Übernahme
Netzbetreiber richten neue Forderungen an Freenet

Die umstrittene Übernahme des Mobilfunk-Providers Debitel hat für den norddeutschen Rivalen Freenet späte Folgen. Der Netzbetreiber E-Plus, der über Freenet Mobilfunkverträge vertreibt, verlangt von dem Unternehmen nach Informationen des Handelsblatts eine nicht unerhebliche Bürgschaft. Doch E-Plus ist kein Einzelfall.

FRANKFURT. Mindestens ein weiterer Netzbetreiber will nach Hinweisen aus Branchenkreisen eine ähnliche Forderung stellen. In welcher Höhe sich die Bürgschaft bewegt, ist unklar. In einem Brief von E-Plus an den Freenet-Vorstandschef Eckhardt Spoerr, der dem Handelsblatt vorliegt, ist die Rede von einer Summe in Höhe "der getätigten Umsätze der letzten drei Monate diesen Jahres". Offen ist dabei allerdings, ob sich diese Aussage auf die Gesamtumsätze von Freenet bezieht oder nur auf den deutlich geringeren Umsatz direkt mit E-Plus. Branchenkreisen zufolge soll es sich aber um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln.

Freenet hatte Debitel vor wenigen Wochen für 1,6 Mrd. Euro übernommen. Verkäufer war der Finanzinvestor Permira, der nun Großaktionär von Freenet werden soll. Die Transaktion war umstritten. Zum einen hatte sich Freenet-Großaktionär United Internet (UI) gegen die Übernahme gestellt. UI war selber an einer Akquisition der Gesellschaft interessiert. Zum anderen hat Freenet mit Debitel Schulden von immerhin 1,1 Mrd. Euro übernommen.

Letzteres bereitet nun offensichtlich E-Plus Sorgen. "Unser Vertrauen in die Sicherung der geschuldeten Entgelte für die Inanspruchnahme unserer Mobilfunkdienste ist daher schwer beeinträchtigt", heißt es in dem Schreiben an Freenet-Chef Spoerr. Und weiter: "Die Patronatserklärung vom 13.01.2000 sichert unsere Forderungen vor dem oben geschilderten Hintergrund unserer Auffassung nach nicht mehr in ausreichendem Maße."

E-Plus wollte den Vorgang auf Anfrage nicht kommentieren. Auch die übrigen Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und O2 wollten keine Stellung nehmen. Eine Freenet-Sprecherin erklärte auf Anfrage, man diskutiere vertrauensvolle Geschäftsangelegenheiten grundsätzlich nicht über die Presse.

Bürgschaften von Mobilfunkprovidern gegenüber Netzbetreibern sind nichts Ungewöhnliches. Sie werden dann verlangt, wenn es Zweifel an der Bonität des Vertragspartners gibt. So musste Debitel bereits vor der Übernahme durch Freenet solche Bürgschaften stellen, da die Gesellschaft durch den Management-Buy-Out unter Permira stark mit Schulden belastet war. Die Bürgschaften wurden bislang von Permira übernommen. Bei Freenet hatten die Netzbetreiber dagegen bislang keine finanziellen Sicherheiten verlangt.

Nach dem Debitel-Deal ist die Bürgschafts-Pflicht von Debitel auf Freenet übergangen. Eigentlich hatte das Freenet-Management das Thema aber noch vor Vertragsunterzeichnung mit Permira geregelt. Doch nun scheinen einige Netzbetreiber auch Freenet selbst skeptischer zu sehen. Im Umfeld von E-Plus hieß es, die Forderung an Freenet sei "keineswegs Routine". Man habe diesen Brief nicht schreiben müssen, sich aber dennoch dazu entschlossen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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