Überlebenskampf gegen Facebook
Anleger verlieren die Geduld mit Snap

Der einst so gefeierte Newcomer Evan Spiegel enttäuscht die Wall Street zum zweiten Mal. Seine Internet-Plattform Snapchat verliert gegen die Übermacht des Rivalen Facebook – und kämpft ums Überleben.
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San FranciscoEs gebe ein untrügliches Zeichen dafür, wann ein Unternehmen dem Tode geweiht sei, argumentiert Scott Galloway, Marketing-Professor an der NYU Stern School of Business. „Es ist der Moment, wenn der Chef der Firma auf dem Cover eines Fashion-Magazins erscheint.”

Als Beispiele nennt Galloway die in der „Vogue” abgelichtete Ex-Yahoo-Chefin Marissa Mayer – und Evan Spiegel, der in der Edelmarke Burberry die italienische Ausgabe der Modefibel zierte. Solche Bilder kommunizierten Hybris, Narzissmus und Ablenkung vom Wesentlichen, nämlich der Arbeit, sagt der Experte.

Tatsächlich läuft es inzwischen schlecht für Spiegels Firma Snap, welche die Foto- und Video-Plattform Snapchat herausbringt. Noch beim Börsengang im März war das Start-up mit viel Furore gestartet und glänzte lange Zeit mit steigenden Nutzerzahlen, fand vor allem bei den für Werbekunden so interessanten Jugendlichen viel Zuspruch.

Von der Euphorie ist nicht mehr viel übrig. Narziss Spiegel leidet unter Geldschwund und gibt inzwischen Durchhalteparolen aus. „Bobby und ich werden keine unserer Aktien in diesem Jahr verkaufen”, beteuerte er im an die Präsentation der aktuellen Quartalszahlen anschließenden Analysten-Call. „Wir glauben zutiefst an den langfristigen Erfolg von Snap.”

Die Frage ist nur, wie lange das Gründer-Duo für die Anteile überhaupt noch einen guten Preis erzielt. Der Dienst enttäuscht die Anleger bereits zum zweiten Mal in Folge. Schon die ersten Zahlen nach dem Wall-Street-Debüt lagen unter den Erwartungen, nun wiederholt sich die Malaise – so notorisch wie die Video-Endlosschleife der bei Snapchat so beliebten Video-Schnipsel namens GIFs.

Die Werbeumsätze pro Nutzer, auf denen das Kerngeschäft von Snap beruht, fallen geringer aus als erwartet. Sie beliefen sich vergangenes Quartal nur auf 1,05 Dollar, Analysten hatten laut FactSet mit einem Wert von 1,07 Dollar gerechnet. Dem Gesamtumsatz von 181 Millionen Dollar stehen gigantische Verluste gegenüber, die von 115,9 Millionen im Vorquartal auf nun 443 Millionen Dollar wuchsen.

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