Tidal gegen Spotify und Apple
Der Aufstand der Superstars

Rihanna, Coldplay, Madonna: Mit vielen Stars will der Rapper Jay Z den Musik-Streaming-Dienst Tidal an die Spitze führen. Der Erfolg ist keineswegs garantiert. Jetzt lautet die Frage: Was macht Apple?
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San FranciscoTidal ist mehr als nur ein neuer Online-Kanal für Musik. Es ist eine trotzige Unabhängigkeitserklärung. Wenn es nach Rapper und Unternehmer Jay Z geht, dann leitet sein Bezahldienst die Wende ein in der problematischen Beziehung zwischen Künstlern und Technologiekonzernen.

Es war irgendwo zwischen bizarr und witzig. Brav trotteten 17 Top-Künstler der Musikszene nacheinander auf die Bühne des James A. Farley Post Office in Manhattan, als ihr Name aufgerufen wurde. Die Sängerin Alicia Keys ergriff das Wort, war unglaublich begeistert über die „Energie“ im Raum und den „Moment, der für immer den Lauf der Musikgeschichte verändern wird“. Danach forderte sie die Anwesenden auf, alle Miteigentümer der Online-Plattform, eine Deklaration zu unterzeichnen, die niemand für wichtig genug befunden hatte, um sie vorzulesen.

Superstar Madonna nutzte die Chance bei der Unterschrift, ihr Bein lasziv auf dem Tisch zu drapieren, was als Höhepunkt der Veranstaltung gelten darf. Danach noch einige Minuten wortloses, fotogenes Herumstehen und Abgang hinter die Bühne. Keine Fragen, keine Erklärungen, was denn Tidal, die „erste Unterhaltungs- und Musik-Plattform im Besitz von Künstlern“ so revolutionär anders mache als die Konkurrenz.

Tidal ist auf jeden Fall einmal eines – und das ist teuer. Das Premiumangebot von 19,99 Dollar pro Monat bietet Online-Zugang zu 25 Millionen Musiktiteln in höchster Tonqualität. Der Käufer bekommt also die Qualität wieder, die er bereits hatte, als er die Musik noch auf CD kaufte.

Wer nicht so viel ausgeben will, bekommt für 9,99 Dollar im Monat dasselbe inhaltliche Angebot, aber mit reduzierter Tonqualität. Damit liegt der Neuling dann gleichauf mit etablierten Rivalen wie Marktführer Spotify mit 15 Millionen zahlenden Kunden, Rdio oder Google Play Music. Einen werbefinanzierten freien Tidal-Kanal wie ihn Spotify bietet wird es nicht geben.

Das hat Gründe. Die Musikszene fühlt sich von Technik und Internet betrogen. Deshalb nimmt sie die Sache jetzt in die eigene Hand. Seit Anfang des Jahrtausends sinken die Umsätze der Branche. Für die Jugendlichen stehen heute Firmen wie Apple oder Spotify im Mittelpunkt, iPhone, iPod und iTunes sind nicht mehr nur die Übertragungswerkzeuge für Musik. Sie haben die Künstler in den Hintergrund gedrängt, wie jedenfalls das „Material Girl“ Madonna in einem Video beklagt.

Im vergangenen Jahr sorgte Superstar Taylor Swift für Aufsehen, als sie ihre Musik Spotify zurückzog, weil sie sie nicht „kostenlos“ abgeben wollte. Auf Tidal werden ihre Stücke jetzt zu finden sein. Denn Jay Z arbeitet nach eigenem Bekunden an der „Wiedereinführung des Wertes der Musik“. Laut CEO Andy Chen wird an die Künstler das Doppelte der üblichen Abspiellizenzen ausgezahlt. Allerdings, so meldet „The Verge“, nur im Premiumdienst. In der Billigversion werde nur das gezahlt, was die Konkurrenz auch biete. Auch Jay Z kocht offenbar nur mit Wasser.

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