Trotz des Umsatzanstiegs Googles Gewinn enttäuscht Anleger

Google kann seinen Umsatz zwar steigern. Aber eine Variable läuft schon wieder aus dem Ruder. Die Investoren mögen das gar nicht.
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Der Gewinn von Google enttäuscht Anleger Quelle: AP
Sundar Pichai

Google-Chef Sundar Pichai bei einer Produktveranstaltung in San Francisco.

(Foto: AP)

San FranciscoDer Umsatzanstieg von Google war besser als gedacht und auch den Nettoverlust von 3,02 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2017 hätten die Anleger noch akzeptiert. Schließlich beruht er nur auf einer Sonderzahlung von 9,9 Milliarden Dollar an das amerikanische Finanzamt. Im Gegenzug darf die Google-Mutter Alphabet bis zu 100 Milliarden Dollar Kapital aus dem Ausland heimholen – alle Steuern bezahlt. Doch das Problem war der um den Steuereffekt bereinigte Nettogewinn von 6,8 Milliarden Dollar. Der lag deutlich unter den Erwartungen und die Gründe dafür sind beunruhigend. Nachbörslich brachen die Alphabet-Aktien um bis zu fünf Prozent ein.

Alphabet-Finanzchefin Ruth Porat laufen die Kosten davon. Der Anzeigenumsatz der Tochter Google, die mit 27,3 Milliarden Dollar den Löwenanteil an den 32,3 Milliarden Dollar hohen Gesamtumsatz der Holding beisteuert, ist zwar um solide 23 Prozent gestiegen. Aber die „Traffic Acquisition Cost“, TAC, sind auf 24 Prozent des Werbeumsatzes gestiegen. Zuvor waren es noch 23 Prozent. Die TAC werden zum Beispiel fällig, wenn Google seine Suchmaske als Standard auf iPhone sowie iPad oder in Webbrowsern und auf fremden Webseiten voreingestellt haben will. Dann muss ein Anteil des Umsatzes abgetreten werden. Und die Partner verlangen immer mehr.

Analyst Toni Sacconaghi von Bernstein rechnet vor, dass Google alleine für das Privileg der Suchmaske auf dem iPhone drei Milliarden Dollar pro Jahr an Apple überweist. 2014 sollen es erst eine Milliarde Dollar gewesen sein. Mit zunehmender Dominanz des iPhone steigen die Preise weiter und die Margen schrumpfen.

Dazu kommt ein massiv gestiegener Aufwand für Marketing in der Holding von 3,1 auf 4,3 Milliarden Dollar. Googles Einstieg in das Hardwaregeschäft ist Teil davon. Im vierten Quartal wurden neue Smartphones eingeführt und andere Hardware.

Allein der Google-Stand auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas im Januar war ein Millionenunterfangen. Doch wieder hat Vorstandschef Sundar Pichai keine Wahl. Amazon, das parallel am Donnerstag Zahlen vorgelegt hat, werde alle Energie für den Sprachassistenten Alexa aufwenden, bekräftigte Vorstandschef Jeff Bezos. Man sei bei Amazon selbst überrascht gewesen, wie gut die kleinen Lautsprecher mit dem Sprachassistenten eingeschlagen sind und selbst „optimistische Planungen“ übertroffen hätten.

Damit droht Amazon - neben Facebook - zum größten Konkurrenten um Werbegelder für Google aufzusteigen. Statt Griff zum iPhone, reicht der Satz „Alexa, kaufe mir .....“ und im Amazon-Warenlager wird die Bestellung vorbereitet. Amazon hat schon Ende 2017 bekanntgegeben, dass auch Werbung über die Lautsprecher geplant ist. Alexas Sprachassistenten gibt es auch in Autos, Kühlschränken oder Fernsehern.

Pichai muss deshalb Amazons Vorsprung in diesem Markt aufholen und seine „Google Home“-Digitalassistenten in die Wohnzimmer und Küchen bringen, bevor Amazon alle Haushalte in den USA verstopft hat. Koste es, was es wolle. Insgesamt stieg der Kostenblock der Holding im Jahr 2017 von 19,4 auf 24,6 Milliarden Dollar. Das Ganze muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass der erzielte Preis für eine Werbeschaltung um 14 Prozent im Quartal gesunken ist. Da gleichzeitig die Klicks auf bezahlte Werbung um 43 Prozent zugenommen haben, ist die Google-Welt noch in Ordnung. Aber Jeff Bezos ist auf dem Weg, das zu ändern und die Klicks abzufangen.

Eine Wachstumsstory als Analystenfutter musste her. Erstmals gab Pichai im Analystengespräch deshalb Details zum Cloud-Business Googles mit Unternehmen bekannt. Cloud-Infrastruktur, Speicher und Rechenleistung, zusammen mit der Cloud-Bürosoftware von Google sei ein „Geschäft von einer Milliarde Dollar“ im Quartal. Doch diese Enthüllung macht auch klar, wie weit Google noch zurückliegt.

Amazon setzt nur mit Cloud-Infrastruktur fünf Milliarden Dollar im Quartal um. Und bei einem Alphabet-Gesamtumsatz von 32 Milliarden Dollar ist eine Milliarde auch kein Game Changer. Microsoft setzt mit kommerzieller Cloud-Infrastruktur und Online-Diensten schon 7,8 von 28 Milliarden Dollar im Quartal um.

Die Aktionäre gingen am Donnerstagnachmittag erst einmal in Wartestellung. Der Kurs brach bis zu fünf Prozent ein, am Ende bleib nachbörslich aber nur noch ein Minus von zwei Prozent.

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