Trotz Widerstand
Mitarbeiter wollen SAP-Betriebsrat gerichtlich durchsetzen

Drei Mitarbeiter des größten europäischen Softwarekonzerns SAP wollen trotz eines ablehnenden Votums der Belegschaft die Wahl eines Betriebsrats mit Hilfe des Arbeitsgerichts erzwingen. Sie reichten beim Arbeitsgericht Mannheim laut IG Metall einen Antrag auf Einsetzung des Wahlvorstands ein.

HB FRANKFURT. Der Wahlsvorstand soll anschließend die Wahl eines Betriebsrats für die Konzernzentrale in Walldorf und den Standort im benachbarten St. Leon-Rot organisieren. Das Recht steht ihnen nach dem Betriebsverfassungsgesetz zu. Konzernsprecher Herbert Heitmann kritisierte die Initiative: „Wir sind enttäuscht, dass das Gesetz einer kleinen Minderheit die Gelegenheit gibt, eine überwältigende Mehrheit mündiger Mitarbeiter zwangszubeglücken.“

SAP ist mit mehr als 13 000 Mitarbeitern in Deutschland seit der Gründung das größte deutsche Unternehmen ohne Betriebsrat. Bei einer Betriebsversammlung hatten sich am Donnerstag weniger als zehn Prozent der Beschäftigten für die Aufnahme der Prozedur ausgesprochen, die einer Betriebsratswahl vorangeht.

In Walldorf und St. Leon-Rot arbeiten rund 9000 Menschen, ein Betriebsrat hätte damit 37 Mitglieder, von denen mindestens zwölf von der Arbeit freigestellt sind. Derzeit werden die Interessen der 36 000 Mitarbeiter von SAP von den acht Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat vertreten. Ihren Einfluss sichert seit 2003 ein Vertrag mit dem Vorstand.

SAP-Mitgründer Dietmar Hopp hatte sich vehement gegen einen Betriebsrat für Walldorf ausgesprochen. Ein großer Einfluss der Gewerkschaften - etwa auf die flexiblen Arbeitszeiten - könne die Kleinstadt in Nordbaden als Standort der Zentrale gefährden, warnte er.

Die IG Metall hatte wie die Gewerkschaft Verdi seit Jahren vergeblich versucht, bei SAP einen Fuß in die Tür zu bekommen. Vor drei Jahren war ein Vorstoß, einen Betriebsrat zu gründen, am mangelnden Interesse der Belegschaft gescheitert.

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