Übernahme rückt näher
Yahoo-Zahlen enttäuschen

Es hatte die letzte Chance des US-Internetriesen Yahoo sein sollen, einer Übernahme durch Microsoft zu entgehen. Doch wo durch positive Vorgaben anderer Branchenunternehmen hohe Erwartungen herrschten, kehrte nach Vorlage der Quartalszahlen Ernüchterung ein. Nun spricht fast alles für den Sieg des Konkurrenten.

DÜSSELDORF. Im Übernahmekampf mit Microsoft hat Yahoo am späten Dienstag erstmals seit zwei Jahren wieder einen Gewinnanstieg ausgewiesen, praktisch allerdings nur auf Grund von Sondereinflüssen. Der Rest lag im Rahmen der Erwartungen. Die Wall Street reagierte abwartend, der Aktienkurs zog nachbörslich kaum an. Nicht zuletzt, weil Microsoft-Chef Steve Ballmer zuvor bereits erklärt hatte, es sei ihm egal, wie die Zahlen aussehen würden. Das Angebot Microsofts werde sich nicht ändern. Der Softwarekonzern bietet derzeit 31 Dollar pro Aktie für Yahoo.

„Wir glauben, dass es Sinn macht für unsere Internetstrategie und werden zahlen, was uns im Sinne unserer Aktionäre angemessen erscheint“, so Ballmer. Viele Analysten rechneten damit, dass Microsoft sein Angebot nachbessern könnte, sind aber jetzt verunsichert. Ballmer will bis zum Wochenende eine Entscheidung von Yahoo sehen. Sonst will er einen Kampf um den Yahoo-Verwaltungsrat anzetteln und eigene Vertreter entsenden. Angesichts der eher enttäuschend „normalen“ Zahlen könnte er sogar sein Angebot nun senken. „Der Yahoo-Verwaltungsrat sollte das Angebot jetzt annehmen“, so Analyst Paul Meeks von der Investmentfirma LA Burtschy& Co. „Sie hätten außergewöhnliches zeigen müssen, um die Investoren zu überzeugen.“ Yahoo-Chef Jerry Yang schlug im Conference-Call am späten Nachmittag moderate Töne an: „Wir sind offen für alle Optionen, auch für Microsoft“, sagte er.

Für das zweite Quartal erwartet Yang nun einen Umsatzanstieg auf auf 1,73 bis 1,93 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr wird ein Umsatz zwischen 7,2 und 8 Milliarden Dollar avisiert, nach 6,96 Milliarden. Dollar in 2007.

Der Nettogewinn der in Sunnyvale beheimateten Webfirma stieg im ersten Quartal 2008 auf 542, 2 Millionen Dollar (37 Cents pro Aktie) nach 142 Millionen Dollar (zehn Cents) im Vorjahresquartal. Darin enthalten sind allerdings rund 400 Millionen Dollar aus dem Börsengang der chinesischen Beteiligung an Alibaba.com. Der Umsatz ohne durchlaufende Kosten für Traffic-Akquisition (Zuführung von Webbesuchern durch andere Seiten) belief sich auf 1,35 Milliarden Dollar und lag damit etwas über den Analystenschätzungen, aber lediglich im Korridor der Erwartungen. Yahoo hatte 1,28 bis 1,38 Millionen Dollar avisiert. Brutto lag der Umsatz bei 1,82 Milliarden Dollar nach 1,67 Milliarden im Vorjahr – auch keine große Überraschung.

Die schwache Reaktion der Aktienmärkte resultiert aus der weit verbreiteten Erwartung, dass Yahoo alles daran setzen würde, mehr als eine Stabilisierung der Ertrags- und Umsatzsituation nach zwei Jahen des Abschwungs auszuweisen. Am 29. Januar, einen Tag vor der Microsoft-Attacke, hatte der neue CEO Jerry Yang noch gewarnt, dass ein weiteres Jahr mit „Gegenwind“ vor Yahoo liegen werde, und die Aktionäre um mehr Geduld gebeten. Seitdem ist davon keine Rede mehr, im Gegenteil bemüht sich der Co-Gründer des Web-Pioniers permanent, die goldenen Wachstumsaussichten zu betonen.

Zuletzt hatte ein blendendes Quartal des Konkurrenten Google Hoffnungen genährt, auch Yahoo werde weit über den Erwartungen präsentieren können. Diese wurden nun enttäuscht.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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