Überlebenskampf
Yahoo öffnet Microsoft Tür und Tor

Das Scheitern der geplanten Werbepartnerschaft mit Google gerät Yahoo-Chef Jerry Yang zunehmend unter Druck. Angeblich muss der Konzern jetzt Stellen streichen. Yang wendet sich nun an Microsoft - einen potentiellen Käufer, den er im Frühjahr verschreckt hatte.

HB SAN FRANCISCO. Yahoo flieht in die Arme von Microsoft: Nach fast einjähriger Suche nach Alternativen hat Yahoo-Chef Jerry Yang einen Verkauf des Internetkonzerns an Microsoft als den weiterhin besten Weg bezeichnet. Allerdings müsse der Preis stimmen, sagte Yang am Mittwoch in San Francisco.

"Das Beste, was Microsoft heute tun kann, ist, Yahoo zu kaufen", sagte Yahoo-Vorstandschef Jerry Yang am Mittwoch auf einer Web-2.0-Konferenz in San Francisco. Der Verwaltungsrat von Yahoo sei jetzt "offen für alles", versicherte Yang. Anders ausgedrückt: Aus Angst vor dem Tod begeht Yahoo Selbstmord.

Anfang Mai war ein Kaufangebot von Microsoft für Yahoo gescheitert, weil Yang in den wochenlangen Verhandlungen einen höheren Kaufpreis verlangt hatte. Microsoft bot erst 31, dann 33 Dollar je Yahoo-Aktie. Das entsprach damals einem Wert von 47,5 Mrd. Dollar. Der Verwaltungsrat von Yahoo forderte aber mindestens 37 Dollar pro Aktie oder 53 Mrd. Dollar.

Bei der Vorlage des ersten Microsoft-Angebots am 1. Februar lag die Yahoo-Aktie bei 19,18 Dollar. Am Mittwoch waren es an der New Yorker Nasdaq noch 13,92 Dollar - rund 60 Prozent unter dem letzten Kaufangebot von Microsoft.

Yang zeigte sich auch weiterhin aufgeschlossen gegenüber einem Verkauf von Yahoos Internetsuche-Geschäft an Microsoft. Es gebe aber „keine Neuigkeiten“ über Gespräche zwischen beiden Konzernen. Auf einem Internet-Blog waren Berichte kursiert, Yahoo und Microsoft seien in „weit fortgeschrittenen Gesprächen“ über eine Übernahme. Zudem stehe Yang vor seinem Rücktritt. Yahoo-Vertreter wiesen den Bericht als falsch zurück.

Der Software-Marktführer gab zuletzt nicht ganz eindeutige Signale zu seinem Interesse an Yahoo. Laut dem Analystenblog "Silicon Alley Insider" ist Microsoft-Chef Steve Ballmer derzeit nicht an einem Kauf interessiert. Vielmehr rechnet man hier mit Verhandlungen über eine Zusammenarbeit bei den Suchmaschinen. Sollte Microsoft Yahoo kaufen, könnte das Unternehmen allerdings im Geschäft mit Internet-Werbung den Abstand zu Marktführer Google verringern.

Google hatte unter dem Druck der US-Kartellbehörde und der Werbebranche seine Pläne für eine Zusammenarbeit mit Yahoo im Anzeigengeschäft aufgegeben. Yang zeigte sich enttäuscht über diesen Schritt. Die beiden Internet-Riesen hatten ihren Plan im Sommer bekanntgegeben, mit der Umsetzung aber auf die Reaktion der Kartellbehörde gewartet.

Googles Entscheidung könnte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass Yahoo inzwischen Gespräche mit der Time Warner-Tochter AOL aufgenommen hat und deren Geschäft mit Inhalten und Anzeigen kaufen will. Zu den Gesprächen wollte Yang sich nicht äußern. Die Yahoo-Aktie notierte am Donnerstagvormittag in New York 3,4 Prozent im Plus, Google lag 3,5 Prozent im Minus, Papiere von Microsoft notierten zwei Prozent schwächer.

Am Vortag wurde bekannt, dass Yahoo und Google die Pläne für eine von den Kartellwächtern kritisch beäugte Werbe-Kooperation haben fallen lassen. Beide Konzerne hatten sich im Juni darauf geeinigt, Google-Werbe-Anzeigen neben Resultaten der Yahoo-Suchmaschine zu platzieren. Für Yahoo war das Bündnis eine Möglichkeit, sich der Übernahme durch Microsoft zu widersetzen.

Der Konzern wollte mit dieser Zusammenarbeit seine wirtschaftliche Basis verstärken. Das Ende des Projekts setzt Yahoo nun wieder verstärkt unter Druck. So sieht der der Analystenblog "Silicon Alley Insider" zwischen 250 bis 450 Millionen Dollar an jährlichem operativen Cash Flow, die Yahoo wegen des geplatzten Deals durch die Lappen gehen. Nach Meinung der Experten müssen 3000 Stellen gestrichen werden als Reaktion auf diese Entwicklung und auf das derzeitige konjunkturelle Umfeld.

Beobachtern zufolge könnte das Ende der Partnerschaft eine neue Chance für Microsoft bieten. Google und Yahoo erhalten über 50 Prozent der weltweit im Internet erzielten Werbeerlöse. Zusammen kontrollieren sie drei Viertel der Internetsuchen.

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