Tribune
US-Immobilienmagnat kauft Medienkonzern

Der US-Verlag Tribune mit seinen Flaggschiffen „Los Angeles Times“ und „Chicago Tribune“ soll von US-Milliardär Sam Zell gekauft und von der Börse genommen werden. Tribune erklärte am Montag, dem Übernahmeplan Zells zuzustimmen, der das Unternehmen mit 8,2 Milliarden Dollar (6,2 Mrd. Euro) bewertet. Dessen Finanzierung birgt für die Belegschaft ein hohes Risiko.

je / Reuters CHICAGO. „Als privates Unternehmen wird Tribune sein Verlags- und interaktives Geschäft sowie den Sendebetrieb flexibler umbauen können“, sagte Unternehmenschef Dennis FitzSimons und verwies auf das langfristige Wachstum. Das Direktorium werde den Aktionären empfehlen, der Übernahme zuzustimmen, nachdem bereits ein Hauptanteilseigner grünes Licht signalisiert habe. Bis zu einer endgültigen Billigung kann das Direktorium andere Offerten in Betracht ziehen. Sollte es sich für einen anderen Bieter entscheiden, müsste Tribune 25 Millionen Dollar an Zell zahlen. Merrill Lynch und JP Morgan Chase werden das Geschäft finanzieren, hieß es.

Tribune, der zweitgrößte Zeitungsverlag der USA, kontrolliert zahlreiche Zeitungen, 23 Fernsehstationen und das Baseball-Team Chicago Cubs. Zu den größten Zeitungen der Tribune-Gruppe gehören die „Chicago Tribune“, die „Los Angeles Times“ und „Newsday“ (Long Island - US-Bundesstaat New York). Das Baseball-Team solle nach der Saison des laufenden Jahres verkauft werden, hieß es. Nach Aussage von Investor Zell soll der Verkaufserlös des Teams vor allem zur Tilgung der Schulden dienen, die im Zusammenhang mit der Übernahme aufgenommen werden. Die Gesamtverschuldung des Verlages werde zunächst auf etwa 14 Mrd. Dollar steigen. Außerdem soll eine 25-prozentige Beteiligung an dem Comcast SportsNet Chicago veräußert werden, die Baseball-Spiele im Fernsehen überträgt. Tribune ist nicht der erste große US-Verlag, der unter dem Druck fallender Anzeigenerlöse, sinkender Auflagen und Kursschwäche an der Börse nach einem Käufer sucht. Im vergangenen Jahr übernahm die McClatchy Co. den Großverlag Knight Ridder und verkaufte große Teile anschließend weiter. Trotz der schwierigen Lage bewarben sich neben dem Milliardär Zell zwei Geschäftsleute aus Los Angeles, Eli Broad und Ron Burkle, um Tribune.

Zell hatte kürzlich die größte amerikanische Büroimmobilienfirma Equity Office Properties Trust (EOP) einschließlich EOP-Schulden für 39 Milliarden Dollar verkauft an den Finanzinvestor Blackstone verkauft. Bei der jetzigen Transaktion wird der 65jährige Zell 315 Millionen Dollar beisteuern.

Der größte Teil der Finanzierung soll über einen so genannten Employee Stock Ownership Plan (ESOP) erfolgen, in den die 21 000 Beschäftigten des Verlages der Tribune Co. investiert haben. Der ESOP, ein steuerbegünstigter Firmen-Pensionsfonds, soll Mehrheitseigentümer des Konzerns werden. Er würde allerdings hoch mit Schulden beladen und trüge damit das Risiko eines weiteren wirtschaftlichen Abschwungs des Verlagshauses.

Zell wird eine nachgeordnete Schuldverschreibung und ein Bezugsrecht für 40 Prozent der Tribune-Stammaktien bekommen. Er wird Verwaltungsratsmitglied und nach dem Zusammenschluss Vorsitzender des Aufsichtsgremiums.

In publizistische Belange will sich Zell nach eigener Aussage nicht einmischen. Sein Interesse sei rein wirtschaftlicher Natur, sagte er in einem Interview. CEO Dennis FitzSimons, der das Unternehmen auf Druck eines Großaktionärs zum Verkauf stellte, wird nach Angaben des Verlages auch weiterhin die Geschicke des Unternehmens lenken.

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