Tiefdrucktochter Prinovis vor dem Aus
Preiskrieg: Bertelsmann schließt Druckerei

Der Medienkonzern Bertelsmann greift bei Prinovis durch. Europas größter Tiefdruckkonzern plant seine Druckerei in Darmstadt mit knapp 300 Beschäftigten bis zum Jahresende zu schließen. Das beschloss der Aufsichtsrat von Prinovis.

DÜSSELDORF. „Wir haben mit Standortschließung in Darmstadt lange gehadert. Doch nach Monaten der Prüfung gab es dazu leider keine Alternative“, sagte Stephan Krauss, Vorstandschef von Prinovis, dem Handelsblatt. Mit dem Personalabbau soll verhindert werden, dass der Branchenprimus in die Verlustzone rutscht.

Durch die Schließung will Prinovis Einsparungen von mindestens elf Mill. Euro jährlich erzielen. Für die beiden Standorte im norddeutschen Itzehoe und Ahrensburg gibt Prinovis hingegen nach Angaben von Unternehmensinsidern eine Standortgarantie bis 2010 ab.

Der in Hamburg ansässige Tiefdruckkonzern mit derzeit noch 4000 Mitarbeitern wurde 2005 von den Medienkonzernen Bertelsmann und Axel Springer gegründet. Die Gütersloher halten 74,9 Prozent der Anteile. Der „Bild“-Konzern ist mit 24,9 Prozent nur Juniorpartner.

Die hohen Erwartungen an Prinovis haben sich jedoch wegen die Preiskrieges in der Branche, der Überkapazitäten und der hohen Energiekosten bisher nicht erfüllt. Prinovis hat seit seiner Gründung noch keine Bilanz vorgelegt. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen soll der Umsatz im vergangenen Jahr bei rund einer Mrd. Euro gelegen haben.

Mit der geplanten Schließung der traditionsreichen Druckerei in Darmstadt fährt der neue Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski einen neuen, härteren Kurs. Denn bislang galten ein solch massiver Arbeitsplatzabbau und die Aufgabe eines Standorts als Tabu bei Bertelsmann. Ostrowski, bis Ende des Jahres die Bertelsmann-Drucksparte Arvato, gilt zusammen mit dem früheren Bertelsmann-Chef und heutigen Aufsichtratsvorsitzenden Gunter Thielen als der Vater des Druckkonzerns.

Doch nun steht Ostrowski unter großem Druck. Er hat der Besitzerfamilie von Liz und Reinhard Mohn versprochen, den Umsatz von Bertelsmann in sechs Jahren auf mehr als 30 Milliarden Euro zu steigern. Derzeit erzielt der Branchenprimus kaum mehr als 19 Mrd. Euro. Der operative Gewinn soll bis dahin von zuletzt 1,9 Mrd. auf über drei Mrd. Euro steigen. Verlustbringer kann und will sich der Druckexperte Ostrowski nicht leisten.

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