Trendwende in der US-Medienindustrie - Synergien aus Fusionen rücken in den Hintergrund
Viacom will sich aufspalten

Der 81-jährige Viacom-Chef Sumner Redstone plant, sein Medienkonglomerat in zwei Teile zu spalten. Das wachstumsstarke Kabelgeschäft um die Senderkette MTV und vermutlich auch das Filmstudio Paramount sollen vom traditionellen TV-Network CBS und dem Radioanbieter Infinity abgetrennt werden.

tor NEW YORK. Redstone verspricht sich davon vor allem einen kräftigen Schub an der Börse. Sind doch die Aktienkurse des drittgrößten Medienkonzerns in Amerika in vier der vergangenen fünf Jahre gefallen. Die Wachstumsschwäche im schwierigen Radiogeschäft, so die Analyse des Viacom-Chefs, habe den Erfolg der Kabelsparte überschattet. Die Börse reagierte denn auch positiv auf die Überlegungen Redstones. Der Viacom-Kurs stieg zum Handelsbeginn in New York um rund vier Prozent.

Der Patriarch des börsennotierten Familienunternehmens forciert mit seinem Vorhaben zugleich den firmeninternen Wettbewerb zwischen den beiden Co-Präsidenten Tom Freston und Leslie Moonves. Freston soll nach den Plänen die MTV-Kette und das Filmgeschäft führen, Moonves dagegen die Verantwortung für das klassische TV-und Radiogeschäft sowie für die Plakatwerbung übernehmen. Redstone selbst würde in diesem Fall Chairman zweier börsennotierter Unternehmen, bis er das Amt abgibt – vermutlich an seine Tochter Shari. Die Entscheidung über die Aufspaltung soll im zweiten Quartal fallen.

Die Pläne Viacoms signalisieren eine dramatische Trendwende in der amerikanischen Medienindustrie. Galt in den 90er Jahren die Parole, möglichst viele unterschiedliche Mediengattungen unter einem Dach zu vereinen, um Synergien etwa auf dem Werbemarkt zu nutzen, marschieren die Unternehmen jetzt in die entgegengesetzte Richtung. Time Warner und Bertelsmann haben sich faktisch von ihrem Musikgeschäft verabschiedet. Vivendi hat seine gesamte Unterhaltungssparte verkauft. Liberty Media will sich von seiner Senderkette Discovery trennen. Und um Walt Disney ranken sich Gerüchte, der Konzern könnte seinen Sportsender ESPN abspalten.

Der Sinneswandel kommt, nachdem die Fusionen der 90er Jahre die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnten. Der wirtschaftlich gescheiterte Zusammenschluss des Onlinedienstes AOL mit Time Warner ist dafür das beste Beispiel. Nur in seltenen Fällen lassen sich zum Beispiel Synergien zwischen verschiedenen Mediengattungen auf dem Werbemarkt erzielen. Analysten wie Jessica Reiff Cohen von Merrill Lynch fordern deshalb eine Trendwende. Redstone beharrt zwar darauf, dass seine früheren Zukäufe von Paramount, CBS und Blockbuster richtig waren. „Die Welt hat sich verändert und wir müssen uns anpassen, wenn wir erfolgreich sein wollen“, räumt er jedoch heute ein.

Freston hat auf den ersten Blick das bessere Los gezogen. Das Kabel- und Filmgeschäft wuchs im vergangenen Jahr mit neun Prozent etwas stärker als CBS, Infinity und die Werbesparte, die es zusammen auf ein Wachstum von 7,5 Prozent brachten. Der von Freston verantwortete Unternehmensteil steuert etwa 45 Prozent zu den Konzernerlösen von insgesamt 22,5 Mrd. Dollar bei. Experten rechnen damit, dass der 59-jährige MTV-Veteran insbesondere das Filmgeschäft von Paramount mit zusätzlichen DVD-Verkäufen ankurbeln wird. Redstone erwartet, dass eine höhere Börsenbewertung dem Unternehmen eine Akquisitionswährung für spätere Zukäufe in die Hand gibt.

Moonves kann zwar mit seinen traditionellen Sparten nicht mehr auf große Wachstumssprünge hoffen. Das TV-Network, die Radiosparte und die Plakatwerbung generieren jedoch immer noch den Löwenanteil des Umsatzes. Der 55jährige hat zudem bei CBS bewiesen, dass er auch älteren Geschäftsfeldern zu neuem Glanz verhelfen kann. Sollte im dieses Kunststück auch mit der Radiosparte gelingen, könnte er seinem internen Rivalen doch noch die Schau stehlen.

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