Time Warne will seine Internettochter offenbar loswerden
Microsoft pokert um AOL

Microsoft wirft ein Auge auf den Internetprovider AOL. Der weltgrößte Softwarekonzern verhandelt mit dem Mediengiganten und AOL-Eigner Time Warner über eine Beteiligung an dem Unternehmen.

HB/WSJ/hps DÜSSELDORF. Das berichteten am Donnerstag Verhandlungskreise. Die Gespräche seien allerdings in einem „sehr frühen“ Stadium. Ob es zu einer Einigung komme, sei noch unklar. Nach Angaben der Boulevardzeitung „New York Post“ soll die AOL-Beteiligung mit dem Onlinedienst MSN von Microsoft in ein gemeinsames Unternehmen überführt werden. Die Gespräche seien Teil von breiter angelegten Sondierungen über eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen, sagen Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind.

Time-Warner-Chef Richard Parsons wäre bei einem Verkauf von AOL ein Problem los. Die Tochter war vor drei Jahren für horrende Verluste von 100 Mrd. Euro verantwortlich. Sowohl Time Warner als auch Microsoft nahmen keine Stellung zu den Spekulationen.

Bei den Gesprächen ging es in erster Linie um die Frage, ob AOL zur Suchmaschinentechnik von Microsoft wechselt. Momentan nutzt AOL die Technik von Google und war hier im vergangenen Jahr der größte Einzelkunde. Bei den Verhandlungen, die als „vorläufig“ beschrieben werden, wurde aber auch darüber gesprochen, den Anzeigenverkauf von AOL und MSN-Microsoft zu vereinigen.

Die Gespräche zwischen den beiden einstigen Erzrivalen AOL und Microsoft zeigen, wie sehr sich die Internetindustrie gewandelt hat. Noch vor wenigen Jahren befanden sich die beiden in einer heftigen Schlacht um Kunden, die für die Verbindung ins Internet zahlten. Dieses Geschäft ist im Niedergang begriffen. Jetzt geht es um Anzeigenumsätze, und hier hinkt AOL wie Microsoft hinter Google und Yahoo her.

Microsoft ist besessen von dem Wunsch, Google zu überholen, das mit dem Verkauf von Anzeigen auf seiner beliebten Suchmaschinenseite ein Drei-Milliarden-Dollar-Geschäft aufgebaut hat. So entwickelte das Unternehmen kurzfristig eine brauchbare Suchmaschine, habe aber weder beim Marktanteil noch bei anderen Aspekten Fortschritte machen können, wie sie die Führungskräfte erhofft hätten, berichten MSN-Kenner.

Bei dem jährlichen Microsoft-Treffen mit Finanzanalysten im Juli verglich Microsoft-Chef Steve Ballmer die Jagd seines Unternehmens auf Google mit dem überwiegend erfolgreichen Kampf vor über zehn Jahren, bei dem es darum ging, IBM bei der Unternehmenssoftware zu überflügeln. Ballmer sagte im Juli, Microsoft wolle das notwendige tun, um an dieser Front „voran und voran und voran und voran“ zu kommen.

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