Trotz Bestechungsaffäre: Telekom will Obermanns Vertrag verlängern

Trotz Bestechungsaffäre
Telekom will Obermanns Vertrag verlängern

Der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom stärkt Konzernchef René Obermann den Rücken. Das Kontrollgremium des Konzerns hat beschlossen, Obermann einen neuen Vertrag anzubieten - obwohl er selbst zu den Beschuldigten in der Bestechungsaffäre auf dem Balkan gehört.
  • 0

DÜSSELDORF. Bereits Anfang September hat das Konzern-Gremium beschlossen, Obermann einen neuen Vertrag anzubieten, obwohl die Aufseher wussten, dass er zu den Beschuldigten in einer Bestechungsaffäre bei der ungarischen Telekom-Tochter Magyar Telekom gehört. Mündliche Verhandlungen zu den konkreten Vertragsbedingungen laufen bereits, ist aus Kreisen der Bundesregierung und der Telekom zu hören.

Der Bund ist mit einem Anteil von 32 Prozent größter Telekom-Aktionär. Obermann hatte den Aufsichtsrat auf dessen Sitzung am 1. und 2. September über die Vorwürfe gegen ihn informiert. Die Staatsanwaltschaft hat am 31. August seine Wohnung und sein Büro durchsucht.

Die Bundesregierung sieht bisher aber keine Probleme in den laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Obermanns Vertrag als Vorstandschef endet am 13. November 2011. Bei der Telekom ist es üblich, gut ein Jahr vorher über eine Verlängerung zu entscheiden.

Obermann ist einer der Beschuldigten in der Affäre. Die US-Behörden ermitteln seit vier Jahren in dem Fall. Es geht um insgesamt 27 Beraterverträge, die bei Töchtern der ungarischen Telekom-Tochter Magyar Telekom in Montenegro und Mazedonien in den Jahren 2000 bis 2007 geschlossen wurden, für die keine erkennbare Gegenleistung existiert. Ziel der Zahlungen war offenbar, sich Vorteile bei der Regulierung zu erkaufen.

Die deutsche Staatsanwaltschaft hat deshalb am 31. August seine Privatwohnung und sein Büro durchsucht. "Wir haben einen Sachverhalt geprüft, der einen Anfangsverdacht begründet", sagte Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel. Dem müsse seine Behörde nachgehen. "Wir werden sehen, ob sich der Verdacht bestätigt oder schnell erledigt."

Die Behörde ermittelt gegen acht Beschuldigte, darunter ein externer Berater und sieben aktuelle oder ehemalige Telekom-Manager. Sie ist aktiv geworden, nachdem die amerikanischen Behörden ein Rechtshilfeersuchen gestellt hatten. Die Amerikaner ermitteln seit vier Jahren in dem Fall.

Wirtschaftsprüfer schlugen in Ungarn Alarm

Die Verträge haben einen Gesamtwert von rund 32 Mio. Euro. Aufgefallen sind sie erstmals im Jahr 2006, als Wirtschaftsprüfer den Jahresabschluss von Magyar Telekom kontrollierten. Sie versagten den Ungarn daraufhin das Testat.

Seite 1:

Telekom will Obermanns Vertrag verlängern

Seite 2:

Kommentare zu " Trotz Bestechungsaffäre: Telekom will Obermanns Vertrag verlängern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%