Turbulente Hauptversammlung erwartet
Infineon gerät trotz guter Aussichten unter Druck

Einen Tag vor der Hauptversammlung kam Ulrich Schumacher gestern unter Beschuss. Von allen Seiten musste sich der Chef des Halbleiterherstellers Infineon Kritik gefallen lassen.

jojo MÜNCHEN. Aktionäre klagten über das schlechte Abschneiden der Aktie, die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) griff das Aktienoptionsprogramm an, und die IG Metall war empört, weil Schumacher die Umzugspläne für den Konzernsitz ins Ausland nicht begraben will.

Zumindest die Börse gab sich aber versöhnlich. In einem freundlichen Markt kletterte der Kurs um mehr als 3 % auf knapp 12 Euro. Die Anleger honorierten damit die guten Quartalszahlen und die zuversichtliche Prognose. "Die Krise scheint vorbei zu sein", sagte Schumacher. "Wir erwarten für alle Segmente ein stabiles Wachstum." Der Infineon-Chef fügte hinzu, die Auslastung sei in allen Fabriken zuletzt stark gewachsen. Zudem habe der Auftragseingang zugelegt.

Mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 70 Mill. Euro im vierten Quartal 2003 traf Schumacher die Erwartungen der Analysten. Auch den Umsatzrückgang gegenüber dem vorangegangenen Quartal von 8 % auf 1,62 Mrd. Euro hatten die Experten erwartet. Lediglich die Sparte Drahtgebundene Kommunikation wartete mit einem Verlust von 15 Mill. Euro mit einer negativen Überraschung auf. Um den Bereich wieder profitabel zu machen, will Schumacher das Geschäft mit Glasfaserkomponenten ausgliedern und eventuell verkaufen. Schumacher bekräftigte, dass Infineon schneller als der Markt wachsen wolle. Marktbeobachter rechnen für 2004 weltweit mit einem Umsatzplus von bis zu 20 %.

Trotz der guten Aussichten muss sich der Infineon-Vorstand auf der Hauptversammlung heute in München auf weitere Kritik einstellen. Andre Köttner, Fondsmanager von Union Investment, beklagt vor allem die schwache Kursentwicklung der Infineon-Aktie im Vergleich zum Dax und dem MSCI Europa Halbleiter-Index. "Dies muss sich das Top-Management zurechnen lassen." Köttner und die DSW ärgert zudem das aktuelle Aktienoptionsprogramm. Das Top-Management des Halbleiterproduzenten profitiere von dem Programm bereits ab einer Kurssteigerung von 0,7 % pro Jahr. Kötter: "Dies ist ein Schlag ins Gesicht der Aktionäre, die in den letzten drei Jahren jeweils ein Drittel ihres in Infineon-Aktien angelegten Vermögens einbüßten."

Ganz andere Kritik kommt von der IG Metall. Die Gewerkschafter beklagen, dass sich Schumacher auch gestern nicht von den Umzugsplänen für den Konzernsitz ins Ausland und seiner Kritik an Tarifverträgen distanziert hat. "Da fehlt eine öffentliche Klarstellung", sagte Werner Neugebauer, Chef der IG Metall Bayern.

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