TV-Geschäft
Der langsame Tod des Fernsehers

Herkömmliche TV-Geräte bringen kein Geld mehr. Doch den etablierten Herstellern fehlen die Ideen, um von den sich verändernden Sehgewohnheiten der Kunden zu profitieren. Das ruft neue Anbieter wie Apple auf den Plan.
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Tokio/FrankfurtDie Worte klingen noch wie eine Untertreibung. „Das gesamte Management hat ein starkes Gefühl der Krise“, sagte Kazuo Hirai, designierter Nachfolger von Howard Stringer an der Spitze von Sony. Zuvor hatte sein Konzern bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das zweite Quartal eine Art Offenbarungseid geleistet. Der einstige japanische Vorzeigekonzern musste seine Gewinnprognose dramatisch kappen. Statt erwarteter 60 Milliarden Yen plus werden es am Ende des Geschäftsjahrs wohl 90 Milliarden Yen minus (836 Millionen Euro). Schuld ist die Glotze.

Das TV-Geschäft, das Sony in die Knie zwingt, ist weltweit am Ende. Nicht nur in Japan, dem einstigen Ideenzentrum für immer neuere und flachere Bildschirme, ziehen sich mittlerweile alle Großen aus dem klassischen TV-Business zurück. So will Panasonic die Präsenz im Geschäft mit TV-Geräten und Displays deutlich reduzieren. Hitachi baut aus Kostengründen seine Fernseher seit kurzem nicht mehr selbst.

Auch der niederländische Elektronikkonzern Philips zieht als letzter verbliebener Massenhersteller in Europa Konsequenzen aus dem schwachen Geschäft. Vorstandschef Frans van Houten lagert die Sparte Anfang 2012 in ein Joint Venture mit dem chinesischen Partner TPV Technology aus.

Sharp-Präsident Mikio Katayama, der sich bei mittelgroßen Fernsehern aus Kostengründen inzwischen wichtige Komponenten zuliefern lässt, bringt die Lage auf den Punkt. „Niemand“, so Katayama, „kann damit wirklich noch Geld verdienen.“

Bei Philips’ TV-Sparte hat sich seit dem Jahr 2007 vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen ein Fehlbetrag von über 1,2 Milliarden Euro angesammelt. Bei Panasonic war das letzte Geschäftsjahr das dritte in Folge mit Minuszahlen im TV-Bereich. Das Fernsehgeschäft von Sony steuert sogar auf das achte Jahr in Folge mit Verlusten zu.

Es ist der Preis für einen Wettbewerb, der seit Jahren von südkoreanischen, taiwanesischen und chinesischen Herstellern getrieben wird. In den Fachmärkten sind modernste TV-Geräte schon für 350 Euro zu haben. „Der Einzelhandel nutzt Fernseher als Lockangebote, um mehr Kunden in die Märkte zu ziehen“, sagt Wolfgang Draack von der Ratingagentur Moody’s.

Mit der Billigpreisstrategie haben sich Anbieter wie Samsung Electronics und LG Electronics Marktanteile erkämpft. Doch selbst sie leiden inzwischen. Samsung musste dieser Tage rote Zahlen im TV-Geschäft melden, ebenso LG Electronics.

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  • ... und die 3D-"Innovation" ist - ich lehne mich mal weit aus dem Fenster - "braucht" in der fehlerhaften und umständlichen Form, in der sie derzeit existiert, "keiner".
    Es ist also nicht nur der Hersteller, bei dem es an echten, interessanten Innovationen fehlt, sondern auch die Sendeanstalten.

  • Ich weiß nicht, wie es vielen anderen hier geht, aber ich habe dies schon lange geahnt: Meine Sehgewohnheiten bzgl. TV sind sehr zurück gegangen, wenn nicht fast unwichtig geworden. Zu einen liegt es an der ständigen Werbung, die einem einfach wichtige Zeit stiehlt, zum anderen auch an dem so strikt vorgegebenen linearen Zeitplan, auf den man als Seher keinen Einfluss hat. Hinzu kommen noch nervige bis verdummende Formate, die anfangs nur tagsüber liefen, aber nun auch bis in den Abend "gerutscht" sind.
    Da bietet das Internet doch viele neue und gute Ansätze!
    Was hinsichtlich der Versorgung mit TV-Geräten ist, nunja, es hat doch mittlerweile (fast) jeder einen Flat zu hause und in Zeiten, in denen das Geld immer knapper wird: Wieso sollte man sich immer wieder einen neuen holen?
    TV ist für mich in der alt hergebrachten Form schon lange tot.

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