Eine Investorengruppe um den Hedge-Fonds Harbinger Capital hat sich mit fast 20 Prozent bei der "New York Times" eingekauft und rüttelt seit Monaten an den Grundfesten der 1851 gegründeten "Grey Lady" - auch weil das Verlagshaus im ersten Quartal überraschend mit 335 000 Dollar in die Minuszone rutschte.
Zu Wochenbeginn musste Times-Chairman Arthur Sulzberger Jr. sogar gegen Gerüchte ankämpfen, dass die US-Ikone des seriösen Journalismus bei New Yorks Bürgermeister und Medien-Tycoon Michael Bloomberg landen könnte: "Diese Firma steht nicht zum Verkauf", betonte Sulzberger auf der Hauptversammlung. Dort musste er zwei Board-Sitze an die neuen Fonds-Investoren abtreten, die den Verlag zum Verkauf von Regionalzeitungen drängen (u.a. Boston Globe) und hohe Investitionen ins Online-Geschäft fordern.
Beim "Wall Street Journal", dem mit zwei Mill. Abonnenten zweitgrößten US-Titel hinter "USA Today", geht es kaum weniger turbulent zu: Seit der Übernahme durch Murdochs Medienkonzern News Corp
. im Vorjahr hat der Traditionsverlag Dow Jones bereits Geschäftsführer, Herausgeber und zahlreiche andere Manager ausgewechselt.
Der jüngste Abgang von WSJ-Chefredakteur Marcus Brauchli habe auch damit zu tun, dass er einer Sparrunde in der New Yorker Zentrale im Weg gestanden haben soll, hieß es in Unternehmenskreisen. Ein baldiger Umzug von weiten Teilen der Redaktion in die Firmenzentrale von News Corp
. nach Midtown sei beschlossene Sache, sagte ein Sprecher von Dow Jones. Beim Erzrivalen "New York Times" wird bereits Personal reduziert, bisher noch über freiwillige Abfindungsangebote. Einer internen Mitteilung an die Belegschaft zufolge werden aber auch Kündigungen nicht mehr ausgeschlossen, um die angestrebten Sparziele zu erreichen.
Der Tribune-Verlag ist mit mehr als 400 Entlassungen schon weiter, er hat es mit Blick auf den hohen Schuldenstand aber auch nötiger. Wer auf Gräbern tanzt wie Milliardär "Sam" Zell, kann sich Sanftmut nicht mehr leisten: Nach Angaben der "Chicago Tribune" hat ihr neuer Eigner das Washington-Büro des Verlags vor der Belegschaft Ende Februar als "personell überbesetztes Kosten-Center" deklariert, das "keinerlei Umsatz" erziele.

