TV-Unterhaltung
Produzenten beklagen Knausrigkeit im deutschen Fernsehen

Trotz der wirtschaftlichen Erholung der Fernsehkonzerne wie RTL Group und Pro Sieben Sat 1 ist die Stimmung bei den deutschen Produzenten auf einem Tiefpunkt.
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DüsseldorfDie Hersteller von Unterhaltungssendungen klagen über die Mutlosigkeit der TV-Konzerne. "Die Bereitschaft der Sender, Risiken einzugehen, ist in Deutschland gering", sagte Ute Biernat, Chef des Unterhaltungsproduzenten Grundy Light Entertainment, dem Handelsblatt.

"Kreativität gibt es in rauen Mengen, doch keiner will sie derzeit. Ich vermisse bei den Sendern Teststrecken im Programm für neue Ideen." Die geringe Experimentierfreudigkeit der deutschen Fernsehsender sei verblüffend, denn schließlich verfügten die Unternehmen wegen den guten Werbemarktes eigentlich über ausreichend Geld. Grundy Light Entertainment, eine Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann, produziert Unterhaltungssendungen wie "Deutschland sucht den Superstar", "Supertalent" und "X-Factor"
Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des TV-Werbemarktes bekommen die Produzenten direkt zu spüren. Manche Sender schnallen den Gürtel bereits wieder enger. "Die Budgets werden kleiner. Der tote Punkt ist noch nicht erreicht", sagte Norbert Sauer, Chef der UFA Fernsehproduktion ("Bella Block", "Ein starkes Team"), auf der Filmmesse L.A. Screenings. "Die goldenen Zeiten sind schon lange her", klagt der Produzent, der bereits seit 33 Jahren im Fernsehgeschäft ist
Auch der "Superstar"-Produzent Grundy Light Entertainment spürt den Sparkurs der Sender ganz enorm. Die Kölner Firma musste die Produktionskosten nach eigenen Angaben zwischen zehn und 15 Prozent senken. "Die verlorenen Budgets kommen nicht zurück. Da machen wir uns keine Illusionen", sagt Biernat
Innovative Programmideen haben vor diesem Hintergrund offenbar kaum Chancen. "Ich werbe bereits seit drei Jahren für eine Formel-Eins-Show. Doch keiner will das von uns entwickelte Format", berichtet Biernat. "Die deutschen Sender schielen mehr nach Amerika, statt auf die Kreativität im eigenen Land zu setzen".

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " TV-Unterhaltung: Produzenten beklagen Knausrigkeit im deutschen Fernsehen"

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  • Na wenn das so ist, sollen die Privaten auch was vom GEZ-Kuchen abbekommen? Ich bin da nicht so, auch wenn ich kein Fernsehen gucke. Ist ja besser die Wirtschaft anzukurbeln als sich um ein schönes Leben zu kümmern.

  • 7 Milliarden Euro Rundfunkgebühr....ist das knausrig?
    250.000€ für eine Stunde Talk für Günter Jauch...ist das knausrig?

  • Grundy Light Entertainment hat sich ja auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, siehe Deutschland sucht den Superstar, Supertalent und X-Factor. Das ist auch ideenloses 08/15 Fernsehen.
    Statt immer nur auf Amerika zu schielen und den Rest der Welt und dann erfolgreiche Konzepte plump nachzukopieren sollte mal der eigene Grips und Mut aufgebracht werden eigene Inhalte in der Fernsehlandschaft zu etablieren.

    Wieso z.b. schaffen es die deutschen nicht eine vernünftige, unterhaltsame und erfrischende Sitcom selbst zu produzieren. Dass dazu keine Megastars benötigt werden wurde schon zig mal bewiesen. Daran kann es also nicht liegen. Aber an einem guten Drehbuch wohl eher, da haperts hier in Deutschland.

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