Übernahme
Ericsson kauft sich Zeit

Der schwedische Telekomspezialist Ericsson kauft sich in die Zukunft: Der weltgrößte Hersteller von Mobilfunknetzen will für 2,1 Mrd. Dollar (1,6 Mrd. Euro) den US-Routerspezialisten Redback übernehmen. Durch die Einverleibung des führenden Entwicklers von Routern kann Ericsson schneller in den Markt eintreten als es aus eigener Kraft möglich wäre.

STOCKHOLM. Router dirigieren den ständig wachsenden Datenverkehr durchs Internet und sind eine Voraussetzung für das so genannte Triple Play, die Verbindung von Fernsehen, Telefonie und Internet. „Der Preis spiegelt die Zukunft wider“, verteidigte Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg die laut Analysten hohe Kaufsumme. Svanberg räumte ein, dass Redback „nichts absolut Neues“ biete. Vielmehr kaufe sein Unternehmen Zeit, da die eigene Entwicklung dieser Router-Technologie zwei bis drei Jahre dauern würde. „Jetzt können wir schneller in den Markt gehen und ein komplettes Angebot vorlegen“, sagte er in Stockholm. Helena Nordman-Knutsson, Analystin beim Stockholmer Börsenmakler Öhman Fondkommission und renommierte Expertin für Telekommunikation, teilt Svanbergs Auffassung. „Ericsson hätte längst mit der eigenen Entwicklung beginnen müssen, um rechtzeitig im Rennen zu sein“, sagte sie dem Handelsblatt. Neben dem Zeitgewinn erhält Ericsson auch Zugang zu den Kunden von Redback.

Dem Markt für die Verknüpfung von Sprachverkehr, Video und Datenverkehr wird in den kommenden Jahren ein enormes Wachstum vorausgesagt. Immer mehr Telekomkonzerne, aber auch Fernsehsender werden in naher Zukunft ihre Angebote vom Kabel ins Internet verlegen, weil sie dadurch enorm Kosten senken und der Endkunde nur noch ein einziges Abonnement für eine Vielzahl von Diensten benötigt. Nach Angaben von Ericsson beträgt allein der Gesamtmarkt für Redbacks Technologie rund 700 Mill. Euro pro Jahr. Er soll aber bis 2009 auf eine Milliarde Euro wachsen.

Mit der Redback-Übernahme begibt sich Ericsson in direkte Konkurrenz zum US-Riesen Cisco, der im Bereich der Router-Technolgie Marktführer ist und mit seiner Technik mehr als die Hälfte des weltweiten Internet-Datenverkehrs abwickelt. Nummer zwei mit einem Marktanteil von etwa 16 Prozent ist der US-Konkurrent Juniper, an dem Ericsson bis vor einigen Jahren beteiligt war, aber während der IT-Krise 2001 ausstieg. Redback, während der IT-Krise von Nokia mit einer Kapitalspritze vor dem Ruin gerettet, kommt auf einen Marktanteil von rund sieben Prozent. Auch andere Ericsson-Konkurrenten wie Alcatel/Lucent und das Joint Venture Nokia Siemens Networks bauen auf die Internet-Protocol-Netze (IP-Netze).

Doch auch nach der Redback-Übernahme macht sich Ericsson-Chef Svanberg keine Illusionen. „Uns fehlen immer noch die richtig großen Router, die Cisco und Juniper anbieten“, sagte er.

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