Übernahme
Finanzinvestoren umgarnen NTL Telewest

In Großbritannien bahnt sich die bisher größte Übernahme durch Finanzinvestoren in Europa an. Eine Gruppe großer Private-Equity-Gesellschaften hat nach Informationen aus Verhandlungskreisen Gespräche mit der Kabelfernsehfirma NTL Telewest aufgenommen.

dih LONDON. Die vier Gesellschaften bieten den Angaben zufolge rund zehn Mrd. Pfund (15 Mrd. Euro) für das Unternehmen, das mehr als fünf Millionen britische Haushalte als Kunden hat. Konsortialführer soll die auf Beteiligungen an Medien- und Telekommunikationsfirmen spezialisierte US-Gesellschaft Providence Equity Partners sein. Ihr gehört bereits Kabel Deutschland.

NTL Telewest lehnte es am gestrigen Donnerstag ab, zu den Informationen aus Kreisen Stellung zu beziehen. Auch die beteiligten Private-Equity-Firmen, Providence, KKR, Blackstone und Cinven wollten sich nicht äußern. Drei der vier Finanzinvestoren waren Anfang des Jahres dabei, als ein Konsortium für rund elf Mrd. Euro die dänische Telekommunikationsfirma TDC kaufte und damit den gültigen Rekord für Private-Equity-Deals in Europa aufstellte.

NTL hatte bereits Ende 2005 einen Vorstoß von Finanzinvestoren abgewehrt. Damals hatte die größte britische Kabel-TV-Gesellschaft gerade die Fusion mit der Nummer zwei, Telewest, beschlossen. Das damalige Angebot soll sich auf neun Mrd. Pfund belaufen haben. Inzwischen hat NTL für knapp eine Mrd. Pfund die Mobilfunkfirma Virgin Mobile übernommen. Damit kann das Unternehmen seinen Kunden künftig die Vierer-Kombination aus Fernsehen, Internet, Festnetz-Telefon und Mobiltelefon anbieten. Doch die Konkurrenz auf dem britischen Markt ist hart. Fast noch wichtiger ist, dass sich NTL den Zugriff auf den Markennamen „Virgin“ sicherte, den die Briten von zahlreichen Produkten vom Handy bis zur Flugreise kennen.

Über die Erfolgsaussichten des neuen Vorstoßes wurde am Donnerstag in London heftig spekuliert. Es gab widersprüchliche Aussagen darüber, ob sich die Gespräche in einem frühen Stadium befinden oder ob es schon konkret um den Preis geht.

Gelingt die Übernahme, bekommt NTL Telewest den gleichen Großaktionär wie Kabel Deutschland. Doch Medienexperten bezweifeln, dass sich aus der Kombination bedeutsame Synergie-Effekte ergäben. Dass es keinen pan-europäischen Kabelfernsehmarkt gebe, habe schon das US-Unternehmen Liberty Media mit seinem wenig erfolgreichen Kabelnetz UPC erfahren müssen, sagte ein erfahrener Medien-Investor dem Handelsblatt. Einsparungen beim Kauf von Programmen seien kaum zu erwarten, da zum Beispiel die Hollywood-Studios ihre Produkte Land für Land vermarkteten. Allenfalls beim Einkauf von Technik wie Decodern seien Ersparnisse denkbar. Durch finanzielle Optimierung sei nichts mehr zu holen, da die Nettoschulden von NTL Telewest mit 5,4 Mrd. Pfund schon jetzt den Börsenwert klar übersteigen.

Die Herausforderung für NTL Telewest steckt vor allem im Kundendienst. Vorstandschef Stephen Burch hat sich zur Aufgabe gemacht, ihn stark zu verbessern.

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