Übernahme anvisiert
AMD greift nach Grafikkarten-Legende ATI

Laut dreier gleichlautender Medienmeldungen plant der Chip-Hersteller AMD, für einen Milliardenbetrag den Grafikkarten-Produzenten ATI Technologies zu übernehmen. Damit würde ein Unternehmen seine Unabhängigkeit verlieren, das zu den bekanntesten der Computerbranche gehört und dessen Wurzeln weit zurückreichen.

HB TORONTO. Advanced Micro Devices (AMD) steht Kreisen zufolge vor dem Kauf von ATI. Es sei ein Preis von 5,6 Mrd. US-Dollar (4,4 Mrd Euro) im Gespräch, berichtete die kanadische Zeitung „Globe and Mail“ in ihrer Freitagsausgabe. Das „Wall Street Journal“ und die Nachrichtenagentur Reuters schrieben am Wochenende ebenfalls über die Pläne von AMD und nannten ähnliche Summen. Sprecher der beiden Unternehmen wollten die Berichte nicht kommentieren.

Das Geschäft könnte bereits am heutigen Montag bekannt gegeben werden, hieß es in den Kreisen. Dafür spricht auch, dass AMD im Laufe des Tages eine „wichtige Unternehmensmitteilung“ ankündigen will, wie das Unternehmen am Morgen verkündete. Konzernchef Hector Ruiz und Finanzchef Bob Rivet werden eine Telefonkonferenz mit Investoren abhalten. Weitere Details wurden nicht genannt.

ATI ist neben Nvidia einer der größten Hersteller von Grafikchips. In Millionen Computern stecken die Produkte des kanadischen Unternehmens, das von Auswanderern aus Hongkong Mitte der 80-er Jahre gegründet worden war.

AMD wolle Anfang nächster Woche eine „freundliche“ Offerte von 21 bis 23 US-Dollar je ATI-Aktie machen, schrieb „Globe and Mail“ . Das würde einem Aufgeld von 20 bis 40 Prozent gegenüber dem Kurs vor Bekanntwerden der Pläne bedeuten. Der AMD Verwaltungsrat habe die Übernahmeofferte genehmigt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen Investment-Banker. Die ATI-Aktie legte am Freitag an der Technologiebörse Nasdaq um 5,3 Prozent und im nachbörslichen Handel 7 Prozent zu auf knapp über 18 Dollar.

ATI-Kauf würde Intel treffen

ATI beliefert sowohl AMD als auch dessen wichtigsten Konkurrenten Intel. Integrierte Chipsätze, die gemeinsam mit den Mikroprozessoren Computerfunktionen übernehmen, machen nach Angaben von „Globe and Mail“ inzwischen 25 Prozent des ATI-Umsatzes aus gegenüber nur 10 Prozent vor einem Jahr. Intel habe ATI einen großen Teil des Chipsatz-Geschäfts mit niedrigen Margen wegen Kapazitätsbegrenzungen überlassen. Intel würde dieses Geschäft wahrscheinlich zurückholen, falls ATI von AMD übernommen werden sollte.

ATI mit Sitz in Markham (Provinz Ontario) hatte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2005/2006 rund 1,9 Mrd. Dollar umgesetzt. Der kanadische Spezialchip-Anbieter hatte in dem am 31. Mai beendeten Neunmonats-Abschnitt 73,7 Mill. Dollar verdient.

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