Übernahme der französischen Tochter
Bolloré schielt auf Associated Press

Der französische Geschäftsmann Vincent Bolloré will gemeinsam mit anderen Investoren die französische Tochter der US-Nachrichtenagentur Associated Press übernehmen – und den Marktführer AFP herausfordern. Dafür müsste der Milliardär allerdings kräftig investieren. Denn noch steht die Agentur auf dem französischen Markt denkbar schlecht da.

PARIS. Der französische Geschäftsmann Vincent Bolloré will gemeinsam mit anderen Investoren die französische Tochter der US-Nachrichtenagentur Associated Press übernehmen. Die Bolloré-Gruppe bestätigte am Mittwoch entsprechende Presseberichte, ohne weitere Details zu nennen. AP ist neben Agence France Presse (AFP) und Reuters die dritte auf dem französischen Markt aktive Nachrichtenagentur. Sie beschäftigt 25 Journalisten und rund 60 freie Mitarbeiter und soll vergangenes Jahr Verluste in Millionenhöhe eingefahren haben. Eine Stellungnahme von AP war nicht zu erhalten.

Bolloré setzt damit seinen Expansionskurs in der Medienbranche fort. Bislang gehören ihm der Fernsehsender "Direct 8“ sowie die Gratiszeitungen "Direct Soir“ und "Matin Plus“. Letztere betreibt Bolloré gemeinsam mit Frankreichs größter Tageszeitung "Le Monde“. Er ist außerdem Mehrheitsaktionär und Präsident der zweitgrößten französischen Werbeagentur Havas. Auch das Umfrageinstitut CSA gehört zu Bolloré’s Mischkonzern, der vergangenes Jahr insgesamt fast sechs Milliarden Euro umsetzte. Der mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy befreundete Milliardär hatte zuletzt vergeblich versucht, die defizitäre französische Wirtschaftszeitung "La Tribune“ zu übernehme. Der Luxuskonzern LVMH, derzeit noch Eigentümer von "La Tribune“, will das Blatt jetzt aber an den Medienunternehmer Alain Weill verkaufen.

Bolloré will die französische AP gemeinsam mit einem Partner betreiben. Er heißt Bertrand Eveno und war von 2000 bis 2005 Chef der mit Abstand größten französischen Nachrichtenagentur AFP. Eveno will 60 Prozent des neuen Gemeinschaftsunternehmens halten, Bolloré die anderen 40 Prozent. Wie Eveno der Agentur AFP weiter sagte, will er das Übernahmeprojekt am Freitag dem Betriebsrat von AP vorlegen. Anfang Januar soll die Entscheidung des Betriebsrats fallen.

Nach Informationen des französischen Enthüllungsblatts "Le Canard Enchainé“ will Bolloré die französische AP zu einem großen Player auf dem französischen Markt ausbauen und den Marktführer AFP herausfordern. AFP sei zu teuer und zu unflexiblel und deshalb angreifbar.

Um sein Ziel zu erreichen, müsste der Milliardär allerdings kräftig in AP investieren. Denn die Agentur steht auf dem französischen Markt denkbar schlecht da. Sie verlor in den vergangenen Jahren zahlreiche Kunden und verbreitet nur einen Bruchteil der von AFP gesendeten Nachrichten.

Der Verkauf von AP zeigt ein weiteres Mal, dass die Medienlandschaft in Frankreich stark in Bewegung ist – nicht zuletzt unter dem Druck hoher Verluste in der Branche. Das Wirtschaftsblatt "La Tribune“ soll nach dem Verkauf an Alain Weill saniert werden, was mit einem drastischen Personalabbau einhergehen dürfte. Bei der ebenfalls defizitären Tageszeitung "Le Monde“ drohen jetzt auch Entlassungen. Die profitable Wirtschaftszeitung "Les Echos“ geht aller Voraussicht nach in Kürze in das Imperium des Luxusgüter-Unternehmers Bernard Arnault über.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%