Übernahme von Bellsouth
AT&T holt sich Verlorenes zurück

Medienberichte vom Wochenende haben sich bestätigt: Der US-Telekom-Konzern AT&T bietet 67 Mrd. Dollar für den kleineren Konkurrenten Bellsouth. Mit der Übernahme verleibt sich AT&T die vierte von sieben regionalen Gesellschaften wieder ein, die einst von ihr abgespalten worden waren.

HB/tor PHILADELPHIA. Mit der Übernahme weite AT&T seine Aktivitäten in den Südosten der USA aus und bringe den größten US-Mobilfunkanbieter Cingular Wireless unter seine vollständige Kontrolle, teilte der Konzern am Sonntagabend mit. Zudem würden Milliarden-Einsparungen unter anderem durch den Abbau von Arbeitsplätzen erwartet. Bezahlt werden soll der Zukauf in Aktien. Die Übernahme soll innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein.

Kommt die Fusion zu Stande, würde die US-Telekommunikationsbranche 22 Jahre nach der Zerschlagung des damaligen Monopolisten AT&T von nur noch zwei Konzernen dominiert: dem Branchenführer AT&T und dem Zweitplatzierten Verizon, der gerade den Konkurrenten MCI geschluckt hat. Branchenexperten erwarten, dass Verizon nach einer Übernahme von Bellsouth durch AT&T versuchen würde, das Unternehmen Qwest zu kaufen. Von den sieben unabhängigen Regionalgesellschaften, die 1984 nach der Zerschlagung des AT&T-Monopols entstanden waren, blieben dann nur noch zwei übrig.

Die frühere Telekom-Gesellschaft SBC Communications hatte erst im November die alte AT&T für 16 Mrd. Dollar gekauft und deren weitaus bekannteren Firmennamen angenommen. Für Konzernchef Whitacre, der sich dem Ruhestand nähert, wäre der Kauf von Bellsouth der krönende Abschluss seiner erfolgreichen Karriere.

Die Übernahme müsste allerdings noch von den US-Wettbewerbsbehörden genehmigt werden. AT&T setzt offenbar darauf, dass den Behörden die Konkurrenz zwischen Telekom- und Kabelanbietern wichtiger ist als die Konkurrenz innerhalb der Telefonbranche. Außerdem gibt es zwischen AT&T und Bellsouth kaum regionale Marktüberschneidungen, da Bellsouth vor allem in den neun südöstlichen US-Bundesstaaten operiert.

AT&T ist in den USA Branchenführer bei Orts- und Ferngesprächen und besitzt 60 Prozent der Anteile von Cingular Wireless. 2005 setzte AT&T fast 44 Mrd. Dollar um und beschäftigte knapp 190 000 Mitarbeiter. An der Börse war AT&T zuletzt mit 108,6 Mrd. Dollar bewertet. Bellsouth ist die Nummer drei in den USA auf dem lokalen Telefonmarkt und besitzt 40 Prozent an Cingular Wireless. Der Umsatz von Bellsouth lag 2005 bei 20,55 Mrd. Dollar und die Zahl der Mitarbeiter bei etwa 63 000. Cingular Wireless, die künftig komplett zu AT&T gehören würde, hat in den USA 54,1 Mill. Kunden.

Die Bellsouth-Eigner bekämen den Übernahmeplänen zufolge bei der Fusion für jede ihrer Aktien 1,325 AT&T-Anteilsscheine. Dies entspricht einem Aufschlag auf den Schlusskurs der Bellsouth-Aktien vom Freitag von knapp 18 Prozent.

Der neue Konzern würde das Festnetz von Connecticut bis Florida und Kalifornien beherrschen und Analysten zufolge mehr als die Hälfte der 1 000 umsatzstärksten US-Unternehmen zu seinen Kunden zählen. Innerhalb von zwei Jahren nach Abschluss des Zukaufs würden Synergien zu Einsparungen von zwei Mrd. Dollar erwartet, die sich im Verlauf dann insgesamt auf 18 Mrd. Dollar summieren würden, erklärte AT&T. Dies ergebe sich durch den Abbau von Arbeitsplätzen, geringere Kosten für Werbung und günstigere Betriebskosten, da es künftig nur noch ein Netzwerk geben müsse.

AT&T kündigte zudem an, in den kommenden 22 Monaten für mindestens 10 Mrd. Dollar eigene Aktien zurück zu kaufen.

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