Übernahme
Finanzinvestoren bieten Milliarden für Informa

Der Kauf des britischen Medienkonzerns wäre eine der größten Übernahmen unter Führung von Beteiligungsgesellschaften seit Ausbruch der Kreditkrise. Die Aktie zog nach der Ankündigung von Informa kräftig an.

LONDON. Trotz Finanzkrise lassen sich offenbar doch noch milliardenschwere Übernahmen durch Beteiligungsgesellschaften finanzieren. Der britische Medienkonzern Informa hat gerade eine Offerte über 3.4 Mrd. Pfund (4,3 Mrd. Euro) von einem Konsortium auf den Tisch bekommen zu dem die Finanzinvestoren Providence Equity, Carlyle Group und Hellmann & Friedman gehören. Die Verhandlungen über einen möglichen Verkauf befänden sich aber noch in einer frühen Phase, ließ Informa gestern wissen.

Sollte die Übernahme zustande kommen, wäre es eine der größten Transaktionen unter der Führung von Beteiligungsgesellschaften seit Ausbruch der Kreditkrise im vergangenen Sommer. Providence, Carlyle und Hellmann & Friedman wollen für Informa 506 Pence je Aktie bezahlen, das wäre eine Prämie von knapp 35 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Dienstag. Gestern legte die Aktie des Unternehmens das mehr als 2 000 Fachpublikationen verlegt und jährlich mehr als 10 000 Konferenzen organisiert 12,5 Prozent auf 425,50 Pence zu.

Nach Informationen aus Finanzkreisen hat sich das Private-Equity-Konsortium bereits ein 1,8 Mrd. Pfund schweres Finanzierungspaket gesichert. Unter anderem sollen sich die Beteiligungsgesellschaften an die Banken Goldman Sachs, JP Morgan Chase und ING gewandt haben. Providence und die beiden anderen Finanzinvestoren hatten Mitte Juni erstmals Interesse an Informa angemeldet. Zuvor hatte der Medienkonzern Fusionsverhandlungen mit dem Konkurrenten United Business Media abgebrochen. Providence ist bereits bei anderen Medienkonzernen wie Warner Music Group und Freedom Communications investiert.

Die Private-Equity-Branche gehört zu den großen Leidtragenden der Verwerfungen an den Finanzmärkten. Zu Beginn der Krise blieben die internationalen Banken auf mehreren hundert Mrd. Dollar Übernahmefinanzierungen für Beteiligungsgesellschaften sitzen, die sie plötzlich nicht mehr wie geplant über den Markt weiterverkaufen konnten. Noch immer sind die Banken damit beschäftigt, diesen Rückstau abzuarbeiten. Darüber hinaus sind die Institute nach bislang über 400 Mrd. Dollar Abschreibungen für Schäden aus der Finanzkrise deutlich risikoscheuer geworden.

Beide Effekte führen dazu, dass es Beteiligungsgesellschaften immer schwerer fällt, Finanzierungen für große Übernahmen im Milliardenbereich zusammen zu bekommen, wie sie während des Buy-Out-Booms an der Tagesordnung waren. Nach sechs Jahren kontiniuierlichen Wachstums sackte das Volumen von Übernahmen durch Beteiligungsgesellschaften im zweiten Quartal dieses Jahres weltweit auf 62 Mrd. Dollar ab. Das sind 80 Prozent weniger als noch vor einem Jahr.

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