Trend zu Standardisierung
IT-Anbieter wetteifern um die Kaffeemaschine

Der Markt für eingebettete Computersysteme steht vor einer Konsolidierung.

FRANKFURT/M. Der Markt für so genannte „Embedded Systems“ – in Geräte wie CD-Player und Autos eingebettete Rechner – steht vor gravierenden Einschnitten. Der steigende Trend zur Standardisierung setzt viele der Hersteller in dem stark fragmentierten Markt unter Druck. Experten rechnen mit einer Konsolidierungswelle.

„Die Konvergenz von Unterhaltungselektronik und Personalcomputer stellt völlig neue Anforderungen an Embedded Systems“, nennt Ken Klein, der Vorstandschef des US-Unternehmens Wind River, eine Ursache für die Entwicklung. Der Markt für „dumme“ Konsumgeräte wie Hifi-Anlagen sterbe aus. „Heute müssen die Geräte in der Lage sein, mit anderen zu kommunizieren, was viele Anbieter von eingebetteten IT-Systemen nicht liefern können“, sagt Klein.

Wind River ist spezialisiert auf Software-Werkzeuge, mit denen Programme zur Steuerung der „Embedded Systems“ erstellt und optimiert werden können. Nach Ansicht von Klein gewinnen solche Programme künftig an Bedeutung: „Wir sehen in diesem Bereich wegen des Standardisierungsdrucks ein starkes Wachstum.“

Das bestätigt Jim Ready, Vorstandschef der US-Firma Montavista. Das Unternehmen zählt mit Wind River zu den wichtigsten Anbietern im Bereich „embedded“ Software. „Bislang haben viele Firmen ihre Software selbst entwickelt. Doch das ist zeitintensiv und teuer“, sagt Ready.

„Embedded Systems“ finden sich in zahlreichen Geräten des Alltags. Sie steuern Kaffeemaschine, Waschmaschine und Fernseher. Es gibt kaum verlässliche Angaben über die Größe des Marktes. Klein von Wind River schätzt, dass 98 % aller Halbleiterkomponenten außerhalb der PCs und Netzwerkrechner in Geräten und Anlagen eingebaut werden. Das wäre ein riesiges Volumen, schließlich werden die Halbleiterverkäufe nach Berechnungen der Gartner Group in diesem Jahr rund 217 Mrd. $ erreichen. Hinzu kommt die Software, die nötig ist, um den Chips Leben einzuhauchen.

„Wir werden im Markt für Embedded Systems ähnlich wie bei Unternehmenssoftware eine Standardisierung erleben“, prognostiziert Klein. Sie werde aber nicht nur durch die zunehmend intelligenten und vernetzten Musik-Anlagen und Fernseher getrieben. Auch in anderen Bereichen wie etwa der Fertigung verlangen die Kunden feste und klar definierte Standards. Ohne sie ist es zum Beispiel nicht möglich, die Produktion enger in die gesamte IT-Infrastruktur einer Firma zu integrieren. Bei vielen Unternehmen steht diese Integration ganz oben auf der Agenda, um die Kosten weiter zu senken.

Zusätzlichen Druck erzeugen bislang branchenfremde Anbieter wie etwa Microsoft. Für sie ist die Entwicklung zu Standards eine große Chance, einen Fuß in den neuen Markt zu bekommen. Das gilt vor allem für die Software-Seite – bei den Halbleitern ist der Kuchen bereits weitgehend verteilt; hier bestimmen die bekannten Namen wie Intel, Motorola, Samsung und Philipps das Geschehen. Geht es nach dem Willen der Microsoft-Bosse, soll das abgespeckte Betriebssystem Windows CE schon bald auch Nähmaschinen und Fabrikroboter steuern.

Ob es dazu kommen wird, ist offen. So werden gerade im „Embedded“-Markt dem offenen Betriebssystem Linux große Chancen eingeräumt. „Immer mehr dieser eingebetteten Systeme laufen unter Linux. Es ist durch die Offenheit ideal geeignet, Standards zu definieren“, sagt Ready von Montavista. Die US-Firma ist mit ihrer Software stark auf Linux ausgerichtet und konnte den Umsatz im vergangenen Jahr um über 70 % steigern. „Wir nehmen Microsoft ernst, aber Sorgen bereiten uns deren Ankündigungen nicht“, sagt Ready.

Auch Wettbewerber Wind River hat auf den Trend zu Linux reagiert. Nachdem sich die Firma lange Zeit auf ihr eigenes Betriebssystem „VxWorks“ konzentriert hat, wird jetzt über eine Partnerschaft mit Red Hat auch Linux unterstützt. Red Hat ist einer der größten Linux-Distributoren der Welt. „Die Kooperation mit Red Hat war für uns sehr wichtig, war sicherlich eine der wichtigsten in unserer Geschichte“, sagt Firmenchef Klein.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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