Übernahme
IBM verstärkt seine Software-Sparte

Die Übernahmewelle in der Software-Branche rollt weiter. Der IT-Konzern IBM übernimmt den Spezialsoftware-Anbieter SPSS für 1,2 Mrd. Dollar (857 Mio. Euro) und verstärkt damit seine Service- und Softwaresparte. Der Branchenriese ist nicht der einzige Anbieter mit striktem Wachstumskurs.

MÜNCHEN. IBM baut sein Software-Geschäft weiter aus. Gestern kündigte der IT-Konzern IBM an, den auf Analyse-Software spezialisierten Anbieter SPSS für 1,2 Mrd. Dollar (857 Mio. Euro) zu übernehmen. Erst vor zwei Wochen hatte die deutsche Software AG ein Angebot für den heimischen Wettbewerber IDS Scheer vorgelegt.

In den vergangenen fünf Jahren hat der US-Konzern bereits mehr als 80 Firmen übernommen, um die Service- und Softwaresparten zu verstärken. Aus der weniger profitablen Hardware ziehen sich die Amerikaner hingegen immer stärker zurück. Das PC-Geschäft hat Vorstandschef Sam Palmisano bereits 2005 an den chinesischen Computerbauer Lenovo abgegeben und sich auch aus der Fertigung von Speicherchips und Festplatten verabschiedet.

IBM steht mit seiner Einkaufstour nicht alleine da. Im Frühjahr hat der amerikanische Datenbank-Spezialist Oracle die Akquisition des Software- und Server-Anbieters Sun Microsystems für 7,4 Mrd. Dollar angekündigt. Insgesamt hat Oracle in den vergangenen vier Jahren mehr als 30 Mrd. Dollar in Unternehmenskäufe gesteckt. Doch auch Konkurrenten wie Hewlett-Packard oder SAP aus Walldorf haben Milliarden für Übernahmen ausgegeben.

Der Aktienkurs von SPSS kletterte gestern im frühen Handel in New York um 40 Prozent auf rund 49 Dollar. IBM will den Aktionären 50 Dollar je Aktie zahlen, das ist ein Aufschlag von 42 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Montag. Die Papiere von IBM gaben in einem schwachen Markt um fast ein Prozent auf 117 Dollar nach.

Zuletzt hatte auch die Software AG tief in die Tasche gegriffen und für IDS Scheer 40 Prozent mehr gezahlt, als die Firma vor Bekanntgabe der Übernahme an der Börse wert war. In den vergangenen Monaten waren nach Angaben von Analysten in der Software-Branche hingegen lediglich Aufschläge von 20 bis 30 Prozent üblich gewesen.

Mit dem Kauf von SPSS biete IBM seinen Kunden für Analyse-Produkte "nicht mehr nur einen größeren Einblick, sondern einen wirklichen Blick in die Zukunft", erklärte der Leiter der Informationsmanagement-Sparte von IBM, Ambuj Goyal. Die Vorhersagen, welche die Software durch Auswertung großer Datenmengen über vergangene und gegenwärtige Trends erstellt, könnten Firmen wichtige Hilfen bei Entscheidungen bieten.

Nach Angaben von IBM ist der Markt für diese Analyse-Software rund 25 Mrd. Dollar schwer und wächst dieses Jahr rund vier Prozent. Das ist beachtlich, denn insgesamt schrumpft der IT-Markt und auch das Geschäft mit Programmen geht zurück. Die Marktforscher von Gartner rechnen damit, dass die Umsätze mit Software erst nächstes Jahr wieder anziehen und dann auch nur um magere 1,5 Prozent.

Das 1968 gegründete Unternehmen SPSS beschäftigt weltweit etwa 1 200 Menschen und wies 2008 einen Umsatz von 303 Mio. Dollar und einen Gewinn von 36 Mio. aus. Zum Vergleich: IBM erwirtschaftete im abgelaufenen Quartal einen Erlös von 23,3 Mrd. Dollar und einen Gewinn von 3,1 Mrd. Dollar. Die Software stand dabei für knapp ein Viertel des Umsatzes.

Ziel von IT-Konzernen wie IBM ist es, den Kunden ein immer umfassenderes Portfolio anbieten zu können. Nischenanbieter können im Konzert der Großen kaum noch mithalten. "IDS Scheer ist mit seinen 3 000 Mitarbeitern zu klein, um es alleine zu schaffen", begründete jüngst August-Wilhelm Scheer, Gründer und Aufsichtsratschef des Unternehmens, den Verkauf an die Software AG. Die IT-Industrie werde erwachsen und konsolidiere sich, so der Unternehmer.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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