Turbo-Internet
Vodafone und Telekom arbeiten zusammen

In Zukunft nutzt Vodafone das Turbo-Internet der Deutschen Telekom. So kann es in den Festnetzmarkt eingreifen und wird eine Menge an Anschlüssen abnehmen. Die Kooperationsvereinbarung liegt nun dem Bundeskartellamt vor.
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FrankfurtVodafone geht mit Hilfe der Deutschen Telekom gegen Kabelnetzbetreiber in die Offensive: Um den Kundenexodus an Kabel Deutschland und Co zu stoppen, nutzt Vodafone künftig das Turbo-Internet des deutschen Marktführers. Der Konzern habe eine Vereinbarung getroffen, um künftig das VDSL-Netz der Telekom zu nutzen, teilte Vodafone am Donnerstag mit.

Der Schulterschluss geht noch weiter: "Die Kooperation mit der Telekom und die Nutzung der Vectoring-Technologie ermöglicht uns, im Festnetzmarkt anzugreifen", sagte Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum. Mit Vectoring will die Telekom die Geschwindigkeit ihrer Internet-Anschlüsse verdoppeln. Der Ausbau schlägt mit Milliarden zu Buche, weshalb die Telekom Partner mit ins Boot holt, die einen Teil Kosten stemmen. "Wir freuen uns, dass wir mit Vodafone einen weiteren Partner gefunden haben, der sich am Investitionsrisiko beteiligt", sagte Niek Jan van Damme, Deutschland-Chef der Telekom. Einen ähnlichen Deal schloss der T-Konzern vor wenigen Wochen bereits mit o2. Vodafone erhalte Anschlüsse zu besonderen Konditionen und verpflichte sich im Gegenzug, eine festgelegte Menge abzunehmen, erklärte die Tochter des britischen Mobilfunk-Riesen.

Das Festnetz ist das Sorgenkind von Vodafone in Deutschland: Wegen der harten Konkurrenz durch die Kabelbetreiber ist die Zahl der DSL-Kunden rückläufig - jüngst waren es noch rund drei Millionen. Die schnellen VDSL-Anschlüsse haben die Düsseldorfer seit Jahren im Angebot, der Erfolg ist mit 10.000 Kunden nur mäßig. Allerdings ist Vodafone-VDSL nur Innenstädten verfügbar.

Die Telekom hat angekündigt, in den kommenden vier Jahren 24 Millionen Haushalten superschnelle Anschlüsse auf Basis der VDSL-Technik zu bieten. Das wären doppelt so viele wie zuletzt. Gleichzeitig sollen die Zugänge mit 100 Mbit/s wesentlich schneller werden, was die Vectoring-Technologie ermöglichen soll. Dies klappt aber bislang nur dann reibungslos, wenn lediglich eine Telekomfirma ihr Glasfaserkabel an den grauen Kasten anschließt. Deshalb ist der Ausbau in der Branche umstritten - Rivalen sehen sich benachteiligt. Die Netzagentur hat aber weitgehend grünes Licht geben.

Die Kooperationsvereinbarung von Vodafone und Telekom werde jetzt der Netzagentur und dem Bundeskartellamt zur Prüfung vorgelegt, erklärte Vodafone. Der Start der Zusammenarbeit sei noch für dieses Jahr geplant. "Wir werden das prüfen, sobald uns die Unterlagen vorliegen", sagte ein Sprecher des Kartellamts.

Die Partnerschaft zwischen Vodafone und der Telekom ist eine Kampfansage an die Kabelnetzbetreiber, die sich mittlerweile 15 Prozent des Breitbandmarktes gesichert haben. Die beiden Platzhirsche Kabel Deutschland und Unitymedia können dank verlässlich sprudelnder Mieteinnahmen aus TV-Kabelanschlüssen ihre Internet-Anschlüsse zu Dumpingpreisen in den Markt drücken. Zudem erlauben Kabelnetze schon heute Geschwindigkeiten von 150 MBit/s - ohne großen Aufwand wären auch 400 MBit/s möglich. Selbst mit dem Vectoring-Beschleuniger kann die Telekom von solchen Datenraten nur träumen. Das weiß auch Vodafone: Die Briten hatten im Frühjahr nach Aussagen von Insidern eine milliardenschwere Übernahme des Branchenprimus Kabel Deutschland ausgelotet. Dieser Schritt könnte nun weniger wahrscheinlich werden. Die Kabel-Deutschland-Aktie verlor drei Prozent.

Die Aktie der Deutschen Telekom gehörte am Tag der Hauptversammlung der T-Aktionäre zu den größten Gewinnern im Dax mit einem Plus von gut einem Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Was elegant verschwiegen oder umschifft wird, ist die Tatsache, dass es sich nicht um einer Ausweitung der Versorgung handelt, sondern um eine steigende Konzentration in den Ballungszentren. Die flächendeckende tatsächliche Unterversorgung bereits wenige Kilometer von Ballungszentren entfernt, wird von der Politik und der Lobby schöngeredet. Da tut sich nach wie vor NICHTS!

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