Tiefdruckkonzern in der Krise
Bertelsmann verschärft Druck auf Prinovis

Europas größter Tiefdruckkonzern, Prinovis, schlittert immer tiefer in die Krise. Vorstandschef Stephan Krauss muss auf Druck des Medienkonzerns Bertelsmann nun den Chefsessel räumen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. In Gesellschafterkreisen wird eine externe Lösung bevorzugt.

DÜSSELDORF. Das bestätigten Gesellschafterkreise dem Handelsblatt. Ein Prinovis-Sprecher wollte den Abgang des bisherigen Vertrauten von Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski nicht kommentieren.

Der Chefwechsel beim Branchenprimus kommt nicht überraschend. Bereits seit einem Jahr gibt es Spekulationen, dass der Wahl-Franke seinen Platz an der Spitze des Katalog- und Zeitschriftendruckers verlassen muss. Bertelsmann-Chef Ostrowski und Arvato-Chef Rolf Buch machten aus ihrer Enttäuschung mit Prinovis hinter vorgehaltener Hand keinen Hehl. Auch der Mitgesellschafter Axel Springer war mit der Führung unter Krauss alles andere als glücklich. „Wir sind mit der Entwicklung nicht zufrieden“, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner bereits vor Monaten.

Wann Stephan Krauss den Chefsessel von Prinovis verlassen muss, ist noch unklar. In Unternehmenskreisen wird davon ausgegangen, dass das frühere Vorstandsmitglied bei der Bertelsmann-Tochter Arvato bereits bis spätestens Anfang 2009 gehen muss.

Der Nachfolger für Krauss steht offenbar noch nicht fest. In Gesellschafterkreisen wird von einer externen Lösung ausgegangen. Prinovis-Vorstandsmitglied Klemens Berktold werden offenbar keine Chancen auf den Vorstandsvorsitz eingeräumt. Der gelernte Maschinenbauingenieur ist bisher für die Standorte Darmstadt, Ahrensburg und Itzehoe verantwortlich. Weder Krauss noch Berktold waren am Wochenende für Stellungnahmen erreichbar.

Bertelsmann hält über seine beiden Töchter Gruner + Jahr und Arvato 74,9 Prozent an Prinovis. Die restlichen Anteile sind im Besitz von Axel Springer. Der Tiefdruckkonzern mit einem Umsatz von zuletzt rund einer Mrd. Euro wurde 2005 vom damaligen Bertelsmann-Chef und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Gunter Thielen und dem damaligen Arvato-Chef Ostrowski gegründet. Die Erwartungen in das Unternehmen haben sich nie erfüllt. Die bei der Konzerngründung geplante Umsatzrendite von acht Prozent wurde nicht ein einziges Mal erreicht. Ein Abrutschen in die Verlustzone in diesem Jahr wird aber nach Angaben von Unternehmensinsidern vermieden. „Prinovis wird wieder schwarze Zahlen schreiben“, sagte ein Insider am Sonntag.

Die Branche steht unter riesigem Druck. Große Überkapazitäten bei den Zeitschriften- und Katalogdruckern führen zu Preisverfall. Hinzu kommt nun der Konjunkturabschwung. „Die Perspektive in der Druckbranche ist alles andere als rosig“, heißt es bei einem Prinovis-Eigner. Nach Auffassung des Bundesverbandes Druck und Medien (BVDM) wird sich die globale Finanzkrise auch auf die deutsche Druckindustrie auswirken. Unternehmer des Branchenverbandes prognostizieren, dass in der Druckindustrie Anfang 2009 die „konjunkturellen Bremsspuren“ ankommen würden. Die Erfahrungen der Vergangenheit würden zeigen, dass sich die Druckkonjunktur prozyklisch entwickele. Die geplanten Werbeverbote durch die EU-Kommission verschärfen zudem den Abschwung. Weitere Eingriffe kämen „konjunkturell zur Unzeit“, warnt BDVM-Präsident Rolf Schwarz.

Prinovis reagiert auf die Branchenkrise bereits seit vielen Monaten mit einem eisernen Sparkurs. An den Prinovis-Standorten in Itzehoe und Ahrensburg wurden Druckkapazitäten verringert. Die Darmstädter Tiefdruckerei mit 300 Mitarbeitern schließt bis Ende des Jahres. Ein weiterer Personalabbau bei dem 4 000 Mitarbeiter großen Konzern sei aber nicht geplant, sagte ein Prinovis-Sprecher.

Auch Prinovis-Konkurrent Schlott verschärft die Sparmaßnahmen. Europas zweitgrößter Katalog- und Zeitschriftendrucker will den Preisdruck in der Branche mit einem Sparplan bekämpfen. Konzernchef Bernd Rose verspricht zudem den Kostenaufwand um einen zweistelligen Millionenbetrag zu verringern.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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