Übernahme von Cognos
IBM fordert SAP heraus

Die Übernahmewelle im Markt für Firmensoftware erreicht einen neuen Höhepunkt. Kurz nach dem Kauf von Business Objects (BO) durch SAP übernimmt IBM den BO-Rivalen Cognos. Damit verliert einer der letzten großen Anbieter so genannter Business-Intelligence-Lösungen zur Analyse von Geschäftsdaten seine Eigenständigkeit.

FRANKFURT. Die Übernahme bedeutet eine Strategiewende von IBM. Zwar ist der IT-Riese seit Jahren auf Einkaufstour. Doch Cognos ist nicht nur ein dicker Brocken; mit dem Kauf drängt IBM auch in den Markt für Anwendungssoftware. "Das ist eine starke Abkehr von IBMs bisheriger Strategie, sich aus dem Anwendungsmarkt herauszuhalten“, sagte Andreas Bitterer vom Marktforscher Gartner-Group.

Vor allem SAP und Oracle dürften sich herausgefordert sehen. Die Walldorfer hatten erst vor knapp vier Wochen den Cognos-Rivalen Business Objects gekauft. Oracle hatte im März den BI-Spezialisten Hyperion erworben. "IBM geht auf totalen Konfrontationskurs mit Oracle und SAP, zumindest was die Softwareseite betrifft“, sagte Bitterer. Ein SAP-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht zu dem IBM-Deal äußern.

Christian Glas vom Münchener Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Consultants beurteilt die Übernahme etwas gelassener. "IBM nähert sich dem SAP-Beritt. Aber letztlich geht es hier um Technik, die zur IBM-Plattform WebSphere passt“, sagte er. "Ich würde nicht so weit gehen, dass IBM jetzt in das Anwendungsgeschäft gehen wird.“

IBM betont seit langem, dass der Konzern keinerlei Ambitionen habe, in den SAP-Markt einzusteigen. "Wir arbeiten bei Unternehmenssoftware eng mit Firmen wie SAP oder Oracle zusammen und sind mit unserem heutigen Softwareangebot einer der größten Akteure in diesem Geschäft. Aber wir werden sicherlich nicht ein Konkurrenzprodukt zu SAP auf den Markt bringen“, hatte Steve Mills, der Softwarechef von IBM, vor einiger Zeit im Interview mit dem Handelsblatt erklärt.

Dennoch dürfte der Coup von "Big Blue“ in Walldorf einen Alarm ausgelöst haben. Denn IBM verfolgt damit jetzt denselben Ansatz wie SAP: Beide Unternehmen verkaufen die Analyse- und Planungssoftware als Bestandteil der Technikplattform, mit der Unternehmen ihren IT-Flickenteppich zusammenfügen können. "Den Kauf kann man als Reaktion auf die SAP-Übernahme interpretieren. Mit Business Objects ist ein großer unabhängiger Anbieter künftig bei SAP, also musste man reagieren“, sagte Glas von PAC.

Seite 1:

IBM fordert SAP heraus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%