Trennung vom PC-Geschäft
So macht Hewlett-Packard Jagd auf IBM

Hewlett-Packard will sich vom PC-Geschäft trennen und mit dem Milliarden-Zukauf des Software-Herstellers Autonomy eine überfällige Neuausrichtung wagen. Es gilt, Boden auf den nun direkten Konkurrenten IBM gut zu machen.
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FrankfurtBis letzte Woche waren die US-Konzerne Hewlett-Packard (HP) und IBM zwei Superlative auf weitgehend getrennten Märkten: der weltgrößte PC-Hersteller und der weltgrößte IT-Dienstleister. Doch mit der Ankündigung von HP, sich vom PC-Geschäft zu trennen und stattdessen Milliarden in den Zukauf des britischen Softwareherstellers Autonomy zu investieren, ist die Aufteilung in Hardware und Software passé. Fortan muss sich HP-Chef Léo Apotheker dem direkten Konkurrenten IBM stellen.

Der Blick auf die Börse zeigt: Einfach wird das nicht. Die Anleger haben wenig Vertrauen in die neue Strategie. Am Freitag fiel der Kurs der HP-Aktie um 20 Prozent und war größter Verlierer in New York.

Bislang hatte HP den Wandel in der IT-Welt weitgehend verpasst. Der Konzern blieb im Prinzip ein klassischer PC-Anbieter, während viele Konzerne ihr Angebot mehr und mehr auf das sogenannte Cloud-Computing umstellten. Dabei werden Daten auf unternehmensexternen Großrechnern gespeichert, die bedarfsweise über das Internet genutzt werden. Der HP-Rivale IBM hatte sein Geschäft früh umgestellt und die PC-Sparte 2005 an den chinesischen Computerhersteller Lenovo verkauft.

Seitdem hat IBM eine solide Entwicklung hingelegt, die sich auch im laufenden Jahr bestätigt. So stieg der Vorsteuergewinn von April bis Juni 2011 um sieben Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar. Der Umsatz legte um zwölf Prozent auf 26,7 Milliarden Dollar zu.

HP steigerte die Umsätze im dritten Geschäftsquartal bis Ende Juli dagegen nur noch um schwache ein Prozent auf 31,2 Milliarden Dollar. Der Vorsteuergewinn kletterte zwar um knapp zehn Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar. Die Umsatzrendite vor Steuern lag mit 7,7 Prozent aber meilenweit unter der Marge von IBM von 18,3 Prozent. Auch für das Gesamtjahr ist der IBM-Chef Samuel Palmisano optimistisch, während HP-Chef Apotheker die Erwartungen zuletzt erneut dämpfen musste.

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  • P.S.: Ein IT-Konzern, der nicht einmal ein Drittel seines Umsatzes mit PCs macht, ist wohl kaum ein "klassischer PC-Anbieter". Im Übrigen war HP früher ein Drucker-, Mess- und Medizintechnik-Hersteller und wurde erst durch den Kauf von Compaq (2002) eine ernst zu nehmende Größe im PC-Geschäft. Kein Vergleich also mit DEM klassischen PC-Anbieter IBM.

  • Der Größere macht Jagd auf den Kleineren - seit wann ist das eine Nachricht? Beim Umsatz hat HP die IBM längst überholt. Falls sie aber ihr PC-Geschäft verkaufen (nur: an wen?) fallen sie hinter IBM (und Apple) zurück. Für mich sieht es eher so aus, als triebe IBM eine hechelnde HP vor sich her.

    Cloud Computing ist auch keine "Technologie", sondern ein Marketing-Schlagwort für einen IT-Management-Ansatz, der auf verschiedenen Techniken zurückgreift.

    Die Annahme, dass man grundsätzlich mit Service und Software Geld verdient und mit Hardware keines, unterstellt eine Kausalität, wo es keine gibt. Woran man nichts verdient, sind Produkte ohne USP und Sexappeal, sprich: ohne emotionalen Mehrwert. Commodities kann man nur über den Preis verkaufen. Und wären IT-Dienstleistungen so ein einfaches und bombensicheres Geschäft, dann wären debis und T-Systems nicht jahrelang Sorgenkinder von Daimler und Telekom gewesen.

  • Solang HP nicht in der Lage ist, seine internen Geschäftsprozesse zu verschlanken, die sie großteils von Compaq geerbt haben, bringt auch dieser Strategiewechsel nichts. Die Geschäftsprozesse haben sich mit der Übernahme von EDS noch verkompliziert.

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