Time Warner verlangt mehr als 600 Millionen Euro
Freenet ringt um AOL Deutschland

Die Mobilcom-Tochter Freenet nimmt an dem Bieterverfahren für AOL Deutschland teil. Dies erklärte Freenet-Vorstandschef Eckhard Spoerr gestern auf der Hauptversammlung. Damit hat sich Spoerr erstmals öffentlich zu dem Thema geäußert. Für Freenet wäre die Time-Warner-Tochter eine ideale Ergänzung.

HAMBURG. Vor allem um das Geschäft mit schnellen DSL-Zugängen ins Internet auszubauen. „AOL würde gut zu uns passen“, sagte Spoerr. Mobilcom ist an Freenet mit mehr als 50 Prozent beteiligt. Freenet hatte am Ende des ersten Halbjahres 2006 rund 830 000 DSL-Kunden.

Time Warner will sich in Deutschland nur von dem Geschäft mit Internetzugängen trennen, das Portalgeschäft soll nicht verkauft werden. Die Veräußerung soll bereits Ende September abgeschlossen werden, heißt es in Firmenkreisen von AOL. An dem Zugangsgeschäft sollen nach Informationen aus Branchenkreisen noch Versatel, Telecom Italia sowie United Internet Interesse haben. Ausgeschert sei hingegen der niederländische Investor KPN, erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen. AOL Deutschland wollte sich hierzu nicht äußern. KPN war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Analysten rechnen damit, dass es zu einem harten Bietergefecht kommen wird. „Ich gehe davon aus, dass das Rennen zwischen Freenet und Telecom Italia entschieden wird“, sagt Frank Rothauge, Analyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim. Telecom Italia ist in Deutschland durch Hansenet vertreten.

Sollte Freenet den Zuschlag erhalten, würde die Mobilcom-Tochter über rund zwei Millionen DSL-Kunden verfügen und hätte damit auf einen Schlag die Vodafone-Tochter Arcor überrundet. Marktführer ist in diesem Segment die Deutsche Telekom, Branchenzweiter ist United Internet.

Fraglich ist, welchen Preis Time Warner für die deutschen DSL-Kunden bekommt. In Verhandlungskreisen heißt es, dass der US-Medienkonzern mehr als 600 Mill. Euro fordert. Interessenten seien aber nur bereit, 450 bis 500 Mill. Euro zu zahlen. Freenet-Chef Spoerr wollte sich am gestrigen Mittwoch auf der Hauptversammlung nicht zu möglichen Preisvorstellungen äußern, um seine Verhandlungsposition nicht zu schwächen. Er betonte aber, dass es für die Gesellschaft wichtig sei, in diesem Geschäftszweig durch Akquisitionen weiter zu wachsen. Ansonsten droht das Unternehmen, mittelfristig Marktanteile zu verlieren.

Für Freenet ist das Geschäft mit Internetzugängen eine der wichtigsten Ertragssäulen. Es machte im vergangenen Jahr knapp die Hälfte des Rohertrags von mehr als 300 Mill. Euro aus. Weitere rund 30 Prozent des Ertrags stammen aus dem Portalgeschäft.

Freenet-Aktionäre bezweifelten, dass das Unternehmen die Übernahme der Time-Warner-Tochter finanzieren kann, solange die geplante Fusion mit dem Mutterkonzern noch nicht vollzogen ist. Denn Freenet allein verfüge nicht über ausreichend Liquidität, um AOL Deutschland zu schlucken. „Sollte der Kaufpreis bei 600 Mill. Euro liegen, würde dies das Vierfache der Liquidität von Freenet übersteigen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW).

Mobilcom und Freenet wollen seit längerem fusionieren. Die Verschmelzung wird aber durch einige Aktionäre blockiert.

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