nur noch auf den Knopf drücken musst“, sagt Erxleben.

Gläserner Kunde

Künstliche Intelligenz kommt oft ziemlich abstrakt daher. Die Software von SO1 ist ziemlich praktisch erlebbar – an der Supermarktkasse. Ausgewählte Filialen von Edeka und Rewe bieten ihren Kunden schon personalisierte Rabatte an. „Die Sonderangebote, mit denen die Marken und Händler die Kunden gewinnen wollen, laufen zu oft ins Leere“, erklärt Gründer Raimund Bau, ein ehemaliger Henkel-Manager. Ein Mensch, der bei jedem Einkauf eine Coca-Cola mitnimmt, kaufe das Getränk auch ohne Rabatt. Ein eingefleischter Pepsi-Trinker brauche einen starken Anreiz, um eine andere Marke zu probieren.

Die Software von SO1 aber kann noch mehr, meinen Bau und sein Vertriebschef, Stephan Visarius. Und jetzt wird es etwas abstrakter: In den Supermärkten sei der Algorithmus darauf trainiert worden, Muster im Einkaufsverhalten zu erkennen. Künftig werden zusätzlich Media- und Online-Nutzungsdaten in die künstliche Intelligenz einfließen. So soll das System anhand der Seiten oder Serien, die sich jemand anguckt, vorhersagen, ob es wahrscheinlich ein Pepsi- oder eher ein Coca-Cola-Käufer ist, der vor dem Gerät sitzt.

Kommentare zu " Start-up-Preis „The Spark“: Der Strom der Zukunft"

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  • Der Strom der Zukunft
    von:
    Christof Kerkmann
    Datum:
    12.10.2017 15:58 Uhr
    Am Donnerstagabend pitchen die zehn Finalisten des Digitalpreises „The Spark“ ihre Geschäftsidee – bevor die Sieger bekannt gegeben werden. Top-Thema in diesem Jahr: künstliche Intelligenz. Die Finalisten im Überblick.

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    Künstlicher Intelligenz begrüsse ich sehr und wünschte mir dass man diese in Brüssel bei der Europäische Union einsetzen würde.

    Dann würden auch Verträge mit SINN ausgehandelt und abgeschlossen werden als am aller wichtigsten auch eingehalten werden und nach vorne weitere Verbesserungen gesucht und ausgebaut werden !

  • „Sie sind die Vorboten einer leisen Revolution: (… )“; (Beispiele am Ende dieses Artikels)

    Nachhaltige Revolutionen geschehen immer ohne großes Getöse.
    Langsam, dafür aber unaufhaltsam.

    Hier spielt auf jeden Fall die Musik der Zukunft, auch wenn sie von den meisten eher unterschwellig wahrgenommen wird. Dies wahrscheinlich deshalb, weil die KI – wie übrigens noch jeder technische Fortschritt – bei vielen erst einmal eine ganze Zeit lang Ängste weckt, bis man sich mit ihm vertraut gemacht (und an seine Vorteile gewöhnt) hat.

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